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Verdächtiger Zeuge kommt aus Israel
„Freies Geleit“ für Aussage in Siegen

„Saloon“ stand über der Tür zu Zimmer 123 in der Burbacher Einrichtung – es soll eines der „Problemzimmer gewesen sein. Hierher wurden offenbar Flüchtlinge gebracht, wenn sie in Prügeleien verwickelt, alkoholisiert waren oder gegen das Rauchverbot verstießen. Das Foto entstand im Oktober 2018.  Foto: ihm
  • „Saloon“ stand über der Tür zu Zimmer 123 in der Burbacher Einrichtung – es soll eines der „Problemzimmer gewesen sein. Hierher wurden offenbar Flüchtlinge gebracht, wenn sie in Prügeleien verwickelt, alkoholisiert waren oder gegen das Rauchverbot verstießen. Das Foto entstand im Oktober 2018. Foto: ihm
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm Siegen/Burbach.  Im Prozess gegen etliche Beschuldigte wegen Misshandlung von Flüchtlingen in der Burbacher Aufnahmeeinrichtung auf der Lipper Höhe gab es am Mittwoch eine außergewöhnliche Information. An einem der nächsten Prozesstage wird  ein Zeuge aus Israel anreisen. Das an sich bedeutet schon erheblichen logistischen und finanziellen Aufwand. Zusätzlich kompliziert wird es aber, weil gegen den Zeugen ein Ermittlungsverfahren wegen einer Geiselnahme in Deutschland laufen soll, wie im Gerichtssaal erklärt wurde. Damit er überhaupt bereit sei auszusagen, werde ihm, so Elfriede Dreisbach, für 14 Tage „freies Geleit“ zugesichert. Das sei gesetzlich so vorgesehen.

ihm Siegen/Burbach.  Im Prozess gegen etliche Beschuldigte wegen Misshandlung von Flüchtlingen in der Burbacher Aufnahmeeinrichtung auf der Lipper Höhe gab es am Mittwoch eine außergewöhnliche Information. An einem der nächsten Prozesstage wird  ein Zeuge aus Israel anreisen. Das an sich bedeutet schon erheblichen logistischen und finanziellen Aufwand. Zusätzlich kompliziert wird es aber, weil gegen den Zeugen ein Ermittlungsverfahren wegen einer Geiselnahme in Deutschland laufen soll, wie im Gerichtssaal erklärt wurde. Damit er überhaupt bereit sei auszusagen, werde ihm, so Elfriede Dreisbach, für 14 Tage „freies Geleit“ zugesichert. Das sei gesetzlich so vorgesehen. Sprich: Der Zeuge wird zwar in Deutschland gesucht, muss aber nicht fürchten, an der Grenze von der Polizei in Gewahrsam genommen zu werden.

Details zu Geiselnahme noch unklar

Details zu der Geiselnahme konnte Patrick Baron von Grotthuss als Sprecher der Siegener Staatsanwaltschaft auf SZ-Anfrage nicht mitteilen. Es sei noch keine Anklage erhoben, es laufe ein Ermittlungsverfahren. Das Delikt sei im Bereich der Siegener Staatsanwaltschaft begangen worden. Ob es sich aber um eine Geiselnahme handele, könne er ohne Aktenkenntnis nicht bestätigen, sagte Grotthuss. Auch die Fragen, wann und wo genau die mutmaßliche Straftat stattgefunden habe, wie viele Täter im Visier der Staatsanwaltschaft sind und um wie viele Opfer es sich gehandelt haben soll, blieben einstweilen unbeantwortet.

Unterdessen nahm die Verhandlung ihren zähen Fortgang. Drei Polizeibeamte, alle aus Hagen, marterten am Mittwoch in der Siegerlandhalle ihr Gedächtnis. Im zum Gerichtssaal umfunktionierten Hüttensaal sollten sie über Vernehmungen berichten, die sie vor fünf Jahren durchgeführt hatten. Es ging um die Vorfälle in der Burbacher Flüchtlingsunterkunft auf der Lipper Höhe, wo Wachleute einen Asylbewerber in einem „Problemzimmer“ misshandelt haben und weitere Straftaten begangen haben sollen.

Große Erinnerungslücken

Was hatten die Sicherheitskräfte bei der polizeilichen Vernehmung 2014 zum Problemzimmer berichtet? Wer hatte gesagt, ob die Türen offen oder abgeschlossen gewesen seien? Welcher Kollege war wie bewaffnet? Fragen, die Elfriede Dreisbach als Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer geduldig stellte. Dabei hielt sie den Kriminalisten angesichts deren Gedächtnislücken immer wieder Textabschnitte aus den damals verfassten Protokollen vor. Aber – der „Unmittelbarkeitsgrundsatz“ vor Gericht fordert das – lieber wollte sie die Erinnerungen der Zeugen direkt hören. Viel Erhellendes förderte die Befragung jedoch nicht zutage. 

Mit Befragungen und Vernehmungen wird es übernächste Woche weitergehen. Das Gericht hat inzwischen 21 weitere Verhandlungstage angesetzt – mindestens bis Juni 2020 ist der Prozess geplant.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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