Ferndorf gewinnt den Handball-Krimi

 Stopp, Kamerad, du wirfst hier nicht! Christoph Neuhold (grünes Trikot) bremste hier den Ferndorfer Lucas Schneider regelwidrig am Kreis. Klare Sache: Das gab Siebenmeter! Fotos (2): Reinhold Becher
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geo - Zeitungsleser, die am Samstagmorgen vielleicht bei einem heißen Kaffee trinken in das knackige Frühstücksbrötchen beißen, wissen ganz sicher, dass es zu diesem Zeitpunkt  schon ziemlich sch...egal ist, wie etwa zwölf Stunden zuvor der 26:25-Heimsieg des TuS Ferndorf über den ASV Hamm Westfalen zustande kam! Während die Gäste nämlich im 9. Auswärtsspiel die 9. Auswärtsniederlage mit ins östliche Ruhrgebiet nahmen, kletterte der TuS zumindest für einen Tag auf Platz 14 der Zweitliga-Tabelle.

Handball-Spiele in der Stählerwiese sind einfach nichts für schwache Nerven! Auch dieser westfälische Krimi zehrte an den Nerven aller Beteiligten. Keine Mannschaft lag mal mit mehr als zwei Toren vorn. Ständig ging es hin und her. Und in der 2. Halbzeit, als die in der ersten Hälfte noch höchst spärlichen Treffer wie Schneeflocken aus dem Dezember-Himmel plumpsten, da musste man doch ein wenig um den TuS fürchten, der überraschend auf Julian Schneider (verletzt) verzichten musste, dafür aber Jort Neuteboom nach drei Spielen interner Sperre wieder in den Kader geholt hatte. Denn Hamm lag nun ausnahmslos mit einem Tor vorne – immer, immer wieder musste der TuS zurückkommen und ausgleichen. Es dauerte bis zur 54. Minute, ehe Nikola Stojcevski mit 24:23 den TuS endlich doch einmal in Führung brachte.

Aber das war es noch lange nicht! Es folgten noch sieben extreme Minuten. So wird dieses Handballspiel, das erstmals in dieser Saison mit 1025 Zuschauern eine vierstellige Besucherzahl anlockte, auch bei zwei deutschen Handball-Größen in guter Erinnerung bleiben. Denn vom Kooperationspartner VfL Gummersbach kommend hatten sich Handball-Weltmeister-Trainer Heiner Brand und sein Gummersbacher Kumpel, Ex-Nationalspieler Klaus Westebbe, ins Siegerland aufgemacht, um sich auf der flachen Gegentribüne einmal vor Ort anzuschauen, mit wem man da so eigentlich kooperiert.

Am Ende kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die beiden Gummersbacher den Ferndorfern das Glück zurück gebracht haben. Denn mit der geschilderten 24:23-Führung war die Messe noch lange nicht gelesen. Hamm glich noch zweimal aus, das 25:25 fiel genau drei Minuten vor Schluss. Mit einem schönen Spielzug spielte Stojcevski dann Linksaußen Daniel Mestrum frei, der mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend den TuS 26:25 in Führung brachte. Da ahnte noch keiner, dass dies auch der Endstand sein würde.

Es ging minutenlang hin und her, beide Trainer nahmen ihre Auszeiten. Am Ende aber behielt nur einer die Nerven: Puhl, Puhl, Puhl! Bereits in der 52. Minute hatte der TuS-Torhüter einen Siebenmeter von Joscha Ritterbach gehalten, nachdem der Hammer zuvor viermal vom Punkt erfolgreich gewesen war. Damit hatte Lucas Puhl überhaupt erst die Führung durch Stojcevski zum 24:23 ermöglicht. Und dann scheiterten die Ferndorfer 30 Sekunden vor dem Ende, so dass Hamm noch ein Angriff zum Ausgleich blieb. Und auch hier gab es wieder einen Siebenmeter. Aber wer hatte nun die Nerven? Ritterbach? Fridgeirsson? Nein: Puhl! Denn der Hüter wehrte den finalen Wurf des isländischen Spielmachers sensationell an den Pfosten. Danach spielten sich unglaubliche Szenen ab. Schlusspfiff. Ganz Ferndorf rannte aufs Feld, zumindest jenes in roten Sportklamotten. Sie warfen sich in dem engen Tor auf den armen Puhl, bedeckten ihn mit ihren schweißgetränkten Trikots, während der Lärm in der Halle zu einem ohrenbetäubenden Crescendo anwuchs.

erndorf hatte es in der 1. Halbzeit mit vier freien Fehlschüssen nacheinander versäumt, sich von Hamm abzusetzen. Nur gut, dass Patrick Bettig einen Sahneabend erwischt hatte und in beiden Hälften mit je drei Toren für die wichtigen einfachen Treffer sorgte. Noch Luft nach oben hat nach seinem Heimdebüt Kreisläufer Tim-Oliver Brauer, der nicht nur zwei Zeitstrafen kassierte, sondern auch leer ausging. Aber am Ende zwang Ferndorf die Hammer weg von der 5:1-Deckung zum 6:0, weil man mit zwei Kreisläufern angriff. Und am Ende wurden die Abwehr-Mitte-Recken auch wieder zu wahren „Beasty-Boys“, als sie sich wild entschlossen den Gästen entgegenstemmten und sich selbst dafür mit dem fünften Saisonsieg belohnten. Heiner Brand kann jetzt öfters kommen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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