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Gericht bestellt Berufsbetreuerin
Fritz Stephan will seine demenzkranke Frau pflegen

Fritz Stephan will mit allen Mitteln erreichen, das er ein Mitspracherecht zur Bestellung einer zusätzlichen Betreuerin für seine Frau erhält.
  • Fritz Stephan will mit allen Mitteln erreichen, das er ein Mitspracherecht zur Bestellung einer zusätzlichen Betreuerin für seine Frau erhält.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

kalle Meiswinkel. Fritz Stephan sitzt in seinem schicken Einfamilienhaus in Meiswinkel. Vor ihm auf dem Tisch ein dicker Leitzordner. Ordentlich sortiert präsentiert der ehemalige Unternehmer den aktuellen Schriftverkehr mit Gerichten und Anwälten. Es geht um die Betreuung seiner Frau, die man ihm von Gerichts wegen vor einigen Wochen komplett aus den Händen genommen hat.
Im Wohnzimmer ist die Haushaltshilfe gerade dabei, die Blumen zu gießen. Alles glänzt, alles ist aufgeräumt, der Zustand des Hauses ist „wie geleckt“. Fritz Stephan ist 88 Jahre alt. Kein Alter, wenn man sich daran erinnert, dass etwa Konrad Adenauer noch bis zum 87. Lebensjahr als Bundeskanzler die Geschicke der damals jungen Republik führte.

kalle Meiswinkel. Fritz Stephan sitzt in seinem schicken Einfamilienhaus in Meiswinkel. Vor ihm auf dem Tisch ein dicker Leitzordner. Ordentlich sortiert präsentiert der ehemalige Unternehmer den aktuellen Schriftverkehr mit Gerichten und Anwälten. Es geht um die Betreuung seiner Frau, die man ihm von Gerichts wegen vor einigen Wochen komplett aus den Händen genommen hat.
Im Wohnzimmer ist die Haushaltshilfe gerade dabei, die Blumen zu gießen. Alles glänzt, alles ist aufgeräumt, der Zustand des Hauses ist „wie geleckt“. Fritz Stephan ist 88 Jahre alt. Kein Alter, wenn man sich daran erinnert, dass etwa Konrad Adenauer noch bis zum 87. Lebensjahr als Bundeskanzler die Geschicke der damals jungen Republik führte. Doch das Familiengericht Siegen hält Fritz Stephan nicht mehr für fähig, allein die Betreuung seiner Frau zu erledigen. Ohne mit ihm Rücksprache gehalten zu haben, wurde eine Berufsbetreuerin mit ins Boot und damit in Haus und Leben geholt.

Fritz Stephan will seine demenzkranke Frau weiterhin pflegen

Das lässt sich Fritz Stephan nicht gefallen. Er schaltete einen Rechtsbeistand ein. Die juristische Auseinandersetzung ist angelaufen. „Ich werde dafür kämpfen, das Versprechen, was ich meiner Frau gegeben habe – mich bis zum letzten Atemzug um sie zu kümmern –, einzuhalten.
Es war die große Liebe. Nach dem Verkauf seines Unternehmens machte sich das Paar auf die Reise. Indien, Australien. Überall schnupperten die Stephans den Duft der großen weiten Welt.
Sie kam schleichend, die Demenz, die seiner Frau den Kopf verwirrte. Indem die „Drähte“ einfach nicht mehr zusammen finden. Die Krankheit kam ohne Anmeldung. Zuerst vergaß sie Termine, dann packte sie ihre Nähmaschine und verließ nachts das Wohnhaus. Auch die Polizei war bereits zweimal zu Gast, wenn sie sich eingesperrt fühlte.
Derzeit liegt sie im Krankenhaus. Fritz Stephan: „Die Ärzte haben gute Arbeit geleistet, manchmal ist sie wirklich wieder ganz klar“. Stephan hat bereits vor 14 Tagen ein Pflegebett organisiert. Doch ob seine Frau sich darin niederlegen kann, hat er nicht mehr zu entscheiden. Jetzt befindet eine fremde Frau über das weitere Vorgehen. Dies will sich der ehemalige Unternehmer nicht bieten lassen. „Wir haben uns in die Hand versprochen gegenseitig für einander da zu sein bis zur letzten Stunde“.

Gericht bestellt Berufsbetreuerin

Der Senior bekam im Dezember 2019 die Bestellung vom Gericht. Er war für den kompletten Aufgabenkreis, wie Vertretung bei Behörden, Aufenthaltsbestimmung und Gesundheitsfürsorge, zuständig. Noch im Februar dieses Jahres schrieb die Betreuungsbehörde der Stadt Siegen unter anderem an das Amtsgericht. „Es gibt keine Voraussetzung für die Anordnung eines Ergänzungsbetreuers gegen den Willen des Ehemanns!“ Ausrufungszeichen. Doch vor einigen Wochen traf das Schreiben ein, das den 88-jährigen völlig aus der Fassung gebracht hat. Eine bislang unbekannte Person sollte jetzt all die Dinge regeln und entscheiden, die ihm oblagen.
Das will Fritz Stephan nicht ohne weiteres hinnehmen. Dabei ist der 88-Jährige nicht derart uneinsichtig, die Betreuung seiner Frau aufzuteilen. Also hat er sich selbst auf die Suche gemacht. Seine Nichte, seit vielen Jahren Krankenschwester, hat ihm die Zusage gegeben, die Betreuung zum Teil mit zu übernehmen. „Damit kann ich leben“, sagt Fritz Stephan.
Doch gegen eine fremde Berufsbetreuerin will er sich weiterhin mit Händen und Füßen und allen erdenklichen juristischen Mitteln zur Wehr setzen. Seine große Hoffnung ist die Bewertung durch einen Richter oder Richterin des Landgerichts. Dort liegen die Unterlagen aktuell. „Ich will bei meiner Frau bleiben bis zum Ende. Eine Einweisung in ein Pflegeheim kommt für mich nicht infrage, das bin ich ihr schuldig!“

Autor:

Karl-Hermann Schlabach (Redakteur) aus Siegen

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