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Schwalben gehören in die Dörfer
Frühlingsboten werden weniger

In diesen Wochen kehren die Mehlschwalben aus den Winterquartieren südlich der Sahara zurück.
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  • In diesen Wochen kehren die Mehlschwalben aus den Winterquartieren südlich der Sahara zurück.
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goeb Siegen. Neben der Rauchschwalbe gehört auch die Mehlschwalbe zu den häufigsten Schwalbenarten. Mit etwa 700 000 Brutpaaren sowohl bei der Rauch- als auch bei der Mehlschwalbe gibt es allerdings nur noch halb so viele Vögel in Deutschland wie vor 30 Jahren. Beide Schwalbenarten stehen in der Vorwarnkategorie der Roten Liste.

Die Vögel sind als sog. Kulturfolger an menschliche Behausungen gebunden. Früher gab es sie im Siegerland in jedem Dorf. Dort profitierten sie von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Weil Brutmöglichkeiten nicht mehr überall vorhanden sind, weichen Schwalben mitunter aus.
Jürgen Sartor, Mit-Autor des Werkes „Die Vögel des Siegerlandes“, schreibt in dem beim Verlag Vorländer gedruckten und jetzt in der 3.

goeb Siegen. Neben der Rauchschwalbe gehört auch die Mehlschwalbe zu den häufigsten Schwalbenarten. Mit etwa 700 000 Brutpaaren sowohl bei der Rauch- als auch bei der Mehlschwalbe gibt es allerdings nur noch halb so viele Vögel in Deutschland wie vor 30 Jahren. Beide Schwalbenarten stehen in der Vorwarnkategorie der Roten Liste.

Die Vögel sind als sog. Kulturfolger an menschliche Behausungen gebunden. Früher gab es sie im Siegerland in jedem Dorf. Dort profitierten sie von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Weil Brutmöglichkeiten nicht mehr überall vorhanden sind, weichen Schwalben mitunter aus.
Jürgen Sartor, Mit-Autor des Werkes „Die Vögel des Siegerlandes“, schreibt in dem beim Verlag Vorländer gedruckten und jetzt in der 3. Auflage erscheinenden Werk, dass Rauchschwalben zum Beispiel die Hangars auf dem Siegerland-Flughafen für sich entdeckt haben oder auf Fabrikgebäude und Garagen ausweichen.

Schwälbchen kehren aus Winterquartieren zurück

In diesen Wochen kehren die Schwälbchen aus den Winterquartieren südlich der Sahara zurück. Ein Anruf bei Bio-Landwirt Kurt Ohrndorf aus Langenholdinghausen (Hof Heckseifen) Mitte April ergab allerdings, dass die frühen Zieher es dieses Jahr schlecht angetroffen haben. „Die Kälte hat ihnen sehr zugesetzt“, sagte Ohrndorf, dessen Hof der Nabu mit dem Prädikat „schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet hat. „Wir hatten Ende März eine einzige Schwalbe hier. Dann wurde es sehr kalt, und das arme Tier hat natürlich kaum Insekten gefunden.“

Inzwischen ist die Schwalbe nicht mehr allein, und auch zu fressen finden die Vögel wieder. Insgesamt spüren die Tiere aber schon den Rückgang der Insekten. Sartor ist immerhin zuversichtlich, was die Quartiersuche betrifft. „Es ist sehr erfreulich, dass die Schwalben in der Regel in den Stallungen nicht nur geduldet, sondern sogar gerne gesehen werden. Das verdient Anerkennung!“

Auch Klimakrise setzt Tieren arg zu

Die weißbäuchige Mehlschwalbe ist stärker auf dem Rückzug als ihre Cousine, es gibt leider schon viele mehlschwalbenfreie Dörfer (Alchen, Gosenbach, Hohenhain, Osthelden u. v. a. m.), wo sie einst munter zwitscherte. Auch hier liegen die Gründe im Rückgang der Fluginsekten, in der Intensivierung der Landwirtschaft und in der Veränderung der Lebensräume. Schwalben benötigen beispielsweise den Lehm aus Pfützen für den Nestbau. Viele Wirtschaftswege sind heute asphaltiert. Auch die Klimakrise setzt den Tieren arg zu. Zu Trockenheit im Winterquartier und Extremwetterereignissen auf dem Zugweg gesellen sich neuerdings die Hitzesommer bei uns. Nach SZ-Informationen haben es im Sommer 2020 sehr viele Zweitbruten im Sieger- und Sauerland wegen der Hitze und Trockenheit nicht geschafft.

Eine Lehmpfütze ist ein ideales „Materiallager“ für die Mehlschwalbe. Sie legt ihre Nester gern an rau verputzten Häusern an.
  • Eine Lehmpfütze ist ein ideales „Materiallager“ für die Mehlschwalbe. Sie legt ihre Nester gern an rau verputzten Häusern an.
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Hausbesitzer entfernen zudem oft aus Angst vor Verschmutzung die Nester der Mehlschwalben, die rauen Außenputz lieben. Sie brütet dort gerne in Kolonien. Das bringt jedoch Kot und Reste von Nistmaterial an Fassaden und auf dem Boden mit sich. „Viele Nester werden daher mutwillig zerstört, dabei würde ein einen halben Meter unterhalb der Nester angebrachtes Brett oder eine gelegentliche Säuberung bereits wirksam Abhilfe schaffen“, so Eric Neuling, Vogelschutzexperte vom Nabu.

"Möglichst viele Lager und Ställe sollten in der warmen Jahreshälfte
nicht komplett verschlossen sein."

Eric Neuling
Vogelschutzexperte Nabu

Rauchschwalben, die über ihre braunrote Färbung von Kehle und Stirn gut erkennbar sind, bevorzugen Balken oder Mauervorsprünge in Ställen, Scheunen oder Carports. „Möglichst viele Lager und Ställe sollten in der warmen Jahreshälfte nicht komplett verschlossen sein. Eine Einflugluke reicht Rauchschwalben bereits“, so Neuling weiter.

Gebäude mit vorhandenen und erhaltenen Nistplätzen für Schwalben werden wie der Hof Heckseifen vom Nabu als „schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet. Das ist auch ein Beitrag dazu, dass sich die Bestände beider Arten in den letzten zehn Jahren stabilisiert haben, wenn auch auf niedrigem Niveau.

In diesen Wochen kehren die Mehlschwalben aus den Winterquartieren südlich der Sahara zurück.
Eine Lehmpfütze ist ein ideales „Materiallager“ für die Mehlschwalbe. Sie legt ihre Nester gern an rau verputzten Häusern an.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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