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Ein kleiner Funke reicht
Feuerwehr aktualisiert Waldbrandkonzept

Ein knapp 20 Meter langer Holzstapel brannte Anfang des Monats auf der Sohlbacher Höhe. Die Trockenheit bietet ein großes Gefahrenpotenzial im Wald.
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  • Ein knapp 20 Meter langer Holzstapel brannte Anfang des Monats auf der Sohlbacher Höhe. Die Trockenheit bietet ein großes Gefahrenpotenzial im Wald.
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bjö Siegen/Bad Berleburg. Eine freche Erwiderung statt erkannter Einsicht kassierte Kreuztals radelnder Feuerwehrchef Berthold Braun, als er im Littfelder Wald einen rauchenden Spaziergänger auf das dort geltende Rauchverbot hinwies: „Darauf bekam ich nur zur Antwort, ob ich wüsste, dass auch Radfahren im Wald verboten wäre.“ Über die verbale Retourkutsche ärgerte sich der Kredenbacher jedoch weniger als über die Leichtsinnigkeit: „Angesichts der Trockenheit sehe ich in den heimischen Wäldern ein ganz großes Gefahrenpotenzial. Vor allem auf den Flächen des gerodeten Fichtenbestands liegt reichlich dünnes und totes Holz. Wenn da einer was hineinwirft, geht die Post ab.

bjö Siegen/Bad Berleburg. Eine freche Erwiderung statt erkannter Einsicht kassierte Kreuztals radelnder Feuerwehrchef Berthold Braun, als er im Littfelder Wald einen rauchenden Spaziergänger auf das dort geltende Rauchverbot hinwies: „Darauf bekam ich nur zur Antwort, ob ich wüsste, dass auch Radfahren im Wald verboten wäre.“ Über die verbale Retourkutsche ärgerte sich der Kredenbacher jedoch weniger als über die Leichtsinnigkeit: „Angesichts der Trockenheit sehe ich in den heimischen Wäldern ein ganz großes Gefahrenpotenzial. Vor allem auf den Flächen des gerodeten Fichtenbestands liegt reichlich dünnes und totes Holz. Wenn da einer was hineinwirft, geht die Post ab.“

Kreisweit hat sich die Feuerwehr angesichts zunehmend trockener Sommer und durch den Borkenkäferbefall kahler Flächen um zukünftige Waldbrandeinsätze vermehrt Gedanken gemacht. Sie schlagen sich in einem aktualisierten Waldbrandkonzept nieder, auf das sich alle elf Feuerwehren beziehen sollen – mit welchen Maßnahmen sie auf kommunaler Ebene ihre „Hausaufgaben“ erledigen, fällt jedoch unterschiedlich aus.

Großzügigere Alarmierung

Das neue Konzept setzt auf eine großzügigere Alarmierung bei definierten sogenannten Eskalationsstufen: Während die Feuerwehren der Städte und Gemeinden Vegetationsbrände bis zu 200 Quadratmetern Ausdehnung noch mit ihren eigenen Kräften abarbeiten, erhalten sie bei der Bekämpfung größerer Flächen oder Flammen, die höher als 3,5 Meter schlagen, automatisch die Unterstützung eines sogenannten Waldbrandzugs, derer im Kreis Siegen-Wittgenstein vier vorgehalten werden. Es sind fest definierte Zusammenschlüsse einzelner Fahrzeuge einer Teilregion (z. B. nördliches Siegerland) aus verschiedenen Stadtfeuerwehren, die sich zur Unterstützung in einer jeweils benachbarten Region auf den Weg machen können.

"Wenn da einer was hineinwirft, geht die Post ab."
Berthold Braun
Feuerwehrchef Kreuztal

Dem bisherigen Konzept hinzugefügt ist fortan das Alarmstichwort „Wald 3“ für ausgedehnte Wald- und Flächenbrände ab 800 Quadratmetern: Dann setzt sich einer von zwei neu definierten Wasserförderzügen – einer im Bereich Wittgenstein, ein zweiter aus dem Siegerland – in Bewegung, um die Wasserversorgung sicherzustellen. Die Feuerwehr Siegen verfügt indes schon seit Längerem über einen eigenen Wasserförderzug.

Flexibler und schneller

Bei der Feuerwehr Kreuztal kümmert sich ein Arbeitskreis darum, sich auch vor Ort auf heftigere Einsätze im Wald vorzubereiten: In diesem Zuge testet die Littfelder Feuerwehr gerade neu beschaffte Löschrucksäcke mit 20 Litern Wasser „an Bord“, die sich die Einsatzkräfte auf den Rücken schnallen, um damit zu Fuß in unwegsames Gelände auszuschwärmen. Statt dicker und schwerer Schläuche für große Wassermengen setzt die Feuerwehr vermehrt auf kleineres Equipment, um flexibler, schneller und kräfteschonender arbeiten zu können.

Um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, testet der Littfelder Feuerwehrmann Lukas Merte einen neuen Löschrucksacks auf einer gerodeten Fläche auf dem Hölzenberg im Rahmen einer Übung.
  • Um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, testet der Littfelder Feuerwehrmann Lukas Merte einen neuen Löschrucksacks auf einer gerodeten Fläche auf dem Hölzenberg im Rahmen einer Übung.
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Anstatt derlei Ausstattung gleichmäßig auf die Standorte einer Stadtfeuerwehr zu verteilen, hat sich die Feuerwehr Siegen dazu entschieden, das in Geisweid ausrangierte Tanklöschfahrzeug zu einem „Gerätewagen Vegetationsbrände“ umzubauen und vom Standort Hammerhütte stadtweit unterstützend zu Waldbränden zu schicken. Ähnliches hat die Feuerwehr Freudenberg vor. Dort fahren übrigens schon jetzt bei einem Wald- und Flächenbrand vorsorglich alle geländegängigen und -fähigen Feuerwehrfahrzeuge mit in den Einsatz.

Mehr Gefahr, weniger Wasser

Mehr Brandpotenzial und weniger Löschwasser biete der heimische Wald im Vergleich zu früheren Jahren, findet Siegens Feuerwehrchef Matthias Ebertz. Aus einst zuverlässigen Wasserentnahmestellen wie Teichen und Flüssen könne die Feuerwehr mittlerweile oft „gar kein Wasser mehr rausholen“.
Die gute alte Feuerpatsche aus früheren Jahrzehnten hat die Feuerwehr von heute als „Supererfindung“ wiederentdeckt, so Matthias Ebertz, ebenso Hacken, um damit dem Feuer auch im Waldboden den Garaus zu machen. Wichtig in jedem Fall: die richtige Kleidung, schon vor dem Einsatz viel Trinken und das Wissen darum, wie auch mit kleinem Equipment ein langfristig großer Löscherfolg zu erzielen ist.

Ein knapp 20 Meter langer Holzstapel brannte Anfang des Monats auf der Sohlbacher Höhe. Die Trockenheit bietet ein großes Gefahrenpotenzial im Wald.
Um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, testet der Littfelder Feuerwehrmann Lukas Merte einen neuen Löschrucksacks auf einer gerodeten Fläche auf dem Hölzenberg im Rahmen einer Übung.
Autor:

Björn Hadem aus Siegen

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