Flughafen „nicht zeitgemäß“

 Knapp 600 Meter hoch über dem Meer liegt der Verkehrsflughafen an der Landesgrenze NRW/Rheinland-Pfalz. Da gibt es oft schlechtes Wetter und Nebel. Die Grünen merken dazu kritisch an: Trotz der Investition in die teure Technik für den sog. Instrumentenanflug heben auch heute noch im Winter nur wenige Flieger ab. Archivfoto: kalle
  • Knapp 600 Meter hoch über dem Meer liegt der Verkehrsflughafen an der Landesgrenze NRW/Rheinland-Pfalz. Da gibt es oft schlechtes Wetter und Nebel. Die Grünen merken dazu kritisch an: Trotz der Investition in die teure Technik für den sog. Instrumentenanflug heben auch heute noch im Winter nur wenige Flieger ab. Archivfoto: kalle
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sz / ch - Obwohl in diesem Jahr noch keine politische Entscheidung zum Siegerlandflughafen ansteht, wollen die Grünen im Kreistag Siegen-Wittgenstein über den Airport auf der Lipper Höhe intensiv und rechtzeitig beraten – schließlich muss er Jahr für Jahr teuer subventioniert werden. In der Kreisausschusssitzung am 4. November soll ein Gutachten zur regionalwirtschaftlichen Bedeutung des heimischen Flughafens behandelt werden; für die Grünen-Kreistagsfraktion bietet genau dieses Gutachten einerseits eine gute Grundlage, das zukünftige finanzielle Engagement des Kreises am Siegerlandflughafen zu diskutieren. Schließlich werfe das Gutachten eine Reihe von Fragen auf, die nach Ansicht der Politiker dringend der Klärung bedürfen.

Erheblich ist dabei für die Grünen, dass das Gutachten recht eindeutig belegt, dass die Zahl der Flugbewegungen zwischen den Jahren 2008 und 2015 um 42 Prozent gesunken ist. Der gewerbliche Anteil der Flüge ging gar um 62 Prozent zurück. Blicke man über den Betrachtungszeitraum des Gutachtens hinaus zurück, sei der Rückgang sogar noch deutlich dramatischer. Und trotz der Investition in den teuren Instrumentenanflug heben auch heute noch im Winter nur wenige Flieger ab. Das Gutachten stellt auch nicht in Aussicht, dass die Zahl der Flugbewegungen aus dem Jahr 2008 wieder erreicht werden könnten, das Verkehrsvolumen wird bis 2020 nur marginal ansteigen „und damit weit unter dem Maximum zurückliegender Jahre liegen“, schreibt die Kreistagsfraktion in einer Stellungnahme. Ihre Kritik: Der Kostendeckungsgrad des Flughafens von nur 40 Prozent muss durch einen jährlichen Kreiszuschuss von rund 1,7 Mill. Euro kompensiert werden.

Da sei es doch nur zu berechtigt, das Gutachten an sich und das Engagement auf der Lipper Höhe überhaupt zu hinterfragen. Die Kernfragen hierbei:

Von den Steuereinnahmen profitiert der Kreis Siegen-Wittgenstein nur zu einem geringen Anteil. Gleichwohl übernimmt der Kreis über die kreiseigene Betriebsgesellschaft das Defizit des Siegerlandflughafens in voller Höhe. Warum überhaupt hält die Kreisverwaltung den Umstand für gerechtfertigt, dass der Kreis alleine die Kosten des Flughafens trägt, die Steuereinnahmen aber hauptsächlich anderen Gebietskörperschaften zufließen?

In unmittelbarer Nähe des Airports stehen nicht weniger als neun Verkehrslandeplätze bzw. Sonderlandeplätze zur Verfügung, die teilweise gewerbliche Starts abwickeln. Die Grünen stellen deshalb die Frage, die bislang noch nicht in der Debatte auftauchte: Inwieweit würden bei einer Schließung des Siegerlandflughafens Ausweichmöglichkeiten für die momentan am Siegerlandflughafen abgewickelte Flüge bestehen? Dazu kommt der Umstand, dass von Lippe aus viele Ziele in der weiteren Region wie Gießen, Wetzlar oder Herborn angeflogen werden. „Inwiefern besteht für diese Ziele eine Zeitersparnis durch den Siegerlandflughafen?“ lautet da die Frage der Grünen.

Aus Sicht der Grünen erscheint die alleinige Finanzierung des Flughafendefizits durch den Kreis vor dem Hintergrund, dass die im Gutachten dargestellten Nutznießer aber mehrheitlich außerhalb Siegen-Wittgensteins wohnen, nicht mehr zeitgemäß. Falls der Nutzen des Flughafens wirklich so groß ist, wie in dem Gutachten unterstellt, dürfte es laut den Kreistagspolitikern ein leichtes sein, die Nachbarkreise sowie möglicherweise private Unternehmen an den Kosten des Flughafenbetriebes zu beteiligen. Falls hierzu keine Bereitschaft bestehen sollte, lässt das für den realen Nutzen des Flughafens tief blicken.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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