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Plädoyers im Prozess um Missbrauch in Kirchhundem
Freispruch oder Haft?

Während der Plädoyers wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

ihm Siegen/Kirchhundem. Der Prozess um schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes, bei dem der Pflegevater auf der Anklagebank sitzt, geht in die entscheidende Phase. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung endeten am Freitag in zwei Anträgen, die weiter auseinander kaum liegen können: Verteidiger Klaus Söbke beantragte Freispruch für seinen Mandanten, Staatsanwältin Katharina Burchert und Rechtsanwalt Thomas Trapp als Vertreter der Nebenklage forderten sechs Jahre Haft für den 39-jährigen Mann.
Öffentlichkeit ausgeschlossenDetails der Plädoyers, insbesondere die Frage, wie der Verteidiger die Indizien beurteilt, die bei den Ermittlungen zutage getreten sind, blieben der Öffentlichkeit verborgen, denn Presse und Zuschauer wurden währenddessen ausgeschlossen.

ihm Siegen/Kirchhundem. Der Prozess um schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes, bei dem der Pflegevater auf der Anklagebank sitzt, geht in die entscheidende Phase. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung endeten am Freitag in zwei Anträgen, die weiter auseinander kaum liegen können: Verteidiger Klaus Söbke beantragte Freispruch für seinen Mandanten, Staatsanwältin Katharina Burchert und Rechtsanwalt Thomas Trapp als Vertreter der Nebenklage forderten sechs Jahre Haft für den 39-jährigen Mann.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Details der Plädoyers, insbesondere die Frage, wie der Verteidiger die Indizien beurteilt, die bei den Ermittlungen zutage getreten sind, blieben der Öffentlichkeit verborgen, denn Presse und Zuschauer wurden währenddessen ausgeschlossen. Begründung: Auch während der Aussage des Opfers, der neunjährigen Leila (Name von der Redaktion geändert), durfte die Öffentlichkeit nicht zugegen sein. Offenbar fürchtete die 1. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Elfriede Dreisbach, dass Details der Aussage in den Plädoyers zur Sprache kommen würden.

Pflegevater berichtet von seinem Alltag

Zuvor hatte der Angeklagte Torsten H. aus seinem Leben, seiner Ehe und dem Alltag mit den Kindern berichtet. Dabei ließ er seine Noch-Ehefrau – man lebt inzwischen in Scheidung – nicht gut aussehen. Sie habe in den letzten Jahren gern nächtelang gefeiert, kräftig dem Alkohol zugesprochen und dann oft bis mittags im Bett gelegen. Er selbst habe sich um die drei Pflegekinder und den leiblichen Sohn kümmern müssen.

Unbezahlte Rechnungen und Mahnungen

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie waren offenkundig desolat. Unbezahlte Rechnungen und Mahnungen wurden im Haus gefunden. Nicht bezahlt wurde unter anderem die Mitgliedschaft bei einem Online-Portal für Fetisch-Liebhaber. Hier soll sich der Angeklagte als Mitglied angemeldet haben. Vor Gericht bestritt Torsten H. das. Staatsanwältin Burchert wollte wissen, wie er sich denn die Anmeldung mit seinen Daten erkläre. Antwort: „Da gab es doch genug Leute im Haushalt, die wussten, wie man einen Computer bedient, und die Zugang zu meinen Daten hatten.“

Familie lebte von Pflegegeld

Beruflich hat der Angeklagte nie so recht Fuß fassen können. Ein festes Einkommen gab es nicht, man lebte im Wesentlichen vom Pflegegeld. In welchem Zustand der Haushalt war, blieb etwas im Ungewissen. Ein Polizeibeamter hatte als Zeuge ausgesagt, dass das Haus sehr unaufgeräumt – „fast wie bei Messies“ – gewesen sei. Torsten H. dagegen sagte, es sei meist ordentlich gewesen. Offenkundig war aber Putzen und Aufräumen ein Thema zwischen ihm und seiner Ehefrau.
Wie sie denn die regelmäßigen Prüfungen und Besuche durch das Jugendamt überstanden hätten, wenn die Pflegemutter bis mittags im Bett lag, wollte Thomas Trapp wissen. Torsten H. berichtete, die Termine seien immer angekündigt gewesen, und seine Frau habe die Kinder, vor allem auch Leila, vorher regelrecht gebrieft, was sie dem Mann vom Jugendamt erzählen sollten.
An kinderpornografischen Darstellungen sei er nicht interessiert, versicherte der Angeklagte. Bei den im Haus sichergestellten DVDs hatte sich zwar pornografisches Material gefunden, aber ohne Bezug zu Kindern.

DNA an relevanten Gegenständen gefunden

Die Anklage stützt sich in erster Linie auf die Aussagen von Leila, aber es sind auch etliche Gegenstände sichergestellt worden, die bei den schweren Missbrauchstaten eine Rolle gespielt haben sollen. An etlichen dieser Gegenstände – Seile zur Fesselung, ein Knebel und anderes – wurde DNA-Material gefunden und analysiert. Es handelte sich um Spuren des Angeklagten, des Opfers und auch weiterer Personen, die aber nur zum Teil zuzuordnen waren.

Verteidiger zweifelt Glaubwürdigkeit an

Bevor die Plädoyers gehalten wurden, versuchte Verteidiger Klaus Söbke, mit einem neuen Beweisantrag ein weiteres Glaubwürdigkeitsgutachten für Leila zu erzwingen. Die psychologische Gutachterin Mia Lange hat nach Ansicht des Anwalts nicht ausreichend herausgearbeitet, warum gewisse Widersprüche in der Aussage des Kindes dessen Glaubwürdigkeit nicht erschüttern. Nach einstündiger Beratung lehnte das Gericht diesen Beweisantrag ab.
Am Dienstag, 22, September, wird um 14 Uhr das Urteil erwartet.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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