„Freunden” lag nur am „Shit”

Keine Gewinne erzielt – Bewährung für Haschisch-Händler

Siegen. Regelmäßig hatte er das in vielen Kreisen begehrte Hanf-Harz verkauft. Wöchentlich kaufte er zwischen 100 und 500 Gramm Haschisch und „vertickte” es ohne großen Gewinn weiter. Was der 23-jährige Elektroniker kürzlich vor dem Schöffengericht berichtete, müsste er eigentlich während der nächsten Kreis-Suchtwoche in allen Schulen erzählen: Wie rasend schnell der Weg in die Gewöhnung an den Shit und damit auch in die Drogenkriminalität führt. Ganze 30 Mal hatte er laut Anklage der Staatsanwältin Monika Edel mit dem Hanfprodukt Handel getrieben, als er im Februar aufflog.

„Wie fing es mit den Betäubungsmitteln an?” wollte Richterin Rosmarie Klier als Vorsitzende des Schöffengerichts wissen. Er habe Cannabis noch in der Schulzeit kennen gelernt und irgendwann beim Joint zugegriffen, erinnerte sich der 23-Jährige. Aus dem „Ab und zu” sei ein kontinuierlicher Konsum geworden: Erst ein Gramm im Monat, dann eins pro Woche, schließlich drei bis vier Gramm am Tag. Anfang vorigen Jahres habe er dann selbst begonnen zu verkaufen, zunächst zehn Gramm an einen Freund. Andere „Freunde” hätten bald nach größeren Mengen gefragt, „und dann steigerte sich das ganz schnell”.

Bei der Polizei hatte er ausgesagt, die Qualität der bezogenen Ware habe er durch „Selbstversuch” beurteilt. Er habe kein Interesse am Gewinn gehabt, allerdings habe er einen hohen Eigenbedarf zu decken gehabt. „Ich habe gemerkt, „wie viele ,Freunde’ man plötzlich hat”, bemerkte er sarkastisch. „Es war schön, geachtet zu werden.” Ob ihm nie klar geworden sei, dass der einmalige Handel mit 500 Gramm Betäubungsmitteln schon mit einer Mindeststrafe von einem Jahr belegt sei, wollte Klier wissen. „Ich habe es verdrängt”, gab der Angeklagte zu, „ich wollte es nicht wahrhaben.”

Mittlerweile habe er diese Zeit hinter sich gelassen. Das Ergebnis eines Drogenscreenings zeigte dem Gericht, dass die Abkehr von „Dope & Co” nicht nur ein Lippenbekenntnis war. Dies rechnete ihm die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer denn auch positiv an, ebenso sein Bemühen, ein geordnetes Leben zu führen. Aber die Vielzahl der Fälle mache eine Freiheitsstrafe von drei Jahren unumgänglich, forderte sie. Das sah Verteidigerin Katharina Batz völlig anders. Sie befand eine Bewährungsstrafe für ausreichend. Ihr Mandant habe sich nicht bereichert, sondern nur seinen erheblichen Eigenkonsum finanziert. Zudem habe es sich bei den Geschäften um weiche Drogen gehandelt. „Ich habe gelernt, dass mir das das ganze Leben versaut”, meinte der 23-Jährige zum Schluss.

„Zwei Jahre auf Bewährung” wegen Drogenhandels in 30 Fällen lautete das Urteil. 200 Stunden gemeinnützige Arbeit warten auf ihn. Das Gericht nahm minderschwere Fälle an, da der Angeklagte selbst abhängig gewesen sei. Zudem habe er „den Gewinn verraucht” und mit seinen Geschäften ein Minus von etwa 2000 DM gemacht, rechnete Klier vor. Der 23-Jährige habe bewiesen, dass er sich gefangen habe und nun drogenfrei lebe. Aber „der Antrag von drei Jahren war auch gerechtfertigt”, warnte die Richterin den Angeklagten vor „Eskapaden”.

pebe

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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