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Alle Jahre wieder
Frösche und Kröten wieder auf Wanderschaft

Eine prächtige Kröte hat sich auf die Wanderschaft zu ihrem Geburtsgewässer begeben.
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  • Eine prächtige Kröte hat sich auf die Wanderschaft zu ihrem Geburtsgewässer begeben.
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goeb Siegen. Dieses Doppelleben, das die Tiere führen – faszinierend! Ob auf dem Land oder im Wasser: Amphibien kommen mit beiden Elementen zurecht und können weder auf das eine noch auf das andere verzichten. Für ihre Kinderstube benötigen sie das Wasser in jedem Fall. Wie sie ihre Geburtsgewässer oft über viele Kilometer hinweg wiederfinden, das ist bis heute wissenschaftlich nicht ganz geklärt.
Kleinere Straßen werden Nachts für den Verkehr gesperrt
Auch das "Timing", das die Amphibien dabei zeigen, reizt die Forschung. Schließlich müssen sich paarungswillige Männchen und Weibchen zur gleichen Zeit am Laichgewässer einfinden, um für Nachkommenschaft zu sorgen. Ist die Witterung günstig, ziehen überall in Deutschland die Kröten los. Je nach Region können jede Nacht bis zu 10.

goeb Siegen. Dieses Doppelleben, das die Tiere führen – faszinierend! Ob auf dem Land oder im Wasser: Amphibien kommen mit beiden Elementen zurecht und können weder auf das eine noch auf das andere verzichten. Für ihre Kinderstube benötigen sie das Wasser in jedem Fall. Wie sie ihre Geburtsgewässer oft über viele Kilometer hinweg wiederfinden, das ist bis heute wissenschaftlich nicht ganz geklärt.

Kleinere Straßen werden Nachts für den Verkehr gesperrt

Auch das "Timing", das die Amphibien dabei zeigen, reizt die Forschung. Schließlich müssen sich paarungswillige Männchen und Weibchen zur gleichen Zeit am Laichgewässer einfinden, um für Nachkommenschaft zu sorgen. Ist die Witterung günstig, ziehen überall in Deutschland die Kröten los. Je nach Region können jede Nacht bis zu 10.000 Amphibien unterwegs sein. Auch im Kreis Siegen-Wittgenstein werden daher jetzt wieder die Krötenzäune aufgestellt, kleinere Straßen, wie zwischen Richstein und und Bracht in Wittgenstein, werden nachts sogar für den Verkehr abgesperrt.

Krötenzaun auf 600 Meter Länge

"Den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist gar nicht so einfach", berichtet Kerstin Stähler vom Naturschutzbund (Nabu Siegen-Wittgenstein) über die Aktionen. Sie und ihr Mann Thomas koordinieren in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und vielen Helfern den Transport der Amphibien über die gefährliche Hauptverkehrsstraße in Lindenberg bei Freudenberg. Dort steht auf 600 Meter Länge ein Krötenzaun, an dem die Molche, Frösche und Kröten mit mineralischer Geduld im Schutze der Nacht entlang schleichen, ehe sie in einen der für sie eingegrabenen Eimer plumpsen. Jetzt müssen sie bald von den Naturschützern gefunden und auf die andere Straßenseite bugsiert werden.

Anfang April ist der Höhepunkt der Wanderung

Ganz schön anstrengend sei das, sagt Frau Stähler aus Erfahrung, denn die Amphibien sind Nachtwanderer. Die Einsätze laufen am späten Abend und am frühen Morgen ab, wenn es noch dunkel ist. "Das führt bei Menschen, die sich damit nicht so gut auskennen, des öfteren zu Missverständnissen", berichtet sie weiter. "Die kommen tagsüber vorbei und blicken in leere Eimer", schmunzelt sie. "Dann haben wir unsere Arbeit natürlich längst getan." Es machten dann schnell Behauptungen die Runde, es gebe an dieser oder jener Stelle ja gar keine Amphibien. Das stimmt natürlich nicht.

Die Molche werden auf der gegenüberliegenden Straßenseite freigelassen, nachdem Naturschützer sie drüben aufgelesen hatten.
  • Die Molche werden auf der gegenüberliegenden Straßenseite freigelassen, nachdem Naturschützer sie drüben aufgelesen hatten.
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8 Grad Celsius und leichter Regen, das reicht als Signal aus und die Amphibien werden in ihren Winterquartieren rege und laufen los. Normalerweise erreicht die Krötenwanderung Anfang April ihren Höhepunkt. Aber was ist heute noch normal? 2021 beispielsweise kam der Winter im April (und Mai) mit Kälte zurück und stoppte die Wanderung jäh. Doch meist ist es genau andersrum: "Uns erreichen in den letzten Jahren erstaunliche Nachrichten vor allem aus milderen Regionen im Süden", erzählt die Naturschützerin. "Es hat dort schon Jahre gegeben, in denen die Amphibien im Januar und sogar bereits im Dezember ihre Wanderung angetreten haben."

Grasfrösche und Teichmolche machen sich zeitig auf den Weg

Das ist – einzeln betrachtet – gewiss der Witterung geschuldet. Zählt man die immer häufigeren Ereignisse aber zusammen, deutet es bereits auf ein Phänomen des Klimawandels hin, so glauben auch die Naturschützer. Das mache es auch immer schwieriger, berichtet Kerstin Stähler, den richtigen Zeitpunkt zu finden für das Aufstellen des Zauns. In Lindenberg hat man sich dazu am Donnerstag entschlossen.

Dort lassen sich die Frösche und Kröten etwas mehr Zeit. "Es liegt auch daran, dass wir hier einen Nordhang haben. An Südhängen kann es zwei Wochen früher losgehen." Auch gibt es wohl innerartliche Unterschiede. Ältere Weibchen, liest man zuweilen, warten häufig noch ab, ob es noch einmal kalt wird. Junge, unerfahrene Männchen dagegen sind als erste am Gewässer. Zu den Arten, die sich zeitig auf den Weg machen, zählen Grasfrösche und Teichmolche. Später verbreitert sich das Artenspektrum.

Hohe Geschwindigkeiten gefährden die Amphibien

Leider werden jedes Jahr viele Tiere auf unseren Straßen getötet, bedauert der Nabu, denn nicht überall gibt es Krötenzäune und vor allem genügend freiwillige Helfer. "Wir teilen deshalb die Leute so ein, dass jeder nur ein- oder zweimal in der Woche Dienst hat", schildert Kerstin Stähler.

Der Nabu bittet darum Autofahrer, auf Amphibienwanderstrecken höchstens 30 Stundenkilometer zu fahren. Das könnte vielen Tieren das Leben retten. Denn sie sterben nicht nur durch Überfahren, sondern auch, wenn Fahrzeuge sehr schnell unterwegs sind, sagt Eva Lisges von der Nabu-Geschäftsstelle in Hilchenbach. „Große Geschwindigkeit erzeugt Luftverwirbelungen, die die empfindlichen Amphibien verletzen oder gar töten können." Deren innere Organe können platzen oder nach außen gestülpt werden. Die Tiere verenden qualvoll.

Während in Lindenberg ein Krötenzaun aufgestellt ist, wird das Sträßchen zwischen Richstein und Bracht von einer Handvoll Ehrenamtlicher mit Zustimmung der Behörde auf einem Abschnitt nachts ganz gesperrt. "Da gibt es leider immer noch Autofahrer, die räumen die Baken beiseite und fahren mitten durch die Wanderung", sagt sie entrüstet und verärgert. "Da sträuben sich mir die Nackenhaare."

Eine prächtige Kröte hat sich auf die Wanderschaft zu ihrem Geburtsgewässer begeben.
Die Molche werden auf der gegenüberliegenden Straßenseite freigelassen, nachdem Naturschützer sie drüben aufgelesen hatten.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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