Frankreich als Protest-Vorbild

Weidenauer Dokumentarfilmer Martin Keßler drehte Chronologie über hessische Studenten

Siegen. Kick it like Frankreich! Fußballtechnisch? Das wäre auch nicht übel. Aber der Titel geht weiter: »Kick it like Frankreich – Der Aufstand der Studenten«. Zu sehen war der Dokumentarfilm über den Widerstand der hessischen Studenten gegen die Hochschulgesetzgebung (Studiengebühr) jetzt an der Uni Siegen.

Von Mai bis Ende Oktober begleitete der Filmemacher Martin Keßler die Studenten bei ihren Aktionen, sprach mit Politikern, Gewerkschaftern, Arbeitslosen und Menschen auf der Straße. Gerade die O-Töne – zumal die der englischen Fußballfans im WM-Rausch zum Teil unfreiwillig komisch sind – fesseln den Zuschauer. Unkommentiert stehen Politikerstatements neben Stammtischparolen oder Hilferufen verzweifelter Langzeitarbeitsloser. Einen der eindringlichsten Kommentare liefert ein südamerikanischer Fußballfreund, der sinngemäß sagt, er verstehe die Studenten. Bildung dürfe nichts kosten, dafür müssten die Hochschul-Absolventen der Gesellschaft später etwas zurückgeben.

Auf den griffigen Titel »Kick it like Frankreich« ist der 1953 in Weidenau geborene Martin Keßler gekommen, weil die Studenten in Hessen französische Fahnen mitführten, sich am Engagement der protestierenden Bevölkerung im Nachbarland orientierten. Der Film zeigt, wie die Studenten versuchen, dem französischen Vorbild folgend, Partner zu finden, sich mit Schülern, Gewerkschaften, Arbeitslosen-Initiativen zu vernetzen. Interessant, wenn Polizeibeamte und Studenten, die sich vorher durchaus nicht immer friedlich gegenüberstehen, dann gemeinsam demonstrieren. Darum geht es Keßler, wenn er Parallelen zu Frankreich zieht, nicht um die Gewalt, die in Pariser Vororten eskalierte. Eines macht dieser Film, der Stellung für die protestierenden Studenten bezieht, ganz deutlich: Es gibt viele Menschen, die sich durch Politiker nicht mehr vertreten fühlen. Noch größer ist allerdings bis jetzt die Zahl derjenigen, die resigniert abwinkt, da könne man eh nichts gegen machen.

Sein soziales Engagement führt Martin Keßler, der u.a. für »ZDF-Reporter«, die »WDR-Story«, »ARD-exklusiv« oder »Plusminus« Reportagen erarbeitet hat, auch auf seine Siegerländer Herkunft zurück, wo die Menschen seiner Meinung nach ein hohes Gespür für soziale Gerechtigkeit haben. »Kick it« ist nach dem »Neue-Wut«-Projekt (läuft seit 2003, Info im Internet unter www.neuewut.de), das vergangenes Jahr in einen Dokumentarfilm über die Hartz-4-Gesetzgebung und ihre Folgen mündete, der zweite Film Keßlers, der sich mit der Wut über die und der Ohnmacht gegenüber der Politik beschäftigt.

Der Filmemacher aus dem Siegerland bedauert, dass der politische Dokumentarfilm in unserem Land nicht so eine Rolle spielt wie etwa in den USA. Enttäuscht ist er auch, dass es immer schwieriger wird, solche Themen im TV unterzubringen: »Die Quote ist zu dominant!« Aus der Sicht des Autoren, dessen Film u.a. von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt sowie der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert wurde, ist dies verständlich, sind die finanziellen Aufwendungen eines solchen Projekts doch enorm. Dass von der »Neuen Wut« immerhin 1500 DVD’s verkauft wurden, zeigt aber, dass Interesse besteht.

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