Für Katharina unvorstellbar: „So hat meine Oma gelebt“

Ein Exponat zum Anfassen: die Enge der damaligen Wohnverhältnisse wird spürbar. Fotos: sahe
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sahe Siegen. „Man kann sich die Situation nicht vorstellen. So hat meine Oma gelebt“, brachte es die 18-jährige Katharina Lautwein bei der offiziellen Ausstellungseröffnung auf den Punkt. Die damaligen sozialen Zustände sind für sie und ihre Klassenkameraden fremd, sie kennen keinen Hunger und keine lebensbedrohlichen finanziellen Nöte. Einen Eindruck von den harten Lebensumständen bekommen Schüler und andere Interessierte in der Ausstellung „In die Zukunft gedacht – Bilder und Dokumente zur Deutschen Sozialgeschichte“, die noch bis zum 5. Februar im Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein, Am Stadtwald 27, in Siegen zu sehen ist.

Die Ausstellung will für die Thematik sensibilisieren. Katharina Lautwein und ihre Mitschüler erfuhren bei der Eröffnung, dass es dem Mut und dem Tatendrang vieler verzweifelter Menschen, die ohne ein Sozialsystem (über)leben mussten, zu verdanken sei, dass sie die damaligen Zustände nicht selber erleben müssten. Damals seien Krankheit, Arbeitslosigkeit und das steigende Alter lebensbedrohlich gewesen, sagte Joachim Zweig, Referatsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, in seinem Grußwort: „Viele Menschen mussten sterben und leiden, damit wir gut leben.“ Die frühen Reformer hätten oft große Widerstände erfahren, und „Angst war ein Kennzeichen der damaligen Zeit“.

Karl-Heinz Bremer, Schulleiter des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung, ermahnte, dass „die Not der Menschen Hitler half, an die Macht zu kommen.“ Er fuhr fort: „Hätten wir damals bereits einen Sozialstaat gehabt, wahrscheinlich wäre uns ein dunkles Kapitel in der Geschichte erspart geblieben“, fuhr Bremer fort. Der Schulleiter verwies auf den Grundstein des Sozialstaates „Es muss erst verdient werden, was sozial verteilt wird.“

Ein Satz, den Bürgermeister Steffen Mues unterstützte. In seiner Rede verwies er darauf, dass „permanent steigende Ausgaben im Sozialbereich immer geringeren Einnahmen gegenüberstehen“. Auf Dauer bringe diese Entwicklung Probleme mit sich. Durch eine weitere Verbesserung des Bildungssystems sieht Mues jedoch Chancen. Dabei verwies er noch einmal auf das Thema der Ausstellung „In die Zukunft gedacht“, damit „der Sozialstaat auch für unsere Kinder und Enkelkinder garantiert wird“.

Der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, Paul Breuer, sah dies ähnlich: „Wir sollten uns nicht nur in die Vergangenheit orientieren, sondern ein Maß zur Gestaltung der Zukunft finden.“Ganz nach dem Motto „Anschauen, Anpacken, Erleben“, wie der Ministeriumsvertreter Zweig sagte. In vielen Bildern, Filmen, Objekten und Texten wird die Entwicklung der deutschen Sozialgeschichte lebendig erklärt. Dazu gibt es sowohl auf der Homepage des Ministeriums als auch vor Ort umfassendes Infomaterial.Die Präsentation der Sozialgeschichte ist der kleine Ableger der großen Ausstellung, die unter dem gleichen Namen bekannt ist. Seit 1987 wurde diese über 40 Mal gezeigt und immer wieder modernisiert. Bereits über eine halbe Million Menschen hat das Thema der deutschen Sozialgeschichte fasziniert.Aufgrund des großen Interesses wird seit 2004 die komprimierte Variante angeboten, die auch an Orten mit kleinerer Standfläche und schwierigen räumlichen Bedingungen aufgebaut werden kann. Lehrer können sich zur Ausstellung schulen lassen, wenn sie diese ihren Schülern selbst zeigen wollen.Kostenlose Führungen – auch für Gehörlose und Hörgeschädigte – können unter der Tel. (02 71) 23 66 80 gebucht werden.Geöffnet ist die Ausstellung von Montag bis Mittwoch von 8 bis 19 Uhr sowie Donnerstag und Freitag von 8 bis 16 Uhr.

Ein Exponat zum Anfassen: die Enge der damaligen Wohnverhältnisse wird spürbar. Fotos: sahe
Eine Art Zeitreise können die Besucher der Ausstellung erleben.
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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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