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Ruhr-Sieg-Strecke wohl bis September gesperrt
Flutkatastrophe: Siegerländer Industrie kämpft mit Engpässen

In Richtung Hagen ging nach der Unwetterkatastrophe am Güterbahnhof Hagen nichts mehr. Von Engpässen ist die Stahlbranche besonders betroffen.
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  • In Richtung Hagen ging nach der Unwetterkatastrophe am Güterbahnhof Hagen nichts mehr. Von Engpässen ist die Stahlbranche besonders betroffen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tip Siegen. Die Siegerländer Stahlkocher und andere Industrieunternehmen aus der Region kämpfen nach der Überflutungs-Katastrophe mit Engpässen in der Versorgung. Hintergrund sind die teils zusammengebrochenen Lieferketten über die Schiene. In einigen Fällen können betroffene Unternehmen ihre Aufträge nicht mehr abarbeiten – auch wenn das kaum jemand öffentlich zugeben möchte.
Mehrere Unternehmen der Stahlbranche hat die SZ am Donnerstag zu dem Thema angefragt, doch die Problematik wurde weitestgehend totgeschwiegen. Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen, lieferte stellvertretend Antworten: Denn er selbst hat in dieser Woche mit etlichen Firmen über das akut drückende Thema gesprochen.

tip Siegen. Die Siegerländer Stahlkocher und andere Industrieunternehmen aus der Region kämpfen nach der Überflutungs-Katastrophe mit Engpässen in der Versorgung. Hintergrund sind die teils zusammengebrochenen Lieferketten über die Schiene. In einigen Fällen können betroffene Unternehmen ihre Aufträge nicht mehr abarbeiten – auch wenn das kaum jemand öffentlich zugeben möchte.
Mehrere Unternehmen der Stahlbranche hat die SZ am Donnerstag zu dem Thema angefragt, doch die Problematik wurde weitestgehend totgeschwiegen. Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen, lieferte stellvertretend Antworten: Denn er selbst hat in dieser Woche mit etlichen Firmen über das akut drückende Thema gesprochen.

Industrie im Siegerland bekommt Hochwasser-Auswirkungen zu spüren

„Es lässt sich schlecht quantifizieren. Aber man kann schon davon sprechen, dass unsere industriegeprägte Region die Auswirkungen wirtschaftlich massiv zu spüren bekommen wird. Die Ruhr-Sieg-Strecke wird, nach unserem Kenntnisstand, noch bis Ende September nicht befahrbar sein. Es gibt Umleitungen über Wuppertal und Köln, aber das funktioniert noch nicht reibungslos.”
Die Stahlbranche treffen die Logistikprobleme in einer Hochphase: Von Januar bis Mai habe der für Siegen-Wittgenstein bedeutsame Wirtschaftszweig ein Umsatzplus von mehr als 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr hingelegt. Das hat die IHK ausgewertet. Die deutschen Stahlhersteller insgesamt haben ihre Erzeugung im ersten Halbjahr 2021 kräftig erhöht. Von Januar bis Juni produzierten sie 20,6 Millionen Tonnen Rohstahl, 18,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl am Donnerstag berichtete. Im Juni habe die Erzeugung sogar um gut 38 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. Und nun: Verzögerungen und Lieferstopps.

"Noch immer in der Phase der Nothilfe"

Kreisbahn Siegen-Wittgenstein kämpft gegen die Probleme an

Auch, weil die Speditionslager teilweise von den Fluten betroffen sind. „Ein Automobil-Zulieferer aus dem Kreis Olpe, der Kaltwalzprodukte aus Hagen bekommt, sagte mir: Wir kämpfen gerade um jede Tonne.” Teils kann die Ware schlichtweg nicht mehr abgerufen werden. Lagerbeständen droht aufgrund der Wasserschäden die Verschrottung. Wenn ganz neu produziert werden muss, verschieben sich Produktionszeiten massiv nach hinten. Die Kreisbahn Siegen-Wittgenstein (KSW) – vor allem auf der „letzten Meile” Teil der für die Industrie überlebenswichtigen Logistikkette – kämpft gegen all diese Probleme an. Geschäftsführer Christian Betchen: „Im Güterbahnhof Kreuztal ging nach dem Unwetter tageweise, vor allem aufgrund der weggebrochenen Anbindung Richtung Hagen, nichts mehr rein und nichts mehr raus”, berichtet er. Der Umschlagplatz ist der wichtigste Knotenpunkt im Zusammenspiel von KSW und DB Cargo.

In Richtung Hagen ging nach der Unwetterkatastrophe am Güterbahnhof Hagen nichts mehr. Von Engpässen ist die Stahlbranche besonders betroffen.
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Erst seit Mitte dieser Woche funktionierten einige Umleitungen. Allerdings nur in begrenzter Anzahl. Und „die Straße” komme als Alternative nur bedingt infrage. „Diese Mengen kann man darüber nicht auffangen”, so Betchen, der glaubt, dass die Bedingungen jetzt täglich besser würden.
Thyssenkrupp, in unserer Region mit Standorten in Eichen, Ferndorf und Finnentrop vertreten, teilte mit, man sei teils von der Versorgung mit Vormaterial abgeschnitten. Auch der Versand von Gütern zu den Kunden sei betroffen. Das Unternehmen habe aufgrund dieser Entwicklung „Force Majeure“ – also „höhere Gewalt” – erklärt. Man sei nicht sicher, dass Lieferverträge eingehalten werden können.

In Richtung Hagen ging nach der Unwetterkatastrophe am Güterbahnhof Hagen nichts mehr. Von Engpässen ist die Stahlbranche besonders betroffen.
Christian Betchen, Geschäftsführer der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein.
Autor:

Tim Plachner

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