Keine Events und Hochzeiten
Fotografen gehören zu den größten Verlierern der Corona-Pandemie

Die Fotokamera verstaubt, die Filmkamera ist der Retter: Drehs für Imagefilme und andere Projekte halten Fotograf Matthias Schäfer während der Corona-Pandemie über Wasser.
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  • Die Fotokamera verstaubt, die Filmkamera ist der Retter: Drehs für Imagefilme und andere Projekte halten Fotograf Matthias Schäfer während der Corona-Pandemie über Wasser.
  • Foto: Henning Strunk
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

pm Siegen. Bei Benjamin Hein steht das Telefon zu dieser Jahreszeit selten still – normalerweise. Der 34-jährige Siegener ist selbstständiger Fotograf, knipst neben Kindergarten- und Schulkindern vor allem Hochzeiten. Und genau das ist in Corona-Zeiten ein Problem. „Eigentlich geht es jetzt so richtig los, was die Aufträge angeht. Das war aber im vergangenen Jahr nicht der Fall und wird auch dieses Jahr nicht der Fall sein“, sagt Hein im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Das gefährdet sein wirtschaftliches Überleben – und damit ist er nicht allein.

"Die Politik hat die kleinen Selbstständigen vergessen"

Rund 47 Prozent der befragten Fotografen gaben bei der jüngsten Umfrage der Handwerkskammer Südwestfalen (die SZ berichtete) an, von der Corona-Pandemie sehr stark oder sogar existenzbedrohend betroffen zu sein. Benjamin Hein zählt sich zu Letzteren und sagt: „Wir sind die ,Gelackmeierten’. Die Politik hat die kleinen Selbstständigen vergessen.“
Gemeint ist: Viele Fotografen sind „Einzelkämpfer“ ohne Angestellte und Betriebsausgaben. Genau solche sind aber die Grundvoraussetzung, um von staatlichen Hilfsmitteln profitieren zu können. Wie viele seiner Kollegen habe Hein unmittelbar nach der Bekanntgabe des Programms 9000 Euro Corona-Soforthilfe beantragt, wenige Tage später seien die Bedingungen aber geändert und der Passus zu den Betriebskosten hinzugefügt worden. Behalten darf Hein deshalb lediglich 2000 Euro für den eigenen Lohn.

Massive Umsatzverluste bei Fotografen

Ein-Mann-Betriebe sollten sich ansonsten durch das Arbeitslosengeld über Wasser halten, dessen Beantragung merklich vereinfacht worden sei, hieß es aus der Politik. Doch auch hier: Pustekuchen. „Nach acht Wochen, in denen ich sämtliche Unterlagen, die eigentlich nicht benötigt werden sollten, nachgereicht hatte, hat sich rausgestellt, dass ich keinen Cent bekomme“, so Benjamin Hein, der ergänzt: „Wenn ich nicht meine Familie und einen Kredit hätte, sähe es ganz böse aus. Ich kann nur hoffen, dass es bergauf geht und die Impfungen etwas bringen.“
Rund 50 Prozent des Umsatzes von 2019 habe er 2020 erzielt. Fast 65 Prozent aller befragten Fotografen in Südwestfalen mussten mit maximal der Hälfte der Einkünfte des Vorjahres auskommen. Gut 32 Prozent erreichten laut Umfrage nicht einmal zehn Prozent des Umsatzes aus 2019. Alarmierende Zahlen. „Ich bin eigentlich ein dankbarer Mensch“, beteuert Benjamin Hein, „und in anderen Ländern gibt es gar keine Hilfen. Aber hier wurde leider viel versprochen und wenig eingehalten. Ich hoffe, dass es doch noch eine Einmalzahlung gibt. Jedes bisschen hilft.“

Auch Matthias Schäfer trifft Corona hart

Hilfreich ist auch ein breites Angebotsportfolio – wie bei Matthias Schäfer. Der 36-jährige Siegener ist ebenfalls als Hochzeitsfotograf unterwegs, begleitet außerdem Konzerte und Events wie KulturPur mit der Filmkamera. Zwei Geschäftszweige, die seit Beginn der Pandemie weitgehend stillstehen. Andere Aufträge wie Industriefotografie oder Imagefilme kommen jedoch weiterhin an. „Wir sind außerdem ins Streaming-Geschäft eingestiegen, wo auch etwas möglich war. Ich würde mich bei den sehr stark Betroffenen ansiedeln. Ich bin unterstützungsbedürftig, aber nicht existenzbedroht“, meint Matthias Schäfer.
Was ihn und viele andere Fotografen noch antreibt: Die Aussicht auf einen Boom nach der Pandemie. „Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die Hoffnung ist da, dass nächstes Jahr etwas passiert. Sobald es wieder geht, wird sicherlich viel gefeiert und viel geheiratet“, so Matthias Schäfer.
Dem 36-Jährigen ist jedoch klar: „Die fehlenden Einnahmen aus diesem und dem letzten Jahr werden einen Rattenschwanz hinter sich herziehen. Es wird ein Loch zurückbleiben.“ Ein Loch, das bis zum Ende der Pandemie einige Selbstständige buchstäblich verschluckt haben dürfte. Vielen Fotografen wird durch Corona das Licht ausgeknipst.

Die Fotokamera verstaubt, die Filmkamera ist der Retter: Drehs für Imagefilme und andere Projekte halten Fotograf Matthias Schäfer während der Corona-Pandemie über Wasser.
Corona hat Fotograf Benjamin Hein und vielen Kollegen massive Verdienstausfälle eingebrockt.
Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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