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Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Forstarbeiter Nico Klotz im Dauereinsatz gegen den Borkenkäfer

Nico Klotz vor einem seiner Harvester. Der Unternehmer weiß, dass wenn alle Fichten gefällt sind, er die Kosten der Maschinen nicht decken kann. „Ich muss mir auf jeden Fall etwas einfallen lassen in den nächsten Jahren“, sagt er.
  • Nico Klotz vor einem seiner Harvester. Der Unternehmer weiß, dass wenn alle Fichten gefällt sind, er die Kosten der Maschinen nicht decken kann. „Ich muss mir auf jeden Fall etwas einfallen lassen in den nächsten Jahren“, sagt er.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Feuersbach. Er steht unter Stress, hat eigentlich zu viel zu tun und muss weiter arbeiten. Trotzdem merkt man Nico Klotz nicht an, dass er unter enormem Druck steht. Er nimmt sich Zeit für das Gespräch mit der SZ, setzt sich gemeinsam mit seiner Frau Verena und der neun Monate alten Tochter Paulina an den Esstisch. In der Wohnung verteilt stehen Blumensträuße, Dekoration aus Holz. Vor Kurzem hat das Paar kirchlich geheiratet und sein Kind taufen lassen. Die Taufhochzeit fand im Wald statt – der ist ein großer Bestandteil im Leben der Familie, denn Nico Klotz führt einen Forstbetrieb.
Seit die extreme Trockenheit und der Borkenkäfer die Fichtenwälder absterben lassen, ist er mit seinem neunköpfigen Team im Dauereinsatz.

sp Feuersbach. Er steht unter Stress, hat eigentlich zu viel zu tun und muss weiter arbeiten. Trotzdem merkt man Nico Klotz nicht an, dass er unter enormem Druck steht. Er nimmt sich Zeit für das Gespräch mit der SZ, setzt sich gemeinsam mit seiner Frau Verena und der neun Monate alten Tochter Paulina an den Esstisch. In der Wohnung verteilt stehen Blumensträuße, Dekoration aus Holz. Vor Kurzem hat das Paar kirchlich geheiratet und sein Kind taufen lassen. Die Taufhochzeit fand im Wald statt – der ist ein großer Bestandteil im Leben der Familie, denn Nico Klotz führt einen Forstbetrieb.
Seit die extreme Trockenheit und der Borkenkäfer die Fichtenwälder absterben lassen, ist er mit seinem neunköpfigen Team im Dauereinsatz. Ein Zehn-Stunden-Arbeitstag, arbeiten am Wochenende – das ist der Alltag der Forstarbeiter. Nico Klotz, der 2005 den Betrieb gründete, ist mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem er sagt: „Es macht keinen Spaß mehr.“ Sein Arbeitstag beginnt morgens um 6 Uhr und endet abends um 20 Uhr. Nur drei Tage war er dieses Jahr mit seiner Familie unterwegs – verbunden mit der Abnahme einer neuen Maschine. „Andere Paare wären jetzt in den Flitterwochen und würden sich nicht mit Käferholz beschäftigten“, sagt Verena Klotz, die ihren Mann bei seiner Arbeit unterstützt und ihm den Rücken freihält.

Käferholz wird nach China verkauft

Der 36-Jährige bediente ursprünglich die Maschinen im Wald, dafür ist jetzt keine Zeit mehr. Durchgängig ist er mit organisatorischen Aufgaben beschäftigt. „Ich setze mich morgens gestresst ins Auto und sitze zu 90 Prozent des Tages gestresst im Auto. Das wollte ich nie machen.“ Er kümmert sich darum, dass das Holz nach China verkauft wird. Der aktuell wichtigste Markt, „wenn der einbricht, sieht es schlecht für uns aus“.
„Die Leidenschaft geht einem verloren durch den Druck.“ Die Waldgenossenschaften wollen möglichst schnell, dass die toten Fichten gefällt werden. Wenn er nicht schnell genug bei den Kunden sei, dann verliere er sie, sagt Klotz, auch wenn er lange mit ihnen zusammengearbeitet habe. „Das ist das Traurige. Keiner hat Verständnis.“ Für den 36-Jährigen ist es schwierig, genau abzuschätzen, wie lange er für eine Fläche braucht, denn nicht selten bekommt er einen Auftrag, bei dem er 500 Festmeter fällen soll, zwei Wochen später sind es aber bereits 2000. Der Borkenkäfer sei einfach schneller als gearbeitet werden könne.

Siegerland in zwei Jahren fichtenfrei?

Baum um Baum fällt, die Fichtenwälder verschwinden aus dem Landschaftsbild. „Wenn das so weitergeht, dann ist in spätestens zwei Jahren das Siegerland fichtenfrei“, vermutet der Unternehmer. Kürzlich erst schlug sein Forstbetrieb rund 25 000 Festmeter bei Netphen. Das sind rund 830 Container (in einen Container passen etwa 30 Festmeter). Klotz berichtet, dass zurzeit viele Betriebe aus dem Ausland kommen, um hier zur arbeiten. Und trotzdem: „Der Käfer ist immer noch schneller.“ In diesem Jahr hat der Forstarbeiter einen neuen Harvester gekauft. 490 000 Euro netto kostet die Maschine, die ein schnelles Fällen und Zersägen der Bäume möglich macht. Längst geht es nicht mehr um die Durchforstung und Pflege von Kulturen. In erster Linie werden jetzt ganze Wälder gerodet. Was aber, wenn die großen Bestände mit den Fichten, dem Brotbaum der Waldgenossenschaften, gefällt sind? Wenn ihre Rücklagen aufgebraucht sind und Geld benötigt wird für die Aufforstung? Können die Waldbauern dann die Forstbetriebe bezahlen, und können diese ihre Mitarbeiter weiter beschäftigen, ihre Fuhrparks halten?

Ungewisse Zukunft für die Forstbetriebe

„Wir Forstbetriebe stehen alle vor einem großen Fragezeichen“, sagt der Feuersbacher. Vielleicht muss er umstrukturieren, sich mehr aufs Pflanzen spezialisieren. „Ich muss mir auf jeden Fall etwas einfallen lassen in den nächsten Jahren.“ Zeit zum darüber Nachdenken hat er aktuell nicht. Vor der eigenen Haustür wird er nicht mehr genügend Arbeit haben, da ist er sich sicher. „In ein paar Jahren werden 30 bis 40 Kilometer nicht mehr reichen. Dann müssen wir der Arbeit hinterher reisen.“ Er hofft, dass er, auch bei einem zunehmenden Preiskampf, alle Mitarbeiter behalten kann. „Das wird schwierig, ich muss die ja beschäftigt bekommen.“ Und: „Die Kosten der Maschinen bekomme ich mit Kulturpflege und Zaunbau nicht gedeckt.“ Harvester und Rückemaschinen zu verkaufen lohnt sich wahrscheinlich nicht. Klotz vermutet, dass der Markt damit bald überschwemmt sein wird.
Und immer bleibt die Unsicherheit, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht. Würden die Grenzen wieder dicht gemacht, könnte das Holz nicht exportiert werden. Ein Corona-Fall im Betrieb: „Das wäre eine Katastrophe.“ Dass die Arbeit still steht, das kann sich das Unternehmen in der aktuellen Situation einfach nicht leisten.

Hier finden Sie alle Artikel zur SZ-Serie "Der Wald im Wandel" im Überblick.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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