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Ab dem 3. Juli wieder in Geisweid
Feuer frei für Flohmarkt-Fieber

Der seit über 50 Jahren bestehende Geisweider Flohmarkt besitzt einen Einzugsbereich von 100 Kilometern. Lang ist es her, dass man unbeschwert stöbern konnte, doch die Hoffnung wächst. Im Juli will Mario Görög wieder loslegen.
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  • Der seit über 50 Jahren bestehende Geisweider Flohmarkt besitzt einen Einzugsbereich von 100 Kilometern. Lang ist es her, dass man unbeschwert stöbern konnte, doch die Hoffnung wächst. Im Juli will Mario Görög wieder loslegen.
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goeb Geisweid. Kürzlich ist mir die alte Dame mit dem dauerbellenden Dackel im Traum erschienen. Geisweider Flohmarkt. Später Vormittag. Rappelvoll. Sie ist immer da. Ihren Hund hört man auf 150 Meter Entfernung. Leute erdolchen sie mit ihren Blicken, geben giftige Kommentare ab. „Das arme Tier!“ Sie scheint sich nicht daran zu stören. Vielleicht braucht sie das. Ich rufe Mario Görög an, den Organisator, den ich noch aus meiner Betzdorfer Zeit kenne, wo er bis vor fünf Jahren eine Werbeagentur betrieb, die er dann verkauft hat. Ich bin schwer auf Entzug. Wann geht es endlich wieder los?

„Das mit dem Start am 5. Juni hat leider nicht mehr geklappt“, berichtet der Wahl-Kölner. Es sei ihm alles zu knapp geworden.

goeb Geisweid. Kürzlich ist mir die alte Dame mit dem dauerbellenden Dackel im Traum erschienen. Geisweider Flohmarkt. Später Vormittag. Rappelvoll. Sie ist immer da. Ihren Hund hört man auf 150 Meter Entfernung. Leute erdolchen sie mit ihren Blicken, geben giftige Kommentare ab. „Das arme Tier!“ Sie scheint sich nicht daran zu stören. Vielleicht braucht sie das. Ich rufe Mario Görög an, den Organisator, den ich noch aus meiner Betzdorfer Zeit kenne, wo er bis vor fünf Jahren eine Werbeagentur betrieb, die er dann verkauft hat. Ich bin schwer auf Entzug. Wann geht es endlich wieder los?

„Das mit dem Start am 5. Juni hat leider nicht mehr geklappt“, berichtet der Wahl-Kölner. Es sei ihm alles zu knapp geworden. Fünf Werktage am Stück unter Inzidenz 50, dann noch der Antrag auf Genehmigung. „Und dann müssen wir drei Tage vorher auch noch die Schilder aufstellen.“ Die Fläche unter der HTS ist dann reserviert, im Fall der Fälle könnte der Veranstalter hartnäckige Parker abschleppen lassen. Im Juli, genauer am 3. Juli, soll endlich wieder Geisweider Flohmarkt sein, sofern die Inzidenzwerte nicht plötzlich wieder auf Krawall gebürstet sind.

Liebe oder Hass bei Flohmärkten

Entweder man hasst oder man liebt Flohmärkte. In mir muss irgend so ein Humboldt-Gen sein, Entdeckerfreude. Wenn ich an den Ständen vorbeischlendere, bin ich aufgeregt. Schatzsuche. Vor vielen Jahren habe ich einem jungen Mann einmal drei Flaschen Weißwein aus den Fünfzigern abgekauft für Kleingeld. Eine war Essig, geschenkt, aber die beiden anderen: Unbeschreiblich! Werde nie den versonnenen Blick eines Freundes vergessen, ein Weinkenner vor dem Herrn, als ich ihm als Dank für die Hilfe beim Umzug ein paar wohltemperierte Gläschen kredenzte.

„Wir haben ja vor Corona 50 Jahre Geisweider Flohmarkt gefeiert“, erinnert sich Görög. „Finanzkrise, Hagel, Dauerregen: Nie ist auch nur einer ausgefallen – und dann das.“ Letztes Jahr fand er nur von Juli bis September unter Auflagen statt.

Maske, Einbahnregelung, Einlasskontrolle

Auflagen, wie Maske, Einbahnregelung, Einlasskontrolle wird es auch diesmal wieder geben müssen. „Letztes Jahr gab es da noch eine Riesen-Diskussion drum im Vorfeld“, berichtet Mario Görög. „Heute ist das überhaupt kein Thema mehr. Die Leute rufen mich von überall an und fragen ungeduldig, wann es denn wieder losgeht.“

"Finanzkrise, Hagel, Dauerregen:
Nie ist auch nur einer ausgefallen – und dann das."

Mario Görög
Organisator Geisweider Flohmarkt

Die Menschen hatten eineinhalb Jahre Zeit, um zu Hause die Speicher, Keller und Schränke aufzuräumen. Das Angebot muss doch paradiesisch sein. „Ja“, bestätigt er. „Viele haben mir berichtet, dass sie die Garage proppevoll haben. Es wird ein Angebot geben, dieses Jahr, das wird unvergleichlich sein. Ich spüre in vielen Anfragen und Telefonaten das Fieber, das die Leute ergriffen hat.“

Man kennt seine Pappenheimer. Ich müsste dringend meine Vorräte bei dem Mann mit den Würth-Schrauben vervollständigen. Kleine Längen, 2 bis 3 Zentimeter, die braucht man immer. Die Pappschachteln sind älter, klar, aber die Schrauben sind unverwüstlich, Hammer-Quali.

Flohmarkt aus wirtschaftlichen Gründen

„Einige Menschen brauchen den Flohmarkt auch aus wirtschaftlichen Gründen“, fährt Görög fort. Sei es, dass sie als Händler ihre Rente aufbessern damit, sei es als Kunden, die sich mit dem Nötigsten günstig eindecken. Migranten, Geringverdiener. Gerade wer nur ein kleines Monatsbudget zur Verfügung hat, kann viel Geld sparen. „Secondhand-Kleidung geht immer sehr gut, und Sie glauben gar nicht, was alles an Baby- und Kinderkleidung über den Tisch geht.“

Wenn es im Juli also wieder losgehen sollte, wird Görög auf Grund der Auflagen statt mit acht bis zehn Mitarbeitern wie üblich deren Zahl verdoppeln müssen. „Wir wissen ja noch vom vergangenen Jahr, was da auf uns zukommt.“ Ein Besucher je 7 Quadratmeter ist zulässig, so will es die Corona-Schutzverordnung.

Corona-Hilfen angekommen

Wie hat er das Corona-Jahr wirtschaftlich verkraftet? „Ich bin vom Staat ganz gut unterstützt worden“, bilanziert der Organisator, der auch Poetry-Slams und Kleinkunst-Festivals veranstaltet. „Die Corona-Hilfen sind bei mir angekommen.“ Zwar habe er sich wie alle etwas einschränken müssen, meint er. „Ich habe aber keinen Grund zu meckern.“

Edles Porzellan – auch dafür gibt es Sammler, egal ob für die Vitrine oder für den Gebrauch im Alltag oder an Festtagen.
  • Edles Porzellan – auch dafür gibt es Sammler, egal ob für die Vitrine oder für den Gebrauch im Alltag oder an Festtagen.
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Zu meinen Flohmarkt-Sternstunden zählt der Moment, als ich „Wunderbare Sachen“ in Händen hielt, mein Schreib- und Lesebuch aus der Grundschule von Ursula Wölfel und Lilo Fromm. Es war mir nie gelungen, es zu beschaffen. „Sie möchten das Buch sehr gerne haben, nicht wahr?“, drang eine Frauenstimme von Ferne an mein Ohr. Sie hatte mich wohl länger beobachtet, als ich vollkommen versunken war in die Bilder und Geschichten von vor fast fünfzig Jahren. „Ich schenke es Ihnen.“

Ab Mitternacht schon Menschen da

Görög würde gern den Flohmarktstart auf zivilere Zeiten umlegen und damit im November beginnen. „Es kommt ja niemand zum Geisweider Flohmarkt, weil wir schon um 3.30 Uhr die Autos reinlassen“, holt er aus. Das geht seiner Meinung nach auf die Zeiten zurück, da der Flohmarkt noch in der Innenstadt Geisweid stattfand. Heute stehen um diese Zeit manchmal 70 Autos Stoßstange an Stoßstange. Manche sind schon um Mitternacht da, trinken im McDonald’s noch einen Kaffee und legen sich dann mit der Decke in ihren Wagen.

„Im Hellen erträgt man doch auch die Kälte viel besser“, meint der Geschäftsführer lächelnd und plädiert für einen Start um 9 Uhr. „Dann öffnen parallel auch die Geschäfte, und die Werbegemeinschaft hätte auch mehr davon.“

Der Dackel, der Duft vom Waffelwagen, die verfrorenen Gesichter, heiße Erbsensuppe vom DRK, Leute treffen, Schatzsuche – mir fehlt das alles. Ich bin schon im Fieber.

Der seit über 50 Jahren bestehende Geisweider Flohmarkt besitzt einen Einzugsbereich von 100 Kilometern. Lang ist es her, dass man unbeschwert stöbern konnte, doch die Hoffnung wächst. Im Juli will Mario Görög wieder loslegen.
Edles Porzellan – auch dafür gibt es Sammler, egal ob für die Vitrine oder für den Gebrauch im Alltag oder an Festtagen.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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