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Probleme mit dem Busverkehr
Fünf Siegener Schulen schlagen Alarm

Die Probleme mit der zeitgenauen Beförderung der Schüler sind nach Ansicht der fünf Schulen und der Siegener Politik vorhanden und müssen abgestellt werden. Die VWS <jleftright>wiederum sehen darin kein Chaos, die Vorwürfe seien überzogen.  Archivfoto: damo</jleftright>
  • Die Probleme mit der zeitgenauen Beförderung der Schüler sind nach Ansicht der fünf Schulen und der Siegener Politik vorhanden und müssen abgestellt werden. Die VWS <jleftright>wiederum sehen darin kein Chaos, die Vorwürfe seien überzogen. Archivfoto: damo</jleftright>
  • hochgeladen von Michael Roth (Redakteur)

sz/mir Siegen. Dass in Siegen der Busverkehr nur leidlich funktioniert, ist hinreichend bekannt. Ein sogenannter „Baustellen-Fahrplan“ sollte mit dem Start ins neue Schuljahr Abhilfe schaffen. Tut er aber offenbar nicht. Die Klagen betroffener Fahrgäste klingen drastisch. Jetzt kommt noch eine Komponente hinzu: Im Siegener Schulausschuss häuften sich in der letzten Sitzung die Beschwerden so massiv, dass alle Beteiligten einen offenen Brief/Leserbrief dazu verfasst haben.

Unterzeichnet haben das Schreiben als Vorsitzende Eva-Marie Bialowons-Sting, die Ausschussmitglieder von CDU, SPD, Grünen, FDP, UWG und Linken, außerdem als folgende Schulleiter: Bertha-von-Suttner-Gesamtschule (BvSG) Dr. Mario Vallana; Ev. Gymnasium Weidenau (Evau) Beate Brinkmann;

sz/mir Siegen. Dass in Siegen der Busverkehr nur leidlich funktioniert, ist hinreichend bekannt. Ein sogenannter „Baustellen-Fahrplan“ sollte mit dem Start ins neue Schuljahr Abhilfe schaffen. Tut er aber offenbar nicht. Die Klagen betroffener Fahrgäste klingen drastisch. Jetzt kommt noch eine Komponente hinzu: Im Siegener Schulausschuss häuften sich in der letzten Sitzung die Beschwerden so massiv, dass alle Beteiligten einen offenen Brief/Leserbrief dazu verfasst haben.

Unterzeichnet haben das Schreiben als Vorsitzende Eva-Marie Bialowons-Sting, die Ausschussmitglieder von CDU, SPD, Grünen, FDP, UWG und Linken, außerdem als folgende Schulleiter: Bertha-von-Suttner-Gesamtschule (BvSG) Dr. Mario Vallana; Ev. Gymnasium Weidenau (Evau) Beate Brinkmann; Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium (FJM) Rüdiger Käuser; Peter-Paul-Rubens-Gymnasium (PPR) Dieter Fischbach; Gymnasium Morgenröthe Sven Berghäuser.

„Es war Zeit genug, das Chaos zu beseitigen“, heißt es in dem Brief. „An den Schulen kommt es zu täglich wiederkehrenden, unhaltbaren Zuständen bei der Beförderung der Schüler.“

Die Reaktionen von fünf Schulen im Stadtgebiet zeigten beispielhaft die zentralen Punkte auf. Offensichtlich sei, dass die vorgehaltenen Buskapazitäten bei weitem nicht ausreichten. Busfahrer ließen Schüler an den Haltestellen stehen, weil die Busse voll seien. Das gehe wohl einher mit dem Personalproblem: zu wenige Fahrer.

Ev. Gymnasium: Das Evau beklagt, dass bisher eine unverzügliche Anreise der Kreuztaler Schüler mit Umstieg in Geisweid möglich war, jetzt müssten sie dort 20 Minuten am Busbahnhof warten. Auch die Schüler vom Giersberg klagten über gestrichene Verbindungen, der Gelenkbus sei durch einen normalen Bus ersetzt worden. Kinder aus Freudenberg blieben an den Haltestellen stehen.

Bertha-von-Suttner-Gesamtschule: Vom ZOB fahren die Busse morgens mit bis zu 15 Minuten Verspätung ab, beklagt die Schule, die Schüler kämen zu spät zur Schule. Busse der Linie R 17 seien so spät unterwegs, dass ein Umsteigen nicht möglich sei. Ergebnis: Die Schüler „laufen dann über 30 Minuten zur Schule“, heißt es in dem Brief.

Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium: Das FJM fasst zur Busproblematik zusammen, dass „Busfahrer vielfach orientierungslos sind, sie fragen Kinder nach dem Weg, fahren falsche Routen oder vergessen Haltestellen“. Busse führen öfter mit der Zielangabe „Betriebsfahrt“ herum, die Schüler könnten den Bus nicht zuordnen.

Gymnasium Morgenröthe: Zu den Fahrplanänderungen sei man in den Sommerferien vor vollendete Tatsachen gestellt worden, ohne dass es gezielte Informationen und Rücksprache im Vorfeld gegeben habe. Aktuell seien drei planmäßige Fahrten belegbar, die nicht stattgefunden hätten. Busfahrer hätten Kinder nicht mehr einsteigen lassen, obwohl im hinteren Teil des Busses noch Platz gewesen sei. „Im letzten Jahr wurde die Lage erstmals kritisch, nun nimmt sie katastrophale Ausmaße an“, steht in dem Brief.

Die SZ wollte exemplarisch Details wissen, sprach mit Morgenröthe-Schulleiter Sven Berghäuser: „In den vergangenen Jahren gab es schon Beschwerden, die ließen sich entkräften. Dieses Jahr ist es anders und schlimmer.“ In einem gesonderten Brief an Landrat Andreas Müller und die VWS habe er die speziellen Bus-Probleme an der Morgenröthe zusammengefasst. Die Verkehrsbetriebe hätten zügig reagiert, das sei ein gutes Zeichen. Berghäuser: „Die VWS sollen doch bitte mal mit einem leeren Bus kommen und zeigen, ob und wie 107 Schüler in einem Bus Platz finden.“

Peter-Paul-Rubens-Gymnasium: Die Verspätung und/oder Überfüllung der Busse sind ebenfalls die Gründe, warum Schüler zu spät am PPR ankommen. Wünschenswert sei, dass die Busfahrer aktiv auf die zügige Verteilung der Schüler im Bus einwirkten. Zum Ende der Schulzeit würde der Einsatz von Gelenkbussen oder ein zusätzlicher Wagen die Situation erheblich entspannen. Für Schüler aus Wilnsdorf, die ein gymnasiales Angebot im Ganztagsbereich brauchen, wäre eine Erhöhung der Frequenz wünschenswert.

Die Verfasser des Briefes sehen folgende Detailprobleme: Kommunikationsdefizite, Personalmangel, Linienkürzungen, fehlende Anschlussbusse, Haltestellenverlegungen, Baustellen, Busse ohne Zielangabe.

Die Auswirkungen sind deutlich: Eltern fahren vermehrt ihre Kinder zur Schule, was zu chaotischen Situationen vor den Schulen führt. Eva-Marie Bialowons-Sting kennt die Probleme von ihren Enkeln, die zur Bertha-von-Suttner-Gesamtschule am Siegener Giersberg gehen: „Die werden in Weidenau aus dem Bus gelassen, obwohl sie nach Geisweid an den Hohen Rain müssen. Wenn die mich als Oma nicht hätten, wäre manches nicht so reibungslos verlaufen.“

Die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln werde eigentlich durch die Daseinsvorsorge (Gemeindeordnung NRW) gewährleistet und solle die Anbindung aller Räume mittels qualitativ hochwertiger Mobilität garantieren. Der Aufgabenträger habe für die Durchsetzung der versprochenen Qualität zu sorgen.

„Die Politik, gemeint sind hier Landrat und Kreistag, und der Anbieter der Verkehrsleistungen, die VWS, müssen ihre Verhaltensweisen ändern, um den ÖPNV transparenter und übersichtlicher zu gestalten, erst dann ist ein effizienter ÖPNV auch in Siegen möglich“, heißt es in dem Brief. Bialowons-Sting: „Das hier sind nur ein paar Auszüge aus zig Mails. Die Schulleiter haben seitenweise Beschwerden vorgebracht.“

Siegens Schuldezernent André Schmidt erklärte gegenüber der SZ, die Schulverwaltung gehe allen Beschwerden nach und versuche, im Detail alle auftauchenden Probleme zu lösen. Die Stadt Siegen an sich könne nicht viel Grundsätzliches unternehmen. Maßgebend sei der auf Kreisebene beschlossene Nahverkehrsplan, an dessen Zustandekommen die Krönchenstadt zwar beteiligt war, „aber nur als nachrangiger Akteur“, wandte Schmidt ein. Aber: „Es ist schon ein sehr langer Zeitraum, in dem immer wieder Probleme mit dem Busverkehr auftauchen. Die Leute schieben Frust, dass sich nichts entwickelt.“

Was sagen die Verkehrsbetriebe dazu? VWS-Betriebsleiter Gerhard Bettermann war gestern leicht verärgert: „Es gibt kein Chaos, das ist absolut überzogen.“ Dass es hier und da etwas gebe, das abgestellt werden müsse, sei klar und werde auch gemacht. Im gesamten Brief finde sich allerdings „kein konkreter Hinweis“, es sei nur global formuliert worden, was falsch laufe.

Mit drei Schulen hatte Bettermann nach eigener Aussage gestern bereits gesprochen: Die Probleme am FJM bezögen sich auf das vorige Schuljahr, nichts dergleichen sei in diesem Schuljahr vorgefallen. Mit dem Schulleiter der Morgenröthe laufe ein vernünftiger Dialog. Auf die drei nicht stattgefundenen Fahrten ging Bettermann nicht ein. Er versprach, „wir werden einen Zustand herstellen, der zufriedenstellt“.

Mit dem PPR am Rosterberg hat Bettermann nach eigener Aussage die Problemlage ebenfalls zielführend erörtert. Das Problem: Für die Rückfahrt von 105 Schülern um 15.25 Uhr stand bisher nur ein Linienbus zur Verfügung. Von der Schule sei aber auch bisher kein Mehrbedarf angemeldet worden. Bettermann: „Nach dem Gespräch mit der Schulleitung habe ich für gestern Nachmittag einen Bus zusätzlich an den Rosterberg beordert.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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