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Zum deutschen Hospiztag
Für Hospizbegleiterin Lucie Homrich gehört der Tod zum Alltag

Hospizbegleiter wie Lucie Homrich begleiten schwer kranke Menschen und deren Familien in den letzten Lebensmomenten. Der SZ hat die 31-Jährige Einblicke in ihren Arbeitsalltag gegeben.
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  • Hospizbegleiter wie Lucie Homrich begleiten schwer kranke Menschen und deren Familien in den letzten Lebensmomenten. Der SZ hat die 31-Jährige Einblicke in ihren Arbeitsalltag gegeben.
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sabe Siegen. Hinter der Maske verbirgt sie dieses ganz besondere Lächeln, dieses ansteckende, ehrliche, wissende, lebensbejahende, das Ängste nehmen und Mut machen kann. Dieses Lachen schenkt Lucie Homrich Menschen, die vor ihrem eigenen Tod stehen. Die 31-jährige Kinderkrankenschwester ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Der Tod gehört für sie zum Alltag.
Der vergangene Sonntag, Welthospiztag, heute, der deutsche Hospiztag, stellen eng miteinander verflochtene Stichtage dar, die Gedenken fordern – an den Tod im Leben. Sie fordern eine Enttabuisierung, wollen ermuntern, auffordern und dafür kämpfen, dass der Umgang mit dem Sterben mehr ins Leben getragen wird. Das wünscht sich auch Lucie Homrich.

sabe Siegen. Hinter der Maske verbirgt sie dieses ganz besondere Lächeln, dieses ansteckende, ehrliche, wissende, lebensbejahende, das Ängste nehmen und Mut machen kann. Dieses Lachen schenkt Lucie Homrich Menschen, die vor ihrem eigenen Tod stehen. Die 31-jährige Kinderkrankenschwester ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Der Tod gehört für sie zum Alltag.
Der vergangene Sonntag, Welthospiztag, heute, der deutsche Hospiztag, stellen eng miteinander verflochtene Stichtage dar, die Gedenken fordern – an den Tod im Leben. Sie fordern eine Enttabuisierung, wollen ermuntern, auffordern und dafür kämpfen, dass der Umgang mit dem Sterben mehr ins Leben getragen wird. Das wünscht sich auch Lucie Homrich. Was passiert, wenn das menschliche Ableben Teil des Alltags ist, wie es sich anfühlt, für Menschen in ihren letzten Lebensmomenten da zu sein, darüber hat die SZ mit der jungen Frau aus Siegen gesprochen.
Kinder, kranke oder ältere Menschen, der Tod kennt keine Kategorien, kein Alter, kein Krankheitsbild. Sterben, sagt Lucie Homrich, sei so individuell wie das Leben selbst. Menschen auf ihrem Weg dahin begleiten und für sie da sein zu dürfen, sei für sie jedesmal überwältigend. „Für mich ist es eine Ehre. Ich komme ja schließlich als ganz fremder Mensch dahin. Das berührt mich zutiefst.“

Der Job als Hospizbegleiterin hat Lucie Homrich gefunden

„Dahin“ – damit meint Lucie Homrich zu den Menschen nach Hause. Jeder Ehrenamtler im Team des ev. Hospizdienstes Siegerland habe ein anderes, auf ihn zugeschnittenes Feld. „Das bespricht man nach der Ausbildung dann mit seinen Koordinatoren.“ Nach der neunmonatigen Vorbereitung könne man dann entweder im Alten- oder Pflegeheim, auf einer Palliativstation, im Hospiz oder bei den Menschen zu Hause als Hospizbegleiter arbeiten.

Lucie Homrich (31) ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Der Job, sagt sie, habe sie gefunden – und nicht anders herum.
  • Lucie Homrich (31) ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Der Job, sagt sie, habe sie gefunden – und nicht anders herum.
  • Foto: Sarah Benscheidt
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Lucie Homrich, die jüngste aus einem Team von 50 Ehrenamtlern, die über ihren Job sagt, er habe sie gefunden und nicht anders herum, hat sich in gemeinsamer Absprache für Letzteres entschieden. Vor einer anstehenden „Begleitung“ – so spricht Lucie Homrich selbst von ihrer Arbeit – stehe dann erst ein gemeinsames Kennenlernen. „Beide Seiten müssen ein gutes Gefühl haben.“ Sie frage sich dann immer: „Kann ich der Mensch sein, der hier gerade gebraucht wird?“
Meistens kann sie das. Schon mit den kleinsten Dingen, wird sie im weiteren Verlauf des Gesprächs erzählen, könne man viel bewegen, viel erleichtern, viel ändern. „Einfach da sein. Zuhören. Beistehen. Und wenn es nur ein Spaziergang, ein Einkauf oder ein Brettspiel-Nachmittag ist. Manchmal sitze ich auch nur da und sage einfach gar nichts. Die Hilfe beim Sterben hat Tausende Gesichter. Der Weg dahin auch.“
Manchmal erzählt sie, begleite sie Menschen über ein Jahr, andere nur eine Woche. Mal sei das Kennenlernen lang, der Blick in die Familien tief – und bei der nächsten Begleitung dann alles wieder anders. Eins bliebe dabei aber immer gleich: „Man erlebt Situationen, die kann man sich so gar nicht vorstellen. Man lernt viel über sich selbst. Es ist unglaublich, wie sehr ich an dieser Aufgabe wachse. Ich komme in Berührung mit Gedanken, Gefühlen und Themen, die einem sonst fremd sind.“
Sie glaubt, dass sie aus diesen Momenten viel für ihr eigenes Leben mitnehmen kann. „Jeder Mensch kommt mit dem Tod irgendwann in Berührung. Ich denke, ich bin da vielleicht jetzt nicht mehr so ganz unvorbereitet. Die Arbeit lehrt mich, wie wertvoll das Leben ist.“

"Natürlich ist man keine Maschine"

Trotzdem: Vorbereitet sein, sagt Lucie Homrich, könne man natürlich nie. Auch, wenn eine intensive Ausbildung vor den Hospizbegleitern steht, müsse man natürlich irgendwie dafür gemacht sein. Lernen, jemandem Nähe schenken zu können, ohne eine gewisse Distanz nicht zu verlieren. Es brauche Empathie, sicherlich. Aber auch die Kraft, sich abgrenzen zu können, nicht alles mit nach Hause zu nehmen. Das kenne sie aber auch aus ihrem „normalen“ Job. „Natürlich ist man keine Maschine, kein Stein. Ich glaube, für diese Arbeit braucht es eine Liebe für den Menschen an sich. Und natürlich verdrückt man dann auch zu Hause mal eine Träne.“ Aber, sagt Lucie Homrich, sie habe etwas, das sie antreibe. „Wenn ich für eine Person da sein konnte, ein Mensch sich darüber gefreut hat, dass ich da war, das ist ein bisschen unbezahlbar.“
Was ist ein guter Tod, ein guter Weg hin zum Gehen? „Jedenfalls dieser, den man nicht alleine gehen muss“, ist sich die Hospizbegleiterin sicher. Sie wünscht sich, dass Menschen, seien es Angehörige oder Betroffene selbst, im Annehmen dieses Angebotes, dem Stützen und Zeitschenken, Hemmungen abbauten, Hilfen anzunehmen. „Es ist nichts Schwaches daran. Im Gegenteil.“

Trotz Corona geht es bei der Hospizarbeit um Nähe

Gerade jetzt, Corona-Zeit, so weiß Blazenka Sokolova, zuständig für Pressearbeit bei der Diakonie Südwestfalen, sei es wichtig, in der Hospizbegleitung Nähe trotz Abstand passieren zu lassen. „Dafür braucht es besondere Ideen. Eine Hand zu halten ist im Moment nicht möglich.“ Lucie Homrich weiß aus Gesprächen mit anderen Ehrenamtlern, dass Begleitungen nur sehr eingeschränkt und überwiegend per Brief, Telefonat oder Videoanruf stattgefunden haben. Sie selbst habe zu Beginn der Corona-Maßnahmen gerade eine Begleitung abgeschlossen und erst jetzt, vor wenigen Wochen, wieder eine neue begonnen. „Generell soll wenn möglich Mundschutz getragen und Abstand gehalten werden, was natürlich schade ist, denn gerade für unser Ehrenamt ist Nähe ja besonders wichtig.“ Aber, so sagt die Siegenerin, sie sei froh, dass Begleitungen überhaupt wieder möglich sind. „Und das ist ja das Wichtigste, dass man da sein und zuhören kann. Da stört dann auch kein Mundschutz.“

Hospizbegleiter wie Lucie Homrich begleiten schwer kranke Menschen und deren Familien in den letzten Lebensmomenten. Der SZ hat die 31-Jährige Einblicke in ihren Arbeitsalltag gegeben.
Lucie Homrich (31) ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Der Job, sagt sie, habe sie gefunden – und nicht anders herum.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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