SZ

Landrat reagiert auf Krankenhausverbund
Fusion „kartellrechtlich ambitioniert“

Ein Blick in einen der OP-Säle des Diakonie-Klinikums Jung-Stilling. Hier wird konzentriert Schwerstarbeit geleistet. Eine solche ist auch das Vorantreiben des Krankenhaus-Verbundes in Siegen.
  • Ein Blick in einen der OP-Säle des Diakonie-Klinikums Jung-Stilling. Hier wird konzentriert Schwerstarbeit geleistet. Eine solche ist auch das Vorantreiben des Krankenhaus-Verbundes in Siegen.
  • Foto: Diakonie
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

ihm/ch Siegen. Die Debatte zum Zusammengehen der Siegener Krankenhäuser läuft schon seit Jahren. Jetzt hat das SZ-Interview mit Diakonie-Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer sie befeuert, aber nicht beschleunigt. Während die Diakonie in Südwestfalen eine Vierer-Fusion der Siegener Krankenhäuser favorisiert, wie Rosenbauer in dem Interview überaus deutlich machte, halten die anderen drei Krankenhäuser in der Krönchenstadt an ihrer Idee fest, zunächst einen Dreier-Verbund zu bilden – und mit der Diakonie dann über einen Beitritt zu verhandeln. Zwar sei es, wie Landrat Andreas Müller der SZ sagte, bisher noch nicht zu der eigentlich schon für März geplanten Beschlussfassung im Kreistag gekommen, aber nun wolle man den finalen Schritt auch dem neuen Kreistag überlassen, der am 1.

ihm/ch Siegen. Die Debatte zum Zusammengehen der Siegener Krankenhäuser läuft schon seit Jahren. Jetzt hat das SZ-Interview mit Diakonie-Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer sie befeuert, aber nicht beschleunigt. Während die Diakonie in Südwestfalen eine Vierer-Fusion der Siegener Krankenhäuser favorisiert, wie Rosenbauer in dem Interview überaus deutlich machte, halten die anderen drei Krankenhäuser in der Krönchenstadt an ihrer Idee fest, zunächst einen Dreier-Verbund zu bilden – und mit der Diakonie dann über einen Beitritt zu verhandeln. Zwar sei es, wie Landrat Andreas Müller der SZ sagte, bisher noch nicht zu der eigentlich schon für März geplanten Beschlussfassung im Kreistag gekommen, aber nun wolle man den finalen Schritt auch dem neuen Kreistag überlassen, der am 1. November seine Arbeit aufnimmt. In der Prüfung befänden sich bis dahin vor allem noch zwei Bereiche: Die kartellrechtliche Bewertung der Fusion und die Stellungnahmen der Zusatzversorgungskassen. Denn hier schlummern erhebliche finanzielle Risiken, weil über die Kassen hohe Rentenverpflichtungen zu finanzieren sind.

Komplette Fusion zu früh

Für den Landrat kommt die Idee einer kompletten Fusion zu früh: „Das Zusammenwachsen ist ein langsamer Prozess, wenn man die Mitarbeiter mitnehmen will.“ Man könne nicht einfach auf einen Knopf drücken und von heute auf morgen die höchst unterschiedlichen Strukturen per Federstrich vereinheitlichen.Außerdem sei eine Fusion der vier Häuser in Siegen kartellrechtlich aus seiner Sicht „sehr ambitioniert, denn dann ist ja kein Mitbewerber mehr da, der in einen Wettbewerb treten könnte“. Ob das Kartellamt eine solche Lösung akzeptieren würde, bezweifelte Müller.

Lösungsweg auf Augenhöhe

Zweifel möchte die Marien-Gesellschaft als Betreiber des Siegener St.-Marienkrankenhauses derzeit nicht säen, sondern einfach den Ball flach halten. „Als traditionsreichster Versorger der Stadt hatten und haben wir stets die Patienten und auch unsere über 2000 Mitarbeitenden im Blick. Es macht aus heutiger Sicht keinen Sinn, eine mögliche Neuausrichtung der Versorgungslandschaft medial zu erörtern und mit einseitigen, nicht nachprüfbaren Aussagen zu operieren“, betonte Dr. Christian Stoffers, Sprecher der Marien-Gesellschaft, gegenüber der SZ. Das verunsichere alle Beteiligten „und bringt uns dem Ergebnis einer bestmöglichen medizinischen Versorgung der Region keinen Schritt näher.“ Die Neuausrichtung der Versorgungslandschaft sei insgesamt ein wichtiges Zukunftsthema und alle seien gut beraten, selbstdarstellerische Aspekte zurückzustellen, um einen möglichen Lösungsweg auf Augenhöhe zu öffnen. Stoffers: „Dies wird auch seitens des Landes Nordrhein-Westfalen von uns erwartet.“

Fusions-Experte: „Chemie muss stimmen“

„Klinikverbünde geben immer Sinn. Es muss dann darum gehen, sich zu spezialisieren.“ Krankenhausmanager Dr. Nicolas Krämer hat bereits einige Fusionen begleitet und berät freiberuflich Krankenhäuser in strategischen Fragen. Seine Erfahrung: „Solange die Häuser, die miteinander kooperieren wollen, ihre eigene Gesellschaftsstruktur behalten, denkt jeder am Ende nur an sich.“ Wenn man gesellschaftsrechtlich nicht den Mut habe, wirklich zu fusionieren, bleibe nur das Holding-Modell. Eine lockere Kooperation funktioniere in der Regel nicht.Der Vorteil bei einer Holding, die sozusagen als Dach über den eigenständigen Gesellschaften schwebt: Man könne sie auch rückabwickeln, wenn sich herausstellt, dass man doch nicht miteinander kann.
Krämer rät, auch das Zwischenmenschliche nicht aus den Augen zu verlieren: „Das Wichtigste ist, dass die Chemie stimmt.“ Wenn sich Geschäftsführer, Aufsichtsräte und Ärzte verstehen, dann könne vieles gelingen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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