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Neue Autobahn GmbH
Fertigstellung der Sauerlandlinie wohl später als geplant

Eigentlich sollte die durchgängige Schwerlastroute abseits der A 45 in diesem Jahr fertig werden, aber die Bauarbeiten wie hier in Eichen sind noch in vollem Gange. Bis die Autobahn die Schwertransporte aus Siegerland und Wittgenstein wieder aufnehmen kann, wird noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen.
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  • Eigentlich sollte die durchgängige Schwerlastroute abseits der A 45 in diesem Jahr fertig werden, aber die Bauarbeiten wie hier in Eichen sind noch in vollem Gange. Bis die Autobahn die Schwertransporte aus Siegerland und Wittgenstein wieder aufnehmen kann, wird noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen.
  • Foto: bjö
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen/Hamm. Wer Elfriede Sauerwein-Braksiek in ihrem Büro besuchen will, braucht gute Nerven. Die „Königin der Autobahnen“, die Sauerlandlinie, ist nämlich derzeit eine Baustellenkaskade. Eine Fahrbahnverengung löst die nächste ab. Von Siegen bis Hamm braucht man an einem normalen Sommerferien-Werktag eindreiviertel Stunden. Drunter geht’s kaum.
Die künftige Chefin der Niederlassung Westfalen der neuen Autobahn GmbH weiß das natürlich genau. „Ja, ist schlimm im Moment.“ Aber es soll ja besser werden. Gebaut werden vor allem Brücken, um die Sauerlandlinie für den Schwerlastverkehr aufzurüsten.
Etliche Stellen müssen besetzt werdenElfriede Sauerwein-Braksiek ist in diesen Wochen mehr auf der Autobahn unterwegs, als dass sie an dem noch einzurichtenden Schreibtisch in Hamm sitzt.

ihm Siegen/Hamm. Wer Elfriede Sauerwein-Braksiek in ihrem Büro besuchen will, braucht gute Nerven. Die „Königin der Autobahnen“, die Sauerlandlinie, ist nämlich derzeit eine Baustellenkaskade. Eine Fahrbahnverengung löst die nächste ab. Von Siegen bis Hamm braucht man an einem normalen Sommerferien-Werktag eindreiviertel Stunden. Drunter geht’s kaum.
Die künftige Chefin der Niederlassung Westfalen der neuen Autobahn GmbH weiß das natürlich genau. „Ja, ist schlimm im Moment.“ Aber es soll ja besser werden. Gebaut werden vor allem Brücken, um die Sauerlandlinie für den Schwerlastverkehr aufzurüsten.

Etliche Stellen müssen besetzt werden

Elfriede Sauerwein-Braksiek ist in diesen Wochen mehr auf der Autobahn unterwegs, als dass sie an dem noch einzurichtenden Schreibtisch in Hamm sitzt. „Ich muss die Menschen kennenlernen – und die mich.“ Immerhin wird sie ab 1. Januar 2021 die Chefin von 1450 Mitarbeitern sein – vorausgesetzt, es gelingt bis dahin, alle Stellen im Bereich Westfalen für die Autobahn GmbH zu besetzen. Die GmbH übernimmt dann bundesweit die Zuständigkeit für die Autobahnen: Planung, Bau, Finanzierung, Unterhaltung und Wartung. 1370 Autobahnkilometer zwischen Dillenburg im Süden und Oldenburg im Norden werden dann von Hamm aus verwaltet.

Öffentlichkeitsarbeit für Autobahn GmbH

Bisher waren die Autobahnabteilungen des Landesbetriebs Straßen NRW für die nordrhein-westfälischen Bundesfernstraßen zuständig.Dass demnächst eine GmbH alles regeln wird, ist noch nicht bei allen im Lande angekommen. „Deswegen machen wir Öffentlichkeitsarbeit, wir müssen bekannt werden.“ Außerdem braucht die neue GmbH Personal. Zwar übernimmt man die Autobahn-Experten von Straßen NRW, und die 18 Autobahnmeistereien im Bereich Westfalen existieren ja schon, aber zusätzliche Stellen müssen besetzt werden. Gebraucht werden Ingenieure, Verkehrsplaner, Verwaltungskräfte, Finanzexperten und nicht zuletzt Landschaftspfleger, die sich um das Grün an den Autobahnen kümmern – Elfriede Sauerwein-Braksiek nutzt jede Gelegenheit, die Werbetrommel zu rühren.

Gutes Gehalt und Familienfreundlichkeit

Zum einen lockt man mit finanziellen Anreizen. Tariflich stehen sich die Beschäftigten bei der Autobahn GmbH vergleichsweise gut, besser jedenfalls als die in jüngerer Vergangenheit bei Straßen NRW eingestellten Kräfte.
Zweites Argument: Die Chefin ist überzeugte Verfechterin der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass das früher schwierig war. Sie war Abteilungsleiterin beim Landschaftsverband – ohnehin in den 80er-Jahren als Bauingenieurin eine Exotin – und bekam zwei Töchter. Die Stelle behielt sie in Teilzeit – damals eine große Ausnahme. Wie so viele Frauen dieser Generation berichtet sie davon, dass sie den Spagat mit Hilfe ihres Mannes und einer Tagesmutter schaffte, die ins Haus kam. Dass das in Zeiten, als die Kita frühestens Dreijährige aufnahm und der Staat sich aus der Betreuung der Kleineren komplett heraushielt, ein finanzieller Kraftakt war, versteht sich.

Mehr Frauen in Führungspositionen

Als Elfriede Sauerwein-Braksiek an der RWTH Aachen Bauingenieurwesen studierte, gab es unter den mehr als 300 Kommilitonen nur eine Handvoll Frauen. „Das hat sich deutlich geändert. Heute gibt es bei uns schon viele Frauen in Führungspositionen.“ Fördert die Chefin ihre Geschlechtsgenossinnen gezielt? „Für alle gilt das Prinzip der Bestenauslese. Chancengleichheit und Gleichberechtigung wird bei mir in der Niederlassung gelebt.“ Auch die Männer legten übrigens immer mehr Wert darauf, neben ihrem Beruf genug Zeit für Familie und Nachwuchs zu haben. Die Vorstellung, dass immer nur die Mütter alles stehen- und liegenlassen, wenn der Kindergarten eine blutende Nase meldet, sei überholt – die Väter fühlten sich heutzutage für solche Fälle genauso zuständig.

Ausbau der A 45 steht an

Was ist nun von der neuen GmbH, die eine Außenstelle in Dreis-Tiefenbach hat, für das Siegerland zu erwarten? „Wir haben etliche Planfeststellungsverfahren einzuleiten und voranzutreiben. Die Brückenneubauten und der durchgängige sechsstreifige Ausbau der A 45 sind eine Riesenaufgabe.“ Auch wenn im südlichen Siegerland die Talbrückenerneuerung bereits in vollem Gange ist, ist an anderen Stellen noch nicht einmal die Planung in der finalen Phase. Für den sechsstreifigen Ausbau ist vielerorts Grunderwerb nötig, man braucht Umweltgutachten und vor allem Verkehrszählungen. „Ins Planfeststellungsverfahren können wir nur mit aktuellen Verkehrszahlen gehen. Alle fünf Jahre macht der Bund Zählungen, 2020 wäre es wieder soweit gewesen. Aber dann kam Corona.“ Unter den jetzigen Bedingungen seien keine realistischen Zahlen zu ermitteln, der Verkehr sei immer noch deutlich schwächer als in „normalen“ Jahren.

Sauerlandlinie möglicherweise 2035 fertiggestellt

Wann wird die Sauerlandlinie fix und fertig sein? Mit sechs Spuren und Brücken, die auch den dicksten Truck aushalten? Auf eine Jahreszahl will sich die 60-Jährige nicht festnageln lassen. Die Rede sei mal von 2030 gewesen, aber realistischer erscheine aus heutiger Sicht 2035, sagt sie. Und wie lange wird die neue Königin der Autobahnen dann halten? Die Antwort kommt ohne Zögern: „80 bis 100 Jahre sollen es schon sein.“ Deshalb dimensioniere man die Bahn nicht nach dem heute erforderlichen Maßstab, sondern rechne das Verkehrsaufkommen gleich schon hoch.

Auto mit einem Fahrer kein Modell der Zukunft

Ist es nicht ein Anachronismus, so viel Hirnschmalz, Geld und Beton in Trassen zu stecken, auf denen nicht besonders umweltfreundliche Vehikel unterwegs sind? Das findet Elfriede Sauerwein-Braksiek nicht. „Ich baue für eine funktionierende Mobilität der Zukunft. Und da wird nicht nur das eigene Auto eine Rolle spielen.“ Carsharing, Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel und Verkehrsträger an Knotenpunkten, autonomes Fahren, Radschnellwege – Elfriede Sauerwein-Braksiek sieht das Auto mit Verbrennungsmotor, in dem eine einzelne Person sitzt, durchaus nicht auf der Überholspur. Den Menschen die Mobilitätsmöglichkeiten geben, die sie brauchen, das ist ihre Devise. Wie das in 20 oder 30 Jahren aussehen wird, kann man heute noch nicht wissen.

600 bis 700 Millionen pro Jahr Die Autobahn GmbH ist entschlossen, in die Infrastruktur zu investieren. Für die Niederlassung Westfalen hat Elfriede Sauerwein-Braksiek jedes Jahr 600 bis 700 Millionen Euro an Investitionssumme zur Verfügung. An mangelnden Planungskapazitäten soll kein Autobahn-Ausbau scheitern, versichert sie. Das sei auch bei Straßen NRW in den vergangenen Jahren nicht mehr der Fall gewesen.

Elektro-Oberleitungen sind nicht die Lösung

Die Autobahnen mit Elektro-Oberleitungen, die in Hessen für den Lkw-Verkehr in der Erprobung sind, werden wohl kein Vorbild für die A 45 werden. „Es ist gut, dass sowas erprobt wird, aber ob das auf Dauer das Richtige ist, glaube ich nicht.“ Die Leistungsaufnahme aus der Oberleitung reiche auf keinen Fall aus, um Batterien der Fahrzeuge aufzuladen. Auch die Idee, in die Fahrbahn Energiemodule zu integrieren, sei zwar interessant, aber allein wegen der gefahrenen Geschwindigkeiten nicht zum Energie-„Tanken“ geeignet.

Tempolimit 130 km/h?

Apropos Geschwindigkeit: Was hält die Chefin von Tempo 130 auf Autobahnen? „Das ist eine politische Frage“, kommt die diplomatische Antwort. Und zu politischen Themen äußert sich die Fachfrau, die übrigens kein Parteibuch hat, nicht. „Aber wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen: Früher war ich dagegen, heute bin ich dafür. Bei dem dichten Verkehr auf unseren Autobahnen ist die Begrenzung auf Tempo 130 angemessen. Bei weiter steigendem Verkehrsaufkommen, insbesondere beim Güterverkehr, werden die Geschwindigkeitsunterschiede zu groß.“

Eigentlich sollte die durchgängige Schwerlastroute abseits der A 45 in diesem Jahr fertig werden, aber die Bauarbeiten wie hier in Eichen sind noch in vollem Gange. Bis die Autobahn die Schwertransporte aus Siegerland und Wittgenstein wieder aufnehmen kann, wird noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen.
Elfriede Sauerwein-Braksiek ist Chefin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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