BIS AUF WEITERES
Gar nicht lustig

SZ-Redakteur Andreas Goebel.

Ich schwärme seit meiner Kindheit für die Donald-Duck-Comics aus der Feder von Carl Barks. Man kann sie – einem Shakespeare-Stück nicht unähnlich – auf verschiedenen Ebenen lesen und genießen. Als kleiner Junge gefielen mir die lustigen Zeichnungen und auch das Abenteuer, das die Geschichten umweht. Erst sehr viel später wurde mir der Sprachwitz deutlich, den sie besitzen. Jetzt beginnen eilfertige Jünger der „Political Correctness“ damit, das Erbe von Dr. Erika Fuchs zu zerstören.

Die einflussreiche Literaturwissenschaftlerin war es nämlich, die den Storys von Donald, Dagobert, Daisy, Daniel, den Neffen und den Panzerknackern in ihrer genialen Übertragung ins Deutsche eine neue Dimension verliehen hat. Ich verdanke es den Duck-Fans Denis Scheck und dem Wiener Professor Achim Hölter, das ich über die Jahre vielem auf die Spur gekommen bin. Ein kleines Beispiel: In „Die Weihnachtswäsche“, wo es um eine Schwimmwette bei 30 Grad unter Null geht, skandieren Tick, Trick und Track, die ihren Onkel Donald in der Not beistehen: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr.“ Na, klingelt’s? Klar, das ist (fast) der Rütlischwur aus Schillers Wilhelm Tell. Die Hefte sind voll von den Geistesblitzen dieser Übersetzerin.

Und erst die herrlichen Namen! Das scheint vorbei, denn im neuen Nachdruck der Lustigen Taschenbücher fallen viele der Fuchs-Prägungen den Hasenherz-Lektoren vom Ehapa-Verlag (heute Egmont) zum Opfer. Sie schreiben – ganz im Fahrwasser der neuen Identitätspolitik – alles um, was irgendwie Anstoß erregen oder verletzen könnte. Aus dem Fettwanst Fridolin Freudenfett ist im Nachdruck plötzlich Fridolin Freundlich geworden, wie Hölter nachweist. Das ist natürlich nicht dasselbe. Und so geht es in einem fort: Der Maharadscha von Stinkadore ist jetzt aus Stirkadore. Selbst der Indianer ist als I-Wort verboten, ebenso die Wörter Zwerg, Bleichgesicht, skalpieren, Eingeborene usw. Als die Freunde einmal von Wüstenräubern gestellt werden, rufen diese nicht mehr aus: „Bei Allah! Ungläubige!“, sondern „Fremde. Sieh an!“ So zerstören Selbstzensoren ein Stück Kultur.

a.goebel@siegener-zeitung.de

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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