Forellensprünge sind bald Vergangenheit

Wehre in der Sieg werden nach und nach abgebaut

JaK Weidenau. Unzählige Anläufe unternehmen in diesen Tagen die Bachforellen in der Sieg, um das rund zwei Meter hohe Wehr an der Grenze von Weidenau nach Dreis-Tiefenbach zu überwinden. Sie »springen bergauf«. Erfolglos. »Gesunde Lachse schaffen diese Höhe unter Umständen«, sagt Gerhard Kötter, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Siegen. Doch um in den kleineren und ruhigeren Nebengewässern ablaichen zu können, müssen die besagten Forellen noch weiter siegaufwärts kommen. Derzeit sterben viele von ihnen an den Folgen der Wehre. Die weiblichen Tiere, Rogner genannt, können nicht ablaichen, ihre männlichen Pendants, die Milchner, können nicht abspritzen.

Die Beseitigung von Wehren soll Schritt für Schritt in Angriff genommen werden. In den letzten Wochen und Monaten waren bereits die Wehre am Weidenauer Kleinbahnhof und ein weiteres Wehr an der Industriestraße abgebaut worden (die Siegener Zeitung berichtete bereits). Die Beseitigung dieser »Absätze« im Fluss ist Teil des Wanderfischprogrammes an der Sieg, das wiederum in die EU-Wasserrahmenrichtlinie eingebettet ist. Bauherr der Maßnahmen ist die Stadt Siegen, die jedoch auf eine 80-prozentige Förderung des Landes zurückgreifen kann. »Teilweise werden solche Rückbauten zusätzlich als Ausgleichsmaßnahmen für Bauvorhaben an anderer Stelle genutzt«, erklärt Ulrich Krumm von der Unteren Wasserbehörde. So könne der Umbau – er kostet pro Wehr rund 150000 Euro – teilweise komplett kostenneutral gestaltet werden.

Neben dem Aufbau eines natürlichen Fischbestandes bietet die Beseitigung der Wehre, die größtenteils aus dem 19. Jahrhundert stammen, einen weiteren Vorteil: Hochwasserschutz-Belangen wird besser Rechnung getragen. Gerhard Kötter lobte die Zusammenarbeit von Fischereigenossenschaft, Stadt Siegen und dem Entsorgungsbetrieb der Stadt Siegen ausdrücklich.

Bis zum heutigen Tag wurden im Kreis bereits 25 Wehre zurückgebaut. »Aber es gibt noch viel mehr«, gibt Kreisfischereiberater Emil Otterbach zu bedenken. Genug Zeit, um weitere Hindernisse zu entfernen, haben die Verantwortlichen. Kötter: »Das Förderprogramm ist auf jeden Fall bis 2011 gesichert.« Nach der Beseitigung des hohen Wehres an der Grenze von Weidenau zu Dreis-Tiefenbach – der Baubeginn ist für das Frühjahr angepeilt – soll auf jeden Fall möglichst schnell das Effertswehr zurückgebaut werden.

So könnte schon bald die Zeit vorbei sein, in der jeder Pächter in der Region einen so genannten Stützungsbesatz in der Sieg aussetzen muss. Denn wenn die Lebensbedingungen für die heimischen Bachforellen, aber auch für die (aus dem Atlantik) weit gereisten Lachse, wieder naturnaher sind, muss der Mensch an dieser Stelle nicht mehr eingreifen. Und einen Sinn haben die Wehre schon lange nicht mehr. Sie wurden seinerzeit für Hammerwerke und ähnliche Gewerbezweige benötigt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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