SZ

Bürgerantrag
Frauen wollen mehr Sichtbarkeit in Siegen

Nur ein Bruchteil der Straßen in Siegen sind nach einer Frau benannt. Das soll sich bald ändern.
  • Nur ein Bruchteil der Straßen in Siegen sind nach einer Frau benannt. Das soll sich bald ändern.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ap Siegen. „Einen Kaffee kann ich jetzt echt nicht trinken, dann kippe ich um“, sagt Susanne El Hachimi-Schreiber mit zittriger Stimme. Die 42-Jährige sitzt mit zwei ihrer Unterstützerinnen im Rathaus der Krönchenstadt und wartet. Immer wieder schaut sie nervös auf die Unterlagen, ihr rechter Zeigefinger streicht über die obere Ecke des Papiers. „#SIEistSIEGEN“ steht darauf geschrieben, darunter eine Liste mit 78 Namen.Es ist kurz nach elf und deutschlandweiter Sirenen-Warntag. Mit dem Ertönen der Signalhörner betritt auch der Bürgermeister den Raum. Die Aufregung steigt. Susanne El Hachimi-Schreiber, Olga Eichenauer und Ann-Kathrin Hamann haben ein Anliegen, wollen gemeinsam etwas bewegen.

ap Siegen. „Einen Kaffee kann ich jetzt echt nicht trinken, dann kippe ich um“, sagt Susanne El Hachimi-Schreiber mit zittriger Stimme. Die 42-Jährige sitzt mit zwei ihrer Unterstützerinnen im Rathaus der Krönchenstadt und wartet. Immer wieder schaut sie nervös auf die Unterlagen, ihr rechter Zeigefinger streicht über die obere Ecke des Papiers. „#SIEistSIEGEN“ steht darauf geschrieben, darunter eine Liste mit 78 Namen.Es ist kurz nach elf und deutschlandweiter Sirenen-Warntag. Mit dem Ertönen der Signalhörner betritt auch der Bürgermeister den Raum. Die Aufregung steigt. Susanne El Hachimi-Schreiber, Olga Eichenauer und Ann-Kathrin Hamann haben ein Anliegen, wollen gemeinsam etwas bewegen. Sie haben einen „losen Zusammenschluss“ gebildet, der nun vorgestellt werden soll und eines fordert: Mehr Sichtbarkeit von Frauen im Siegener Stadtbild. Was sich die Initiative für die Zukunft wünscht und für welche Änderungen sich die drei Frauen stellvertretend stark machen, haben sie bei der Übergabe ihres Bürgerantrages erzählt.

Nur zehn Straßen in Siegen tragen den Namen einer Frau

„In allen Gesellschaftsbereichen werden Frauen einfach viel zu wenig berücksichtigt“, finden sie. „Und mir ist aufgefallen, dass sich genau das auch im Siegener Stadtbild widerspiegelt. Schauen Sie sich doch einfach mal um,“ sagt El Hachimi-Schreiber herausfordernd. So gebe es beispielsweise 140 Straßen im Stadtgebiet, die nach Männern benannt wurden. Dem stünden aber nur 10 Straßen gegenüber, die den Namen einer bekannten Frau tragen. „Das sind zwar oberflächliche Zeichen, aber die Diskriminierung zieht sich doch durch alle Bereiche“, meint die Initiatorin. Und auch die Wahrzeichen der Krönchenstadt findet El Hachimi-Schreiber zu eindimensional. „Warum haben wir kein weibliches Pendant zu Henner und Frieder?“, fragt sie Mues. „Wir Frauen gehören doch genauso zur Geschichte. Leider vergisst uns die Erinnerungskultur häufig.“ So richtig deutlich geworden sei ihr das aber erst, als sie das Buch „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez gelesen hat, das diesen Missstand thematisiert.

Bürgerantrag laut Steffen Mues ein Selbstläufer

Im Gespräch folgt eine Reihe weiterer Beispiele, die das Verbesserungspotenzial in Sachen Gleichberechtigung weiter vertiefen sollen. „Sie brauchen mich gar nicht noch mehr zu überzeugen“, unterbricht Steffen Mues die Selbstständige bei ihrem Vortrag, „Ihre Beanstandungen sind völlig gerechtfertigt.“ Susanne El Hachimi-Schreiber lächelt, wirft ihren Begleiterinnen einen triumphierenden Blick zu und scheint sichtlich erleichtert. Der Bürgerantrag werde „ein Selbstläufer“ sein, so die Prognose des Bürgermeisters.
Ideen, wie man die Forderungen umsetzen könnte, liefert er sofort dazu: „Ich könnte mir vorstellen, die Straßen eines zukünftigen Neubaugebietes komplett nach Frauen zu benennen.“ Damit setze man ein deutliches Zeichen, zeige, dass auch historisch wichtige weibliche Vertreter aus der Region gewürdigt werden. Und auch eine Absprache mit der Universität ist für den amtierenden Bürgermeister vorstellbar. „Bei der Namensfindung der neu geplanten Uni-Gebäude sollte das auf jeden Fall berücksichtigt werden“, verspricht Mues.
Dass diese Forderungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen umgesetzt werden können, ist allen Beteiligten bewusst. So werde als nächstes mit der zuständigen Fachabteilung eine Vorlage erstellt, die dann im nächsten Schritt dem Haupt- und Finanzausschuss vorgelegt werden kann. Einen ersten Schritt in Richtung Gleichberechtigung hat Susanne El Hachimi-Schreiber jedoch schon getan. „Und das war gar nicht schwer.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
2 Bilder

Neues Angebot auf 57immo.de
Jetzt Immobilie von Experten bewerten lassen

Gründe für eine Immobilienbewertung gibt es viele: Sie kann erforderlich sein für den Kauf oder Verkauf eines Hauses, beim Schließen eines Ehevertrages oder auch beim Verschenken des Eigentums an die Kinder. Allgemein gilt: Wer den Wert seiner Immobilie kennt, hat in vielen Situationen einen Vorteil. Mit der Immobilienbewertung der Vorländer Mediengruppe bekommen Haus- und Wohnungsbesitzer nun ein passendes Werkzeug zur schnellen und zuverlässigen Einschätzung des Wertniveaus an die Hand – und...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.