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"Keine Alternative gesehen“
Friseurin schneidet trotz hoher Strafen „schwarz“

Friseure dürfen aktuell nicht öffnen. Trotz Ahndung mit hoher Geldstrafe gehen manche Friseure wie Anne S. das Risiko ein. Warum, erzählt sie im SZ-Gespräch.
  • Friseure dürfen aktuell nicht öffnen. Trotz Ahndung mit hoher Geldstrafe gehen manche Friseure wie Anne S. das Risiko ein. Warum, erzählt sie im SZ-Gespräch.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sabe Siegen. Schließung, Schuldenberg, süße Angebote. Anne S. (Name von der Redaktion geändert) hat sich vor einigen Jahren einen Herzenswunsch in ihrer Heimatstadt erfüllt. Einen kleinen Friseursalon mit mittlerweile großem Kundenstamm. Es lief nicht schlecht, dann kam Corona. Seit dem zweiten Lockdown schneidet die Siegenerin jetzt „schwarz“ im Keller.
Vor der Pandemie, sagt sie, sei alles „irgendwie gut gewesen.“ Spitzenschneiden und Strähnchen setzen im Akkord, das habe ihr nichts gemacht. „Ich liebe das ja, wenn viel los ist.“ Für ihr persönliches Glück, den eigenen Salon, hat Anne S. Schulden gemacht. „Aber das war okay, ich konnte nach und nach abbezahlen.“ Mit dem Virus kommt die Pechsträhne. Sie hat kaum Rücklagen. „Wovon auch?“, fragt die Alleinerziehende.

sabe Siegen. Schließung, Schuldenberg, süße Angebote. Anne S. (Name von der Redaktion geändert) hat sich vor einigen Jahren einen Herzenswunsch in ihrer Heimatstadt erfüllt. Einen kleinen Friseursalon mit mittlerweile großem Kundenstamm. Es lief nicht schlecht, dann kam Corona. Seit dem zweiten Lockdown schneidet die Siegenerin jetzt „schwarz“ im Keller.
Vor der Pandemie, sagt sie, sei alles „irgendwie gut gewesen.“ Spitzenschneiden und Strähnchen setzen im Akkord, das habe ihr nichts gemacht. „Ich liebe das ja, wenn viel los ist.“ Für ihr persönliches Glück, den eigenen Salon, hat Anne S. Schulden gemacht. „Aber das war okay, ich konnte nach und nach abbezahlen.“ Mit dem Virus kommt die Pechsträhne. Sie hat kaum Rücklagen. „Wovon auch?“, fragt die Alleinerziehende. Die Hälfte vom Gehalt geht für die Miete drauf. Die Kinder wollen was im Kühlschrank haben...“

Soforthilfen „ein Tropfen auf den heißen Stein“

Corona multipliziert die schwierige finanzielle Lage. Die Soforthilfen im März – „ein Tropfen auf den heißen Stein“ Das jetzt, im zweiten harten Lockdown, für die Friseure noch keine weiteren Hilfsmaßnahmen anvisiert seien, das mache sie einfach nur wütend. „Es werden Geschäfte geschlossen, aber Hilfe wird kaum angeboten.“ Sie stehe vor einem Scherbenhaufen. Geschäftlich und privat, sagt sie mit belegter Stimme durchs Telefon. An manchen Tagen wisse sie nicht mal, wofür sie aufstehe.
An einem Morgen, als es wieder besonders schlimm gewesen sei, habe ein Kunde angerufen. „Mittlerweile eher ein Freund.“ Er habe gefragt, ob sie Lust auf einen Kaffee hätte. „Und dann könnte sie ja eben auch Haare schneiden.“ Würde doch schnell gehen, habe er gesagt. Und sicher könne man doch auch ein bisschen was draufpacken, auf die 14,50 Euro, die Anne S. sonst für einen Herrenhaarschnitt verlangt. „Bleibt auch unter uns“, habe er ihr dann versichert.
Als der Kunde ihr das dreifache bot, fing Anne S. an Kaffee zu kochen. Einmal, zweimal, dreimal. Je länger der Lockdown, umso öfter seien die „Kaffee-Klatsch-Anfragen“ gekommen. „Ich kriege zum Teil Angebote im dreistelligen Bereich fürs Ansatzfärben.“

„Das ist eine Notlösung“

Aus Mal-eben-unter-der-Hand wird langsam ein System. Nach und nach rutscht sie tiefer rein. Die finanzielle Verzweiflung sagt sie, sei schuld daran. Dass sie damit illegal handelt, hohe Summen an Geldstrafe in Kauf nimmt, versuche sie von sich wegzuschieben
Sie denke in Wochenendeinkäufen, nicht in Strafverfahren. „Ist es so unmoralisch, dass ich meine Kinder ernähren will?“ Trotzdem: „Manchmal bin ich ganz paranoid. Schaue dreimal, ob jetzt gerade auch niemand schaut, wenn ich jemanden reinlasse.“
Natürlich schlage ihr „die Sache“ aufs Gemüt. Sie denke schon darüber nach, was wäre, wenn sie jemand auffliegen ließe. Was wäre, wenn sich jemand infiziert – obwohl sie auch zu Hause auf strenge Schutzmaßnahmen achtet? Aber: „Viel schlimmer als jetzt, kann’s fast nicht werden.“ Also fängt sie an, „die paar Termine“, die sie hat, in die Abendstunden zu legen. „Wenn’s dunkel ist fühl’ ich mich sicherer“, sagt sie und schiebt hinterher: „Es sind ja auch nur eine Handvoll. Braucht man keinen Terminkalender für. Ich kenne auch fast alle gut.“
Für Schwarzarbeit, sagt sie abschließend, sei sie eigentlich gar kein Typ, viel zu sensibel. „Das ist eine Notlösung“, sagt sie, „und das wird es bleiben. Bis der Lockdown vorüber ist...“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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