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Israel als Vorbild in Sachen Impfstrategie?
Freibier zur Corona-Impfung

Oliver Vrankovic findet es absolut richtig, wenn Nichtgeimpften gewisse Rechte vorenthalten werden.

pm Tel Aviv. Aufgeheizte Stimmung im ausverkauften Fußballstadion, gespannte Stille in vollbesetzten Theatersälen, sorgenfreie Besuche der Liebsten im Seniorenheim oder geselliges Beisammensein bei einer großen Familienfeier – all das wird für viele Israelis bald keine Sehnsucht, sondern Realität sein. Voraussetzung: der Nachweis der Corona-Impfung, der sogenannte Impfpass. Das grüne Schriftstück, auch digital abrufbar, ermöglicht eine Woche nach der Zweitimpfung die Rückkehr zur Normalität. Damit ist Israel Vorreiter auf dem Gebiet und zugleich Auslöser kontroverser Diskussionen, die in der EU, in Deutschland und im Siegerland an Fahrt aufnehmen.
Geimpfte sollen mehr Rechte bekommenOliver Vrankovic ist dabei quasi mittendrin.

pm Tel Aviv. Aufgeheizte Stimmung im ausverkauften Fußballstadion, gespannte Stille in vollbesetzten Theatersälen, sorgenfreie Besuche der Liebsten im Seniorenheim oder geselliges Beisammensein bei einer großen Familienfeier – all das wird für viele Israelis bald keine Sehnsucht, sondern Realität sein. Voraussetzung: der Nachweis der Corona-Impfung, der sogenannte Impfpass. Das grüne Schriftstück, auch digital abrufbar, ermöglicht eine Woche nach der Zweitimpfung die Rückkehr zur Normalität. Damit ist Israel Vorreiter auf dem Gebiet und zugleich Auslöser kontroverser Diskussionen, die in der EU, in Deutschland und im Siegerland an Fahrt aufnehmen.

Geimpfte sollen mehr Rechte bekommen

Oliver Vrankovic ist dabei quasi mittendrin. Der 41-jährige Deutsche lebt inzwischen seit 13 Jahren in Israel und arbeitet als Pflegehelfer in einem sogenannten Elternheim, einer Seniorenresidenz im Großraum Tel Aviv, in der er selbst direkten Kontakt mit Corona-infizierten Bewohnern hatte. Daneben hält er Vorträge über seine neue Heimat, den dortigen Umgang mit Covid-19 und andere Themen, u. a. im Auftrag der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland (CJZ).
„Ich denke, es gibt keine Rechtfertigung dafür, einer geimpften Person, die keine Gefahr mehr ist, nicht mit mehr Rechten zu versorgen. Die Frage, ob man gewisse Rechte Nichtgeimpften vorenthalten darf, beantworte ich mit ,Ja’“, so Vrankovic im SZ-Gespräch. Knapp 3,4 Millionen Israelis (Stand 1. März), gut ein Drittel der Gesamtbevölkerung von rund 9 Millionen, haben bereits ihre Zweitimpfung erhalten. Mehr als die Hälfte hat zumindest die erste Injektion bekommen.

Restriktionen nicht streng genug umgesetzt

„Die Impfkampagne ist auf der einen Seite ein großer Erfolg. Auf der anderen Seite gibt es bei der Eindämmung der Pandemie ein Totalversagen der Politik“, erklärt Vrankovic. So seien die strengen Restriktionen beispielsweise bei den Ultraorthodoxen nicht konsequent durchgesetzt und die Staatsgrenzen und Flughäfen zu spät geschlossen worden. Das Infektionsgeschehen sei deshalb noch immer hoch, wenngleich die Zahl der Todesfälle im Zuge der Impfungen bereits merklich zurückgegangen sei.

Israel als Vorbild in Sachen Impfstrategie

Als Vorbild für den Umgang mit Covid-19 will Vrankovic seine neue Heimat deshalb nicht verstanden wissen – für die Impfstrategie hingegen schon. „Anfangs war rund die Hälfte der israelischen Bevölkerung gegen die Corona-Impfung. Durch den Druck, der durch Lockerungen für Geimpfte entstanden ist, haben aber mittlerweile auch viele Gegner ihre Meinung geändert. Der Grund dafür ist egal, denn jeder Geimpfte ist ein potenzielles Risiko weniger“, findet Vrankovic.

Gratis-Mahlzeit zur Impfung

Für die Überzeugung der Impfskeptiker beschreitet Israel auch unkonventionelle Wege. So werde die Injektion mittlerweile für Kurzentschlossene an öffentlichen Orten wie Parks oder in Verbindung mit einer Gratis-Mahlzeit angeboten. „Es wurden auch Bars geöffnet, wo es ein Freibier zur Corona-Impfung gab“, erzählt Vrankovic, der die Strategie als „Zuckerbrot und Peitsche“ beschreibt: „Einerseits gibt man sich viel Mühe, den Leuten die Impfung schmackhaft zu machen. Andererseits werden Nichtgeimpfte von immer mehr Dingen wie Sport- und kulturellen Veranstaltungen oder aus Fitnessstudios ausgeschlossen. Auch Restaurants öffnen bald nur für Geimpfte.“
Drastische Maßnahmen, die in Zukunft auch in Deutschland greifen könnten – und die Vrankovic nachvollziehen kann. „Es ist mehr oder weniger ein Impfzwang, aber das ist vertretbar, denn es ist keine Bevorteilung Geimpfter, sondern eine Benachteiligung Nichtgeimpfter. Ich selbst habe zwei Menschen an Corona sterben sehen, und um diese Krankheit auszumerzen, müssen wir in meinen Augen auch solche Mittel nutzen.“

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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