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Keine Vorab-Impfung Einzelner
Feuerwehr Siegen verzichtet auf schnelle Spritze

Feuerwehrleute im Kreis, hier bei einer Übung in Niederdielfen, sollen kurzfristig gegen Corona geimpft werden. Die Einsatzkräfte aus Siegen erklärten jetzt ihren vorläufigen Verzicht.
  • Feuerwehrleute im Kreis, hier bei einer Übung in Niederdielfen, sollen kurzfristig gegen Corona geimpft werden. Die Einsatzkräfte aus Siegen erklärten jetzt ihren vorläufigen Verzicht.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ihm Siegen. Das klang unter der Woche gut: Landrat Andreas Müller stellt der Freiwilligen Feuerwehr im Kreis Siegen-Wittgenstein 500 Impfdosen zur Verfügung. Druck gemacht hatte Kreisbrandmeister Bernd Schneider. Nun geht Schneider an die Verteilung – elf kommunale Freiwillige Feuerwehren sind zu bedienen. 3300 Männer und Frauen.

Die größte Feuerwehr, nämlich die der Stadt Siegen mit 530 Aktiven, hat das Angebot ausgeschlagen. Der Leiter der Feuerwehr, Matthias Ebertz, berichtet, dass alle 14 Einheitsführer einstimmig entschieden haben, die gut 60 Impfdosen, die den Siegener zustehen würden, zurückzugeben und vorerst auf die Impfung zu verzichten. In allen anderen anderen Städten und Gemeinden des Kreises soll dagegen das Impfen der Feuerwehrleute beginnen.

ihm Siegen. Das klang unter der Woche gut: Landrat Andreas Müller stellt der Freiwilligen Feuerwehr im Kreis Siegen-Wittgenstein 500 Impfdosen zur Verfügung. Druck gemacht hatte Kreisbrandmeister Bernd Schneider. Nun geht Schneider an die Verteilung – elf kommunale Freiwillige Feuerwehren sind zu bedienen. 3300 Männer und Frauen.

Die größte Feuerwehr, nämlich die der Stadt Siegen mit 530 Aktiven, hat das Angebot ausgeschlagen. Der Leiter der Feuerwehr, Matthias Ebertz, berichtet, dass alle 14 Einheitsführer einstimmig entschieden haben, die gut 60 Impfdosen, die den Siegener zustehen würden, zurückzugeben und vorerst auf die Impfung zu verzichten. In allen anderen anderen Städten und Gemeinden des Kreises soll dagegen das Impfen der Feuerwehrleute beginnen.

"Ethische Fragen"

Warum schert die Großstadt-Feuerwehr aus? Will der Chef seine Leute nicht impfen lassen? Matthias Ebertz: „Doch, hundertprozentig! Natürlich wollen wir, dass die Feuerwehr geimpft wird. Aber es gibt doch nicht genug Impfstoff. Die 500 Dosen für die Feuerwehr werden vom Land nicht zusätzlich zur Verfügung gestellt. Der Kreis muss sie von seinem normalen Kontingent abzweigen. Und da stellen sich doch ethische Fragen.“

Ebertz spielt damit auf die Impfungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen an, zum Beispiel die Schwerkranken und Immunschwachen. In der Tat gibt es für diese Gruppen zwar immer mehr Impfmöglichkeiten, aber unterm Strich eben nicht genug. Tausende von Anträgen liegen beim Kreis vor. Thiemo Rosenthal, Dezernent für Bevölkerungsschutz, verweist auf die Erlasslage. Von der Vakzinmenge, die man wöchentlich bekomme – etwa 4000 Dosen – würden 90 Prozent über das Alterskriterium verimpft. 10 Prozent bleiben für alle anderen Gruppen übrig – Kranke, Pflegepersonal und eben jetzt auch Feuerwehrleute. Das wären ungefähr 400 Dosen pro Woche. Die Rechnung ist nicht besonders kompliziert: Wenn die Feuerwehr 500 Impfdosen in 14 Tagen bekommt, wie der Landrat mitgeteilt hat, bleiben pro Woche für die anderen Gruppen nur noch 150.

Feuerwehrleiter müssen auswählen

Zweites Problem in den Augen der Siegener Feuerwehr: Wie sucht man die Glücklichen aus, die eine schützende Spritze bekommen? Kreisbrandmeister Bernd Schneider legt diese Entscheidung in die Hände der jeweiligen Leiter der Feuerwehr. Gemeinsam hat man entschieden, wie viele Dosen jeder Kommune zustehen. Schneider: „Jeder der elf Feuerwehren bekommt erst mal 23 Dosen, das sind rund 250. Die zweiten 250 werden nach der Größe der Wehren prozentual aufgeteilt.“

Thiemo Rosenthal hat sich ebenso wie Bernd Schneider Gedanken über die Kriterien gemacht. Rosenthal: „Da denkt man natürlich an die ,First Responder’, die ähnlich wie der Rettungsdienst arbeiten.“ Bernd Schneider nennt die „Tragehilfen“, die die Freiwilligen übernehmen. Aber auch im Bereich der technischen Hilfe sieht er Bedarf. „Die Leiter der Feuerwehrwehren in den Kommunen werden das zusammen mit ihren Führungskräften entscheiden“, zeigt sich Schneider zuversichtlich.

Hoffnung auf schnelle Besserung

Auch wenn die Siegener Feuerwehr einen Sonderweg geht und zunächst bei der Impfaktion außen vor bleibt – einig sind sich sämtliche führenden Feuerwehrkräfte in der Hoffnung, dass bald genug Impfstoff für alle da ist. Schneider: „Ich hoffe sehr, dass in der letzten Aprilwoche deutlich mehr ankommt.“ Dann wird auch Matthias Ebertz seine Freiwilligen im Impfzentrum anmelden. Und sich freuen, wenn alle ihre Spritze bekommen.

Das Beispiel Hilchenbach

41 seiner 235 Feuerwehrleute darf Hilchenbachs Feuerwehrchef Harald Stecher jetzt impfen lassen. Wie verteilt er den wertvollen Stoff? „20 Dosen bekommt erst mal der Löschzug Dahlbruch“, berichtet Stecher. Die Dahlbrucher übernähmen in der Pandemie-Zeit die Tragehilfen im Stadtgebiet, seien also für die Unterstützung des Rettungsdienstes da. Die Wehrmänner- und Frauen arbeiteten nah am Patienten. „Da gibt es vier Schichten mit je fünf Personen, das macht 20 Impfungen.“

Je zehn Dosen gehen an den Löschzug Hilchenbach und den Löschzug Müsen, weil die häufig zu Verkehrsunfällen ausrücken müssen. Auch dabei komme man in engem Kontakt mit anderen Menschen.
Und die 41. Portion? „Die bekommt mein Stellvertreter Jürgen Saßmannshausen, weil der in der Kreiseinsatzleitung sitzt. Dort sollen auch alle geimpft sein.“ Er selbst, so Stecher, warte, bis seine Altergruppe bei der Impfung aufgerufen werde.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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