Ganzheitlicher Ansatz gegen die »Erosion«

Ökologische und andere Probleme Afrikas / Vortrag von Prof. Dr. Gerd Förch

ewi Siegen. Klima, Bodenbeschaffenheit, Vegetation, natürliche Ressourcen – und was machen die Menschen daraus? Nach Vorträgen eines afrikanischen Freiheitskämpfers, eines Historikers und eines Soziologen wandte sich die Ringvorlesung Forum Siegen zum Gesamtthema Afrika Fakten zu, die sich schwerlich ideologisch verklären lassen. »Die ökologischen Probleme Afrikas: Ursachen und Wirkungen - Lösungen?« lautete das Thema des Professors für Bauingenieurwesen, Dr. Gerd Förch, Fachmann für Wasserwirtschaft und Umwelt an der Universität Siegen. Förchs Wirkungsgebiet liegt im Rift Valley in Äthiopien, wo er mit deutschen und afrikanischen Mitarbeitern wasserwirtschaftliche Projekte vorantreibt. Doch seine Arbeiten erstrecken sich längst auf größere Zusammenhänge. Ein »ganzheitlich Ansatz« sei nötig.

Afrika weist fünf verschiedene Vegetationszonen auf, von immergrünen Regenwäldern über Savannen bis zu Wüsten. Die Niederschläge sind stark beeinflusst von den Temperaturen des Oberflächenwassers des Indischen und des Pazifischen Ozeans, sie können deshalb extrem schwanken und über mehrere Jahre fast ganz ausbleiben. Allein in Äthiopien gibt es vier Klimazonen. Im Norden und im Osten des Landes fallen mit weniger als 50 mm im Jahr so geringe Niederschläge, dass hier nur Nomadenwirtschaft existieren kann. Im Westen regnet es besonders an den Hängen der Berge genügend, so dass hier Ackerbau möglich ist.

Für die Bauern sind die extremen Schwankungen der Niederschläge nur schwer zu beherrschen. Die Flüsse sind nicht zu regeln. Die Seen haben höchst unterschiedliche Pegelstände. Das Wasser wird von den Menschen z. T. schlecht genutzt. Z. T. haben sie auch Formen der Bewirtschaftung von Wasserstellen entwickelt, die nachhaltiger sind als es tiefe Brunnenbohrungen mit modernem Gerät wären. Maximal 30 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser. Nur 4 Prozent der bewässerungsfähigen Fläche werden bewässert. Zwar gibt es Wassergesetze. Doch von nachhaltiger Nutzung der Ressourcen ist man weit entfernt. Bei der entsprechenden Ausbildung junger Leute, so Förch, muss man damit rechnen, dass viele von ihnen in wenigen Jahren an Aids sterben, während sich die Bevölkerung andererseits um bis zu 5 Prozent pro Jahr vermehrt...

Es sind oft kleine Anlagen, die ausreichen, wenn man die Zusammenhänge beachtet: Was nutzt eine Bewässerung, wenn nicht auch eine Entwässerung stattfindet und so der Boden mit der Zeit versalzt. Oder: Nach Jahrhunderten des Raubbaus sind in Äthiopien die Bäume knapp. Die Ärmsten der Armen sammeln Holz, um es weite Wege zu tragen und zu verkaufen. Würde dieses Holz in Öfen statt an den üblichen offenen Feuerstellen verbrannt, käme man mit 30 Prozent des Energieträgers zurecht. Dort, wo Ackerbau möglich ist, greift die Erosion durch Fehlverhalten der Menschen und durch Übervölkerung um sich. Einzelne Stämme im Süden Äthiopiens haben jedoch gelernt, mit anderem Bewuchs das Problem zu vermeiden. Millionen von Rindern gelten als Reichtum, aber sie tragen zur Erosion bei, ohne großen Nutzen zu stiften. In Trockenzeiten aber verdursten die Tiere. Und die Nahrungsmittelhilfe der Ersten Welt vergrößert z. T. noch die Probleme: Der mühselige Ackerbau kommt durch Preisverfall tendenziell zum Erliegen.

Mit seinen Studenten und Mitarbeitern sucht Förch die passenden Ansätze gegen die unterschiedlichen Probleme. Vieles ist inzwischen erkannt, das zu Verhaltensänderungen der Menschen führen sollte. Insgesamt geht es um Nachhaltigkeit, um die Kosten und die effektive Bewirtschaftung des Wassers. Dazu seien vor allem bessere Institutionen und bessere Fachleute in den betroffenen Ländern nötig, betont der Referent. Der Hochschullehrer hat mit Universitäten in Äthiopien und mehreren Nachbarländern ein Netzwerk gebildet, in dem die Erfahrungen gesammelt und genutzt werden. Aber der Weg für die Menschen erscheint noch lang.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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