Faszinierende Gitarre

ars Weidenau. Studierende des Fachs Musik, ausgebildet von Antje Asendorf und Dominik Jung, spielten im Musiksaal der Universität vor einem eher kleinen, aber fachkundigen Publikum. Auf dem Programm standen Werke der späten Renaissance, des Barock, der Klassik und des 20. Jahrhunderts. Zehn Studierende spielten insgesamt 15 Werke, alle bis auf eines auf der akustischen Gitarre.

Beginnend mit Robert Johnsons „Alman“ hatten die Studierenden vor allem anspruchsvolle und ruhigere Werke ausgesucht, die in Reihung eine ebenso dichte wie angenehme Atmosphäre erzeugten. „Ballet“ von Louys de Moy, eine abgeklärte Komposition, bei aller Virtuosität fast keusch im Ausdruck, war ein gutes Beispiel für anspruchsvolle, introvertierte, klassische Gitarrenmusik, die von den Studenten engagiert und mit viel Wagemut gespielt wurde, denn nicht alles konnte gelingen, kleine Patzer machten das Konzert besonders ehrlich und authentisch.

Isaac Albeniz’ „Suite española“ op. 47 und daraus „Asturias“ kennt vom Klang her vermutlich jeder, selbst in der Rockmusik („Spanish Caravan“) begegnen einem diese ohrwurmartigen Tonfolgen. Was es aber heißt, wenn Studenten, gewissermaßen angelernte Laien, solch ein Stück spielen, ließ das vielumjubelte Ende des Abends hören: Nicht nur die Begeisterung, nicht nur die anfängliche Bangigkeit, nicht nur die unsterblichen Rhythmen und Melodien (all das auch!), sondern vor allem auch den Prozess des Erarbeitens ließen die Wiedergaben hören, je besser die Stücke bekannt waren, desto mehr.

Besonders bekannt ist die Bourrée aus Bachs Suite e-Moll BWV 996, atmosphärisch dicht und unverkennbar, ein unsterblicher Klassiker mit kleinem Strauchler, auch in dieser Transkription für Gitarre eine echte Bereicherung. Eine weitere Transkription, die Chaconne des schlesischen Lautenisten Sylvius Leopold Weiss, brachte vielleicht am eindrucksvollsten den Charakter der klassischen Gitarre zu Gehör. Die suggestiv angelegten Linien schlugen die Hörer in ihren Bann.

Nico Schmitz, dessen Name hier stellvertretend für alle anderen Solisten genannt sei, spielte als einziger Student auch ein Stück auf der E-Gitarre. „Earth“, ein Latino-Blues mit Background-Percussion, ließ die ganz andere Seite der Gitarre hören. Nicht das mühselige Erzeugen von reinen Tönen ist die Aufgabe, sondern das spannungs- und energiegeladene Verschleifen der Akkorde mit Wah-Wah und anderen Verzerrern. Es war eine Demonstration, eine lange dazu, mehr nicht.Die E-Gitarre ist vom Ausdruck her ein völlig anderes Instrument, und nicht nur deshalb, weil sich ihre Klänge mit einem Verstärker bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus verstärken lassen. Diese Demonstration wäre nicht nötig gewesen. Carlo Domeniconis „Koyunbaba“ orientiert sich nicht nur an klassischen, sondern auch an popkulturellen Mustern. Ein weiteres Werk einer aktuellen Komposition für klassische Gitarre an der Stelle einer Demonstration an der Elektro-Gitarre wäre programmatisch weit stimmiger gewesen.Das Allegro aus einer Sonate von Thomas Matiegka ließ die Gitarre einmal im Gewand der klassischen Formensprache hören, ein sehr seltener Genuss, denn die klassischen Komponisten schrieben kaum für die Gitarre. Dieser Gitarrenabend erfreute durch junge, sehr engagierte Akteure, durch ein fast stimmiges Programm und durch viele unbekannte, aber hörenswerte Kompositionen für die Konzertgitarre.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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