Fulminant: Orgel und Schlagwerk

Ein Konzert für Orgel und Schlagzeug gaben Peter Scholl und Birthe Metzler in der Martinikirche.  Foto: Bach-Chor
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sk Siegen. Wenn zwei kongeniale Musiker aufeinandertreffen, dann sind die Chancen sehr hoch, etwas Besonderes zu erleben. So wurde das Konzert, zu dem der Bach-Chor Siegen am vergangenen Sonntag in die Martinikirche eingeladen hatte, zu einem Musikerlebnis der Extraklasse.

Birthe Metzler, an diesem Abend betraut mit einem großen Percussion-Apparat, bestehend aus Kongas, Bongos, Tempelblock, Klanghölzern, Trommel, einer Palette verschiedener Becken, zwei Tamtams, Vibraphon, Glockenspiel etc., wuchs im Siegerland auf und bekam dort im Alter von sechs Jahren ihren ersten Geigenunterricht. Sie studierte später in Wuppertal und Hannover Geige und Bratsche. Während ihres Studiums begann sie aber auch bereits mit dem Schlagzeugspiel. 2005/06 machte sie an der Bundesakademie für Musik Trossingen eine Ausbildung zur Schlagzeuglehrerin. Heute unterrichtet sie an der Musikschule der Stadt Leverkusen die Fächer Violine, Viola, Schlagzeug, Kammermusik und Orchester und spielt in unterschiedlichen Instrumental-Formationen.

Peter Scholl, der Organist des Abends, ist ebenfalls ein „Kind“ unserer Region und erhielt hier seinen ersten Klavier- und Orgelunterricht, Letzteren bis zum Beginn seines Studiums bei Kirchenmusikdirektor Ulrich Stötzel. Mittlerweile hat er sich sowohl als Chorleiter als auch im Organistenfach einen Namen gemacht. Er musizierte bei zahlreichen CD- und Rundfunk-Produktionen des Bach-Chores mit und erzielte bereits mehrere Preise und Auszeichnungen. Seit Herbst 2004 studiert er Kirchenmusik an der Musikhochschule in Frankfurt bei Prof. Dr. Martin Sander (Orgel) und Prof. Winfried Toll (Chorleitung). Zusätzlich ist er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Die Biografien beider Künstler, geprägt durch ungemeine Vielseitigkeit, und dazu ein farbiges Programm ließen Außergewöhnliches erahnen. Die drei Kompositionen für Schlagwerk und Orgel, „Carillon“ von Hans-Ludwig Schilling, „Klage und Hoffnung der Armen“ von Rolf Schweizer und „In memoriam –“ von Berthold Hummel, setzten jeweils ganz individuelle Akzente.

So ist das Werk Schillings geprägt von der Synthese impressionistischer Klanglichkeit und polyphonen Strukturen des sogenannten Neo-Barock. Dies schlägt sich auch in der Wahl seiner Kompositionslehrer nieder: Zum einen wurde er geprägt von Hindemith und Fortner, zum anderen ist die Schule von Nadia Boulanger nicht zu überhören. Rolf Schweizers Opus ist sowohl konzertant als auch mit tänzerischer Choreografie darstellbar. So war hier eine Musik auf gleichbleibendem, ungeradem Taktschema zu hören. In Verbindung mit einer drängenden dynamischen Steigerung gaben beide Musiker hier dem „Weg von Klage zu Hoffnung“ geradezu den Charakter des „Nicht-Aufhaltbaren“.

Hummels „In memoriam –“, dem Andenken seines Freundes Dietrich von Bauznern, ebenfalls Kompositions-Professor, gewidmet, stellte höchste Anforderungen an Organist und Percussionistin. Ist der erste Satz, „Invocation“, von einer vorwärtsdrängenden Gestik geprägt, so werden in der folgenden Toccata alle Kräfte geradezu entfesselt. Schnelle dynamische und rhythmische Wechsel, unterschiedliche Trillerfiguren, auf der Orgel virtuose Läufe und permanente Manualwechsel, im Schlagwerk immer wiederkehrender Austausch der verschiedenen Schlegel zum Bedienen der gesamten Percussion-Palette, erzeugten eine fesselnde Dramatik, der man nur atemlos folgen konnte.Im anschließenden Requiem-Teil wird dann als Synthese das gesamte kompositorische Material zusammengeführt. Nach einem akustischen Höhepunkt endet das Werk höchst beeindruckend im Pianissimo mit dem sanften Einbringen des Chorals „Wenn wir in höchsten Nöten sein“. Zur „tonalen Entspannung“ musizierte Peter Scholl eine schön zusammengestellte Tanzfolge aus „Terpsichore“ von Michael Praetorius. Reizvolle mittelalterliche Klänge – hier verfügt die Martini-Orgel über wunderbar passende Zungenstimmen – wurden von Birthe Metzler mit sehr geschmackvoll gewähltem, dezentem Schlagwerk gekonnt unterstützt.Mit Bachs großer Passacaglia und Fuge BWV 582 hatte sich Scholl eines der hochanspruchsvollen Orgelwerke des Meisters vorgenommen: Mit absolut souveräner Technik und mit einer packenden Stringenz gelang ihm ein Spannungsbogen von der ersten Darstellung des Themas bis zur großen, dramatischen Schlusssteigerung. Nach nicht enden wollendem Beifall gab es am Ende noch einmal die Toccata aus dem Werk Hummels.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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