Federn werden kleiner und leichter

Pensionär Prof. Dr.-Ing. Horst Weiss hat fünf Drittmittelprojekte unter seinen Fittichen

kk Siegen. Gut gefedert? Ein Qualitätskriterium nicht nur, aber besonders bei Autos. Stattlich sehen die geringelten Sicherheitsteile bislang aus. Das soll sich ändern. Weniger Gewicht, weniger Material und im Gegenzug sinkender Treibstoffverbrauch – das Drei-Liter-Auto ist im Visier. Nur: Werden Sicherheitsteile wie Federn immer kleiner und immer leichter, birgt das auch Gefahren. Die Abnutzungsanfälligkeit steigt. Experten sind gefragt. Einer davon ist Prof. Dr.-Ing. Horst Weiss vom Labor für Oberflächentechnik (LOT) der Universität Siegen.

Der ist eigentlich seit dem Frühjahr Pensionär. In seinem Tagesablauf hat sich seitdem jedoch wenig geändert. Voll und ganz steht der 65-Jährige im Dienst der Wissenschaft. Gefragt sind sein Wissen und seine Erfahrung wie eh und je. Fünf große Drittmittelprojekte laufen unter seiner Regie. Dieser stolzen Bilanz verschloss sich auch die Hochschulleitung nicht. Seit April ist LOT im Artur-Woll-Haus beheimatet. Zwei stattliche Labors und zwei Büros stehen Weiss, seinen sechs wissenschaftlichen Mitarbeitern und den Studierenden zur Verfügung.

»Abgesehen von den Räumlichkeiten lebe ich zu 100 Prozent von Drittmitteln«, verkündet Weiss mit Stolz. Die Untersuchung verschiedener Stähle auf Ermüdung und Korrosionsbeständigkeit ist eines dieser mit Geldern aus der Wirtschaft finanzierten Projekte. Kleine, schmale Stahlproben werden in eine Testmaschine eingespannt und unter Schwingung gesetzt. Zudem wird ein Elektrolyt aufgetragen – quasi als Streusalz-Simulation. Unter Belastung bricht das Teststück irgendwann. Weiss: »Untersucht man verschiedene Stähle, kann man Aussagen treffen beispielsweise über den Einfluss von Nickel oder Kupfer auf das Materialversagen.« Übrigens: Die Testvorrichtung wurde von Diplomanden und Doktoranden konzipiert und auch in der eigenen Werkstatt hergestellt. In einem weiteren Schritt sollen auch Beschichtungen auf ihre Beständigkeit hin überprüft werden. Das Projekt wurde im Herbst 2002 gestartet und läuft drei Jahre lang. Rund 500000 e fließen nach Siegen. Das Projekt basiert auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen LOT und einem Sauerländer Federhersteller.

Ein weiterer Drittmittel-Schwerpunkt im Labor für Oberflächentechnik ist die Metallisierung von Hochleistungskunststoffen. Eingesetzt werden diese nicht zuletzt beim Bau von Formel-1-Fahrzeugen. Kohlefaserverstärkte Kunststoffe sorgen beispielsweise dafür, dass auch bei schweren Unfällen die Fahrerzellen intakt bleiben. Da die Eigenschaften von Hochleistungskunststoffen bei Reibung nicht gut sind, muss das Material in manchen Fällen - so zum Beispiel bei Walzen – mit Metall beschichtet werden. Problematisch war lange Zeit die Anbindung von Kunststoff und Metall. Eine Promotion brachte die Lösung und mehr Haftfestigkeit an den Verbindungsstellen. Der Doktorand machte sich mit seiner Neuerung selbstständig. Insgesamt laufen im LOT drei Drittmittelprojekte im Bereich der Metallisierung. Umfang: etwa 600000 e.

»Ich merke nichts vom Ruhestand«, bilanziert Prof. Weiss. Im Fachbereich selbst möchte er aber nicht mehr mitmischen: »Ich interessiere mich nur noch für meine Projekte«. Eines weiß er genau: »Drittmittelprojekte kommen nicht von heute auf morgen, sondern müssen sich langfristig entwickeln.« Überhaupt sind Kooperationen mit der Industrie ein Steckenpferd des Maschinenbau-Ingenieurs, der 1990 vom Frauenhofer Institut für Angewandte Materialforschung in Bremen nach Siegen wechselte. »Ich wollte von Anfang an mit der Industrie zusammenarbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen zu stützen. Das war von vornherein meine Mission.«

Doch nicht nur für Drittmittelprojekte setzt Weiss sich ein. Auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Russland hat er sich auf sein Banner geschrieben. Studierende aus Moskau und aus anderen russischen Städten sind zu Studienaufenthalten zu Gast. Von der Moskauer Gubkin-Universität erhielt er einen Ehrendoktortitel. Nunmehr will der Pensionär im Unruhestand auch Kontakte nach Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, knüpfen und einen Studenten via Stipendium nach Siegen holen.

Das Engagement des Wissenschaftlers ist breit gefächert. Weiss: »Ein Ende ist nicht abzusehen.« Daher habe es auch keine Abschiedsfeier am Fachbereich gegeben. Dafür aber sollen die neuen Räumlichkeiten im Artur-Woll-Haus feierlich eröffnet werden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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