Frust über die HLB wächst weiter

 Fahrgäste beklagen wiederholte Verspätungen und Zugausfälle der Hessischen Landesbahn. Archivfoto: Jan Schäfer
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sz/ja - Erst am Freitag bat die Hessische Landesbahn (HLB) in einer öffentlichen Stellungnahme ihre Fahrgäste um Entschuldigung. Grund dafür waren wiederholte Verspätungen und Zugausfälle der Bahnlinie RB 93 zwischen Siegen und Bad Berleburg. Tiefste Temperaturen und technische Störungen sollen, laut Aussage des Betriebs, immer wieder zu Schwierigkeiten im Bahnverkehr geführt haben. Schüler blieben morgens auf dem Weg zur Schule und nachmittags auf dem Heimweg mehrfach am Bahngleis stehen, aber auch alle anderen Fahrgäste hatten das Nachsehen. So erreichte aktuell ein drei Seiten langer Beschwerdebrief an die Hessische Landesbahn die Redaktion der Siegener Zeitung. Das Ziel der Verfasserin: „Das Drama ,HLB’ öffentlich machen“.

Darin schildert die verärgerte Bahnfahrerin ausführlich ihre persönlichen Erlebnisse der vergangenen Wochen an den Bahnsteigen zwischen ihrem Wohnort Hilchenbach und ihrem Arbeitsplatz in Aue: „Ich stand um 6.20 Uhr in Hilchenbach am Bahnhof und wartete (wie jeden Morgen) auf den Zug. Ich fahre gerne Zug. Ich komme gut mit allen Schaffnern aus. Ich kaufe mir jeden Monat ein Monatsticket für 132,10 Euro, um zur Arbeit zu kommen. In der Nacht hatte es geschneit. Der Zug kam nicht.“ Ihr Ziel jeden Morgen das gleiche: Aue. Dort arbeitet sie als Grundschullehrerin. Die regelmäßigen Verspätungen seien daher nicht nur ärgerlich für sie persönlich, sondern auch für ihre Schüler der ersten Klasse, die morgens regelmäßig auf sie warten mussten. Mehrfach sei für sie am Erndtebrücker Bahnhof Endstation gewesen. Die Begründung für das frühzeitige Ende der Fahrt: ein „technischer Schaden“. Der Ratschlag des Bahnpersonals lautete nach ihrer Schilderung unterdessen: „Kümmern Sie sich um ein Taxi. Die Kosten übernehmen wir.“ Anschließend hätten alle Fahrgäste gleichzeitig versucht, ein Taxiunternehmen zu erreichen. Leider ohne Erfolg und – nicht vorbereitet auf den Zugausfall – oftmals ohne das nötige Kleingeld in der Tasche.

Denn die Kosten für die Taxifahrt müssten jedes Mal vorgestreckt und eine Kostenrückerstattung erst im Nachhinein bei der Hessischen Landesbahn eingereicht werden. Schließlich sei sie von ihrer Chefin am Erndtebrücker Bahnhof mit dem Auto abgeholt worden. „Allerdings habe ich 30 Minuten vor dem Bahnhof gestanden und ich fror erbärmlich. Nach und nach wurden alle Schüler von ihren Eltern abgeholt und zur Schule gebracht“, formuliert die Grundschullehrerin das Geschehen weiter. Wenige Tage später wiederholte sich diese Szene. Grund des Zugausfalls war erneut ein „technischer Schaden“. Der Rat das Personals, wie die Kundin der Hessischen Landesbahn feststellen musste, war ebenfalls der gleiche: „Kümmern Sie sich um ein Taxi.“ Der Rückweg aus Aue nach Hilchenbach gestaltete sich am Mittag des Tages ähnlich. Verspätungen von 20 bis 40 Minuten oder auch der komplette Ausfall waren keine Seltenheit, schreibt sie in ihrem Brief an die Hessische Landesbahn. Zwei Tage später endete ihre Fahrt zur Arbeit erneut am Erndtebrücker Bahnhof.

Als sie sich beim Zugführer nach der Begründung für das vorzeitige Fahrtende erkundigte, wurde es laut Aussage der verärgerten Bahnfahrerin „ungemütlich“. Nachdem sie den Zugführer aufforderte, ihr ein Taxi zu bestellen und ihr das nötige Geld für die Fahrt nach Aue zu geben, heißt es in dem Schreiben weiter: „Er ließ auf sehr patzige Art und Weise verlautbaren, dass das nicht sein Problem sei und dass er jetzt auch kein Geld hätte und keine Möglichkeit mir ein Taxi zu bestellen.“ Auch HLB-Mitarbeiter berichteten in den vergangenen Wochen von ihren Erfahrungen: „Dass Fährgäste mir gegenüber sehr aggressiv sind, geht gar nicht. Auch wenn es extrem schwierig ist, so sollten sich die Fahrgäste unter Kontrolle haben.“ Die aktuelle Situation der Hessischen Landesbahn sorgt offenbar für Frust auf beiden Seiten. Verärgerte Fahrgäste, die verspätet oder gar nicht an ihr Ziel kommen, hilfloses Bahnpersonal, das den aufkommenden Unmut vor Ort abfangen muss. Die Pressestelle der Hessischen Landesbahn versicherte auf Anfrage der Siegener Zeitung, alle Beschwerden und Anfragen ihrer Kunden möglichst zeitnah zu beantworten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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