Flüchtlinge verlassen Uni-Halle

 Als die ersten Flüchtlinge im vergangenen Jahr auf dem Haardter Berg ankamen, hatten zunächst Freiwillige vom Deutschen Roten Kreuz die Fäden in der Hand. Archivfoto: ch
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jak - So entspannt wie am Donnerstag war die Situation vor gut einem Jahr nicht, als in ganz Deutschland nach Orten gesucht wurde, um die busweise eintreffenden Flüchtlinge vor Ort unterzubringen. Da nämlich war es kaum noch möglich gewesen, freie Gebäude zu finden. Die Universität Siegen machte spontan ein Gebäude frei, um Flüchtlinge aufzunehmen: Die Sporthalle auf dem Haardter Berg, die vom Deutschen Roten Kreuz und vielen anderen Helfern innerhalb weniger Tage zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut wurde. Heute nun wird die Unterbringung in der Sporthalle Geschichte sein. Denn die letzten sechs Asylbewerber ziehen in andere Unterkünfte.

Damit wird die Sporthalle nach einer gemeinsamen Inspektion mit der Bezirksregierung wieder in die Hände der Uni gegeben. Statt Betten stehen auf dem Hallenboden schon bald wieder Barren und Pferd. Ob das nicht irgendwann noch einmal anders sein wird, wollte Uni-Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart nicht ausschließen: „Ich würde es sofort wieder tun. Ich würde sofort wieder versuchen, Leute zu mobilisieren.“ Denn die von ihm geleitete Institution sei staatlich finanziert und aufgrund ihrer Größe in der Lage, „Chaos eine zeitlang zu ertragen“. Mit Chaos meinte er freilich die Unannehmlichkeiten, denen sich die Studenten hier und da ausgesetzt sahen, wenn Sportkurse eben nicht auf dem Bildungshügel, sondern irgendwo anders in der Stadt abgehalten werden mussten. 

Denn von Chaos in der Organisation vor Ort, da war man sich gestern unter allen Beteiligten einig, könne man nicht sprechen. Nachdem das DRK mit seinen Freiwilligen aus dem Dienst ausstieg, folgte die Feuerwehr mit vielen Stadtbediensteten und unzähligen Ehrenamtlern sowie studentischen Hilfskräften, die es den fast 2400 Menschen aus 33 Ländern so erträglich wie möglich in der großen Halle machten. Die Studenten engagierten sich in vielerlei Hinsicht und stellten 14 Teilprojekte auf die Beine: Von der Kleiderkammer über Deutschkurse und die Einführung in das politische System der BRD bis hin zu einem Chorprojekt. Burckhart hatte vor einem Jahr versprochen, dass es neben dem monetären Engagement seitens der Bildungseinrichtung auch die Möglichkeit gebe, für das Studium Punkte zu sammeln. Burckhart: „Die Studenten wollten das aber gar nicht. Sie wollten das hier ehrenamtlich machen.“

Bürgermeister Steffen Mues freute sich über das positive Echo, auch überregional. Denn dass die Uni vor Ort in diesem Ausmaß hilft, das habe es europaweit nur selten gegeben. Er lobte auch, dass es wenig Konflikte in der Einrichtung gegeben habe. Denn jeder, der schon einmal bei einem Zeltlager auf engem Raum dabei gewesen sei, der wisse, dass es leicht zu Spannungen kommen könne. Fachbereichsleiter André Schmidt und Matthias Ebertz als Chef der Siegener Feuerwehr unterstrichen für sich und ihre Mitarbeiter, dass alle von der Arbeit am Haardter Berg profitiert hätten, auch wenn die Arbeit mit Blick auf die geforderte Spontaneität nicht immer ganz leicht gewesen sei: „In Deutschland gibt es für alles ein System. Hier gab es aber kein System.“ Gerade am Anfang kamen die Busse quasi unkontrolliert an der Sporthalle an. Da mussten Betten bezogen und Menschen empfangen werden, es galt Hunger zu stillen und ungewöhnliche Dinge zu organisieren. Ebertz: „Ich habe ganz viel gelernt.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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