Frankfurt – Berlin

Gemeinsam mit dem Komponisten Benjamin Weidekamp entwickelt der Dramaturg Tobias Schuster (l.) aus Siegen einen Theaterabend für Kinder, der im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks aufgeführt wird. Foto: privat
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la Siegen. Die Universitätsstadt Frankfurt/Oder bereitet sich auf das Kleist-Jubiläumsjahr 2011 vor. Einen ersten Vorgeschmack, wie die Stadt ihres großen Sohnes und Literaten Heinrich von Kleist und dessen 200. Todestag gedenken wird, geben die Kleist-Festtage vom 13. bis 18. Oktober 2009. Der Literat wurde 1777 als Sohn einer Offiziersfamilie in Frankfurt/Oder geboren. 1811 nahm er sich am Ufer des Wannsees in Berlin das Leben. Mit zu den bekanntesten Werken des Dramatikers gehören neben dem „Kätchen von Heilbronn“ u. a. „Der zerbrochene Krug“ und „Michael Kohlhaas“. In der Ausstellung „Dichter im Warenkorb“ gibt es Kleist-Devotionalien von A bis Z zu sehen, und Künstler wie Matthieu Carriere und Christoph Hein gestalten einen Abend über ihr Verhältnis zu Kleist.

Im Mittelpunkt des Festivals steht jedoch eine Freilichtbühnen-Aufführung mit Szenen aus „Käthchen von Heilbronn“. An dem Stück auf dem Marktplatz werden Laiendarsteller und Sänger aus Frankfurt und der Nachbarstadt Skubice in Polen mitwirken. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. Dazu gibt es im Herbst Lesungen, Diskussionen, ein Kleist-Forum und die Verleihung eines Kleist-Förderpreises für junge Autoren. Der Preis wird ab dem kommenden Jahr in Zusammenarbeit mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen vergeben. Der Gewinner wird ein Preisgeld bekommen, und sein Stück wird bei den Ruhrfestspielen aufgeführt.

Und mitten in der Kleist-Szenerie „mischt“ ein junger Siegener mit: der junge Dramaturg Tobias Schuster. Der 25-Jährige: „Eine äußerst interessante Aufgabe.“ Der Siegener entdeckte auf dem Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium seine Leidenschaft für das Theater und die Literatur. Neben der Mitarbeit in der Schülerzeitung „Strebergarten“ inszenierte er gemeinsam mit Lars Dettmer zwei Pinter-Einakter in der Musikkneipe „Meyer“ und engagierte sich bei der Gruppe „Drama statt Siegen“. Und in der Krönchenstadt kam auch erstmals die Kombination Theater – Kleist zustande.

Intendant Magnus Reitschuster nahm ihn 2003 als Regie-Hospitant in das Ensemble auf, das noch im alten Kinobau „Der zerbrochene Krug“ aufführte. Studium der Politik und Theaterwissenschaften in Bochum sowie die Inszenierung des Theaterstücks „tötet die alten foltert die jungen“ des Schotten David Harrower in einem leerstehenden Bochumer Kaufhaus waren weitere Stufen des beruflichen Werdegangs. Und dann der Sprung ans „richtige“ Theater.

Schuster wurde Dramaturgieassistent an der Berliner Schaubühne, die mit der umjubelten „Nora“-Inszenierung zur Eröffnungsspielzeit des Apollos nach Siegen kam. Statt Anstellung mit Pensionsanspruch wählte Tobias Schuster jetzt den schwierigeren beruflichen Weg: Er ging als freier Dramaturg auf den Arbeitsmarkt und hatte Glück. Im Frühjahr 2009 betreute er am Maxim-Gorki-Theater Berlin die Uraufführung des Stücks „Berlin Ernstreuterplatz“ des von ihm mitgegründeten Theaterkollektivs „copy & waste“ (Text: Jörg Albrecht, Regie: Steffen Klewar), das sogar Mitte September als Gastspiel im österreichischen Graz beim Festival „best off styria“ zu sehen war. In Berlin an der Schaubühne stand danach die Uraufführung des Eifersuchtsdramas „Dingos“ von Paul Brodowsky auf dem Arbeitsplan (Regie: Anne Schneider), und in Frankfurt/Oder ist er nun der persönliche Referent des künstlerischen Leiters des Kleist-Forums.Tobias Schuster: „Das Kleist-Forum ist eine ähnliche Konstruktion wie das Apollo-Theater, weil sich das Programm vor allem aus Festivals und Koproduktionen zusammensetzt. Zwei- bis dreimal im Jahr kommen aber auch Eigenproduktionen auf den Spielplan.“ Neben der Achse Berlin – Frankfurt/Oder kommt jetzt im Herbst noch ein neuer Einsatzort: Frankfurt am Main. Nicht mit einer Kleist-Inszenierung wird er im November in die Finanzmetropole kommen, sondern zum Jazz-Festival mit der Gruppe Die Computerband.Gemeinsam mit dem befreundeten Komponisten Benjamin Weidekamp entwickelt er einen Theaterabend für Kinder, dessen Rahmenhandlung das Video-Spiel „Super Mario Land“ ist. Aufgeführt wird es im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks. Ein spannendes Projekt für den Dramaturgen, sich im Spannungsfeld der Kleist-Dramatik und der heutigen Computer-Welt zu bewegen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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