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Wettlauf gegen die Zeit
Förster in großer Sorge: Borkenkäfer wütet wieder

Fährt man die L723 von Wilden in Richtung Gilsbach, dann bietet sich wenige Hundert Meter oberhalb des Quartier Landeskrone ein weiteres erschreckendes Bild. Riesige vom Borkenkäfer befallene Fichtenbestände sind gerodet worden. Seitlich bzw. hinter den kahlen, ehemals bewaldeten Flächen, sieht man die A45 und den unterhalb der Talbrücke liegenden Landeskroner Weiher.
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  • Fährt man die L723 von Wilden in Richtung Gilsbach, dann bietet sich wenige Hundert Meter oberhalb des Quartier Landeskrone ein weiteres erschreckendes Bild. Riesige vom Borkenkäfer befallene Fichtenbestände sind gerodet worden. Seitlich bzw. hinter den kahlen, ehemals bewaldeten Flächen, sieht man die A45 und den unterhalb der Talbrücke liegenden Landeskroner Weiher.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Siegen/Bad Berleburg. Wenn Manfred Gertz, Leiter des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein, und sein Team mehr als 3000 Borkenkäfer in einer einzigen Falle finden, ist das alarmierend. „Dann wird es kritisch“, sagt er. Ende Mai/Anfang Juni, in den Kalenderwochen 22 bis 23, war es sogar mehr als das zehnfache an Tieren. „Da hat das begonnen mit einem massiven Schwarmflug.“ Etwa 36 000 Käfer befanden sich in der KW 22 in der Falle.
20 Prozent der Borkenkäfer haben den Winter überlebt
Im April saß der Borkenkäfer schon in den Startlöchern, dann aber kam der kalte und nasse Mai. „Das hat ihm nicht gefallen, alles hat sich verzögert. Allerdings passen ihm jetzt die warmen Temperaturen.

sp Siegen/Bad Berleburg. Wenn Manfred Gertz, Leiter des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein, und sein Team mehr als 3000 Borkenkäfer in einer einzigen Falle finden, ist das alarmierend. „Dann wird es kritisch“, sagt er. Ende Mai/Anfang Juni, in den Kalenderwochen 22 bis 23, war es sogar mehr als das zehnfache an Tieren. „Da hat das begonnen mit einem massiven Schwarmflug.“ Etwa 36 000 Käfer befanden sich in der KW 22 in der Falle.

20 Prozent der Borkenkäfer haben den Winter überlebt

Im April saß der Borkenkäfer schon in den Startlöchern, dann aber kam der kalte und nasse Mai. „Das hat ihm nicht gefallen, alles hat sich verzögert. Allerdings passen ihm jetzt die warmen Temperaturen.“ Gertz erklärt, dass die neuesten Analysen gezeigt hätten, dass etwa 98 Prozent der Eier und Larven bei den starken Frösten verendet seien.

Trotz Borkenkäfer: Darum ist die Fichte auch in Zukunft wichtig

Außerdem sei viel Holz eingeschlagen und abtransportiert worden, „ein großer Teil der Käfer ist aus dem Wald gebracht worden. Das sind die guten Nachrichten“. Die schlechte Nachricht: 20 Prozent der Käfer überwintern im Boden. Sie haben überlebt. „Die sorgen jetzt wieder für graue Haare bei den Förstern und für das Absterben der Fichten.“ Die müssen weiterhin in zunehmendem Maße gefällt werden.

Borkenkäfer-Front rückt weiter in Richtung Norden

Die „Käfer-Front“ rücke weiter in Richtung Norden, Richtung Rothaarkamm, erklärt Gertz. Wälder, die bislang noch einigermaßen verschont geblieben seien, würden jetzt auch stärker befallen.
Acht Wochen – so lange dauert die Entwicklung einer neuer Käfer-Generation – haben die Forstarbeiter jetzt Zeit, um die ersten befallenen Bäume einzuschlagen und abzutransportieren. „Ob wir das alles schaffen, wissen wir nicht.“

Mittlerweile ein gewohntes Bild in der Region: Überall an Waldwegen und auf Brachflächen türmt sich Käferholz – der Borkenkäfer leistet leider ganze „Arbeit“.
  • Mittlerweile ein gewohntes Bild in der Region: Überall an Waldwegen und auf Brachflächen türmt sich Käferholz – der Borkenkäfer leistet leider ganze „Arbeit“.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Das Fällen der Bäume soll auf verschiedene Weise dafür sorgen, dass der Borkenkäfer sich nicht massiv weiter vermehrt. Beim Einschlagen mit den Harvestern würde ein Teil der Käfer zerquetscht, sagt Gertz. Wenn das Holz danach trocken werde, sterbe ein weiterer Teil, spätestens, wenn die Stämme im Sägewerk entrindet würden. Und im Notfall komme auch die „Giftspritze“ zum Einsatz.

Zerstörung durch den Borkenkäfer - der Wald im Wandel

2020 hatte es zwei Generationen Borkenkäfer gegeben, in den beiden Jahren zuvor sogar drei. „Es ist schon abzusehen, dass wir zwei Generationen haben“, weiß Gertz mit Bezug auf dieses Jahr. Eine dritte droht nur dann, wenn es einen wirklich warmen Herbst gibt. „Derzeit sieht es nicht danach aus“ – ein kleiner Hoffnungsschimmer. Aber dass der Wald sich verändert wird, daran hat Gertz keinen Zweifel: „Es ist noch nicht rum.“

Etwas Positives kann der Leiter des Regionalforstamtes aber erkennen: „Die Natur erobert sich die Kahlflächen zurück.“ Der Fingerhut breitet sich derzeit stark aus. Er sieht nicht nur hübsch aus, sondern ist eine hervorragende Nahrungsquelle für Insekten.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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