Fortgesetzter Lachzwang

Sieht der Mann aus wie einer, der unseren Lachmuskeln den Garaus machen könnte? Man sollte sich nicht täuschen. Philipp Weber kann. Und wie er kann. Im Lÿz hat er’s bewiesen. Foto: aww
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aww Siegen. Massakriert hat er uns nicht, aber wir waren nahe dran, an fortgesetztem Lachzwang zu versterben. Philipp Weber hat das „Honeymoon Massaker“ ins ausverkaufte kleine Theater des Siegener Lÿz gebracht und seinem Publikum beinahe die kollektive Gesichtsstarre verpasst, so nach dem Motto: dauerhaft gebleckte Zähne und zwanghaft nach oben gezogene Mundwinkel. Selten so gewiehert vor Spaß wie am Freitagabend.

Als eigentlich alles schon vorbei war, der aus dem bayerischen Odenwald stammende Kabarettist mit dem herrlichen Dialekt sein „Honeymoon“-Programm über die Bühne gebracht hatte, trat er, mittels dauerhaftem Applaus ordentlich angefeuert, noch einmal an, um unseren Lachmuskeln endgültig den Garaus zu machen. Mit einer Zugabe aus seinem älteren Solo-Programm „Schief ins Leben“. Die ließ Tränlein über die geröteten Bäckchen kullern, und es war klar: Wir wollen Philipp Weber wiedersehen. Vielleicht im nächsten Jahr mit seinem ganz neuen Solo-Abend „Futter“ …?

Was Philipp Weber umtreibt, ist der ganz normale In-der-Welt-und-ihren-Unbilden-Zurechtfindungs-Stress eines Mittdreißigers aus dem ländlichen „Mumpfenbach“, für den Hochzeiten spaßfreie Zonen sind – und die teuerste Möglichkeit, eine Beziehung zu beenden. Weber seziert unsere Gesellschaft auf Mikro- und Makroebene, fängt im ganz Kleinen an: Er kann’s nicht verstehen, warum man sich freitagabends im Neubaugebiet mit Siedler-Spielen die Zeit vertreibt, anstatt sich wie jeder normale Mensch einen gepflegten Riss in die Birne zu saufen. Und auch noch Diskussionen über die Vor- und Nachteile von Rindenmulch und Efeu-Bodendeckern? Sooo erwachsen wollte er nie werden.

Er endet beim scheinbar ganz Großen: Klar werden auch ein paar Namen aus der Liga der Spitzenpolitiker gedroppt, aber nur ganz kurz, und das ist auch gut so; an anderer Stelle philosophiert Philipp Weber über die katholische Kirche, Peter Hahne oder den Zusammenhang von Fortpflanzungstrieb und Renten. Dabei berichtet er aus seiner kleinen, bürgerlich-überschaubaren Erfahrungswelt heraus, die irgendwie unser aller sein könnte. Und er hält gerne Rückschau. Wie war das früher bei uns, war da nicht alles besser, als es zum Beispiel noch normal war, gemeinsam mit der Familie zu frühstücken? Und heute? Heute sind die Kinder zu dick. Philipp Webers satirischer Blick auf die Welt und wie er sie sieht beschert ihm jede Menge Lacher, schnelle Lacher (denn er selbst ist ganz schön flott auf der Bühne), aber – so gut wie – nie billige. Dafür ist sein Humor schlicht und ergreifend zu niveauvoll – ohne intellektuell verquast oder verkopft zu sein.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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