Frieden in Zeiten des Kriegs

Philharmonie wartete mit Entdeckungen auf: Komponist Takemitsu und Solist Trusler

ciu Siegen. Innere und äußere Kämpfe, das Ringen mit dem Tod und um den Frieden, die Frage nach Freiheit und nach Idealen, für die es sich zu streiten lohnt – all das (und manch anderes zweifellos mehr) bestimmte das Sinfoniekonzert, das die Philharmonie Südwestfalen am Donnerstagabend gab, inhaltlich und musikalisch. Gespielt wurden Werke von Takemitsu, Britten und Beethoven; die Leitung hatte Chefdirigent Russell N. Harris, der dafür verantwortlich zeichnete, dass die Philharmonie wieder auf diesem durchweg hohen Niveau musizierte. Stimmungsvoll, aussagekräftig, stark.

Das Programm begann mit dem keine zehn Minuten dauernden Requiem für Streichorchester des japanischen Komponisten Toro Takemitsu (1930-1996), das der 1957 in Zeiten schwerer Krankheit schrieb. Transzendenz scheint durch diese lichten, meditativen Klänge; stets tritt das Unerwartete ein; es gilt Spannung(en) auszuhalten. Eine Entdeckung!

Mit Benjamin Brittens (1913-1976) Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 15 (1939/1958) stellte sich der junge Geiger Matthew Trusler vor. In jenem Jahr in London geboren, in dem Britten starb. Trusler gilt längst weit mehr als ein aufgehender Stern am Künstlerhimmel. Er glänzte auch in Siegen mit seinem so intensiven Spiel, das seinem Instrument einen wunderbar singenden Klang entlockt, das die Violine toben, klagen, aber auch schmeicheln, kurz: leben lässt. Das Stück beginnt »Moderato con moto« und entfaltet einen ruhigen Tanz auf dem Vulkan. Dumpfe Paukenschläge dämpfen das Elegische der Geigen-Idylle. Die Welt droht aus den Fugen zu geraten. Heute vielleicht viel mehr noch als damals, 1939, als sie vor einem verheerenden Krieg stand. Jemand habe hier »seine Angst vor dem Krieg in Töne gefasst«, schreibt Bettina Landgraf in ihrer Einführung zu Brittens Konzert. Eine Angst, die unabhängig von Jahr und Jahrhundert ist. Das »Vivace« treibt das Stück vorwärts. Aufwühlend, wüst, wütend. Versöhnlich dann der Schluss: Fast schwermütige Trauer, aber auch hoffnungsvolles Flehen liegt über der Solokadenz, die Musik kommt zur Ruhe. Es scheint, als könne der Mensch seinen Frieden finden. Unabhängig von dem, was um ihn her geschieht.

Spricht nicht letztlich auch Ludwig van Beethovens (1770-1827) Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 »Eroica«, 1803/04 entstanden, von der Verantwortung des Einzelnen in eben seiner Welt? (Die ja Beethoven im Grunde mit seiner Umwidmung des Stücks – von Napoleon zu Fürst Lobkowitz – selbst in diesem symbolisch-wirkungsvollen Akt übernommen hat.) Die Philharmonie gab der Sinfonie diesen völlig neuartigen, vehement emotionalen, pathetisch beschwörenden Ausdruck, die mit der alten, überkommenen Ästhetik bricht, wie Attila Csampai es formuliert hat.

Im Kopfsatz sehr gerade heraus, klar, das Heroische beinahe leicht gemacht; im zweiten Satz mit festlicher Getragenheit und strahlenden Momenten. Sowohl dem »Scherzo« als auch dem »Finale« verliehen die Bläser auffallenden Glanz, setzten sich ab und an gar spektakulär in Szene. Was das Zuhören zum Vergnügen machte. Das Publikum war begeistert. Und lohnte »sein« Orchester mit lang anhaltendem Beifall.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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