Frühlings blaues Band

Die Sopranistin Christine Johnson und Pianist Peter Scholl gestalteten einen Liederabend. Foto: sib

sib Weidenau. „Frühling lässt sein blaues Band …“ lautete der verheißungsvolle Titel eines Liederabends im Hermann-Reuter-Haus. Die aus den USA stammende Sopranistin Christine Johnson und der aus Neunkirchen stammende Kirchenmusik-Student Peter Scholl als Pianist gestalteten die Soiree, für deren Vorbereitung beide gerade einmal eine Woche Zeit hatten. Die Idee zu dem Abend stammte von KMD Ulrich Stötzel, dem Leiter des Bach-Chores Siegen.

Kennengelernt haben sich Johnson und Scholl bei einem Vorsingen, das die Sopranistin beim Bach-Chor im Dezember letzten Jahres hatte. Scholl, der in Frankfurt Kirchenmusik studiert, war zum Korrepetieren dabei. Christine Johnson ist seit Oktober 2009 in Deutschland. Sie begleitet ihre Lebensgefährtin, die als Stipendiatin gerade ihre Doktorarbeit an der Uni Siegen macht. Sie stammt aus St. Louis/Missouri, wo sie Gesang studiert hat. Auch Schauspielerei und Comedy gehören zu den Stationen ihrer Laufbahn. Ihre musikalische Präferenz zielt auf die Musik des Barock und der Renaissance. Sie arbeitete mit dem Kingsbury Ensemble und dem Collegium Vocale in ihrer Heimat zusammen. Die 35-jährige ist zum ersten Mal in Deutschland und lernte nicht nur die Sprache, sondern viel über Bach. An der deutschen Sprache, in der der Liederabend im ganz überwiegenden Teil gehalten war, schätzt sie deren freundlichen und schönen Klang. Darin hat sie einen weiteren Weg gefunden, über die Musik Gefühle und Gedanken zu transportieren.

Beim Konzert im Hermann-Reuter-Haus wäre man als Zuhörer nie auf die Idee gekommen, dass die Sängerin erst vor so kurzer Zeit begonnen hat, die deutsche Sprache zu erlernen. Punktgenau waren ihre Einsätze, präzise die Artikulation, und ein Akzent war kaum zu hören. Ihr weicher, runder Sopran voller Spannkraft und Zartheit wurde optimal unterstützt durch das einfühlsame Klavierspiel von Peter Scholl. Lieder von Johannes Brahms rund um Schönheit, Lebenslust und tiefe Gefühle erklangen zum Auftakt.

Es folgte ein Robert-Schumann-Block, Vertonungen der Gedichte von Königin Maria Stuart, geschrieben in ihrer Gefangenschaft kurz vor ihrer Hinrichtung. Diese Spätwerke Schumanns bestachen durch eine für ihn eher ungewohnte Schlichtheit, waren aber voller emotionaler Tiefe. Ins „Elfenlied“ von Hugo Wolf zu Texten aus dem Mörike-Liederbuch flocht Christine Johnson zur großen Überraschungen des Publikums sogar eine Passage auf Siegerländer Platt ein. Diese war die mit Abstand heiterste der vier Mörike-Vertonungen. Ganz modern gab sich das Duo Johnson/Scholl zum Ende des Programms hin, als ein smooth-jazziges „Speak Low“ aus dem Musical „One Touch Of Venus“ zu hören war, wie geschaffen für Christine Johnsons sanfte Stimme. Noch einmal Gelegenheit, Christine Johnson live singen zu hören, besteht am kommenden Samstag beim Konzert des Bach-Chores im Apollo-Theater.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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