Gasleck: Anwohner dürfen zurück

ABC-Alarm nach Gasleck in Bad Berleburg. Foto: Timo Karl

Bei Bauarbeiten am Homrighäuser Weg in Bad Berleburg ist am Donnerstagmorgen eine Gasleitung beschädigt worden. Die Feuerwehr ist mit einem ABC-Einsatzteam vor Ort und wird das Gasleck untersuchen. Die Anwohner des Homrighäuser Wegs werden evakuiert, die Baustelle ist von der Polizei großräumig abgesperrt worden. Die Situation ist derzeit unklar. Wir berichten.

Evakuiert werden derzeit die Straßen „An der Lause“, „Alte Warte“ und „Trufterhain“. Der Homrighäuser Weg wurde bereits evakuiert. Eine Sammelstelle für die Anwohner soll nach ersten Informationen im Bürgerhaus am Marktplatz eingerichtet werden. Teile der Anwohner werden außerdem im Tennisheim des TCW Bad Berleburg untergebracht. Derzeit tritt weiterhin Gas aus dem durchaus großen Krater auf und zieht stadteinwärts. Problematisch dabei gestaltet sich die zusätzliche Nebelglocke, die über Bad Berleburg liegt. Experten arbeiten derzeit daran, das Gasleck abzustellen, um weitere Maßnahmen ergreifen zu können und eine Explosion zu verhindern. Ob weitere Straßen im Stadtgebiet evakuiert werden müssen, stand zunächst nicht fest.

Die Kreisleitstelle bittet unterdessen, vorsorglich Fenster und Türen im Kernstadtbereich von Bad Berleburg geschlossen zu halten und Klima- und Lüftungsanlagen abzuschalten.

Mittlerweile ist die komplette Stadt Bad Berleburg ohne Strom. Auch die Sparkasse Wittgenstein, nahezu am anderen Ende der Stadt, ist nach SZ-Informationen evakuiert worden. In welchem Zusammenhang, ist derzeit noch unklar. Immer wieder fahren Einsatzfahrzeuge durch die Stadt.

Jetzt auch offiziell: Derzeit sind weite Teile von Bad Berleburg und umliegende Ortschaften ohne elektrischen Strom - eine Maßnahme, um das Gefahrenrisiko zu minimieren. Dies erklärte Bad Berleburgs Beigeordneter Volker Sonneborn. Zudem haben die Einsatzkräfte den Druck auf der Gasleitung zunächst von 40 bar auf 25 bar zurückgefahren. In einem weiteren Schritt soll dieser auf 15 bar verringert werden. Die Verantwortlichen wollen die Bevölkerung mittels Lautsprecherwagen über die Situation informieren. Zudem sind mittlerweile drei Sammelstellen im ehemaligen Tennisheim, im Bürgerhaus sowie im Berufskolleg Wittgenstein eingerichtet. Die Stadt Bad Berleburg versucht allerdings, die rund 40 Personen im ehemaligen Tennisheim auf andere Betreuungsstellen umzuverteilen, da dort ebenfalls kein elektrischer Strom vorhanden ist. Zudem ist es möglich, dass alternative Sammelstellen eingerichtet werden - beispielsweise in der Kulturhalle in Berghausen. Wie lange der gesamte Einsatz dauert, steht laut den Verantwortlichen derzeit noch nicht fest. Das Gas tritt weiter aus.

Schüler dürfen die Schulen in Bad Berleburg derzeit nicht verlassen. Das gilt für alle Schulen. Die umliegenden Dörfer werden zwischenzeitlich wieder mit Strom versorgt.

Einige Orte sind mittlerweile wieder am Stromnetz. Im Einzelnen gestaltet sich die Situation wie folgt:

Die Stadt Bad Berleburg hatte zunächst ihr Umspannwerk in der Herrenwiese vom Netz genommen. Über ein Werk in Berghausen sind nun einige Ortschaften wieder versorgt. Nach derzeitigem Stand fällt der Strom noch bis in die späten Nachmittags- oder sogar frühen Abendstunden aus - sofern keine weiteten Probleme an der Einsatzstelle auftreten. Wie lang die Gaszufuhr unterbrochen sein wird, steht noch nicht fest. Alle Feuerwehrgerätehäuser in Bad Berleburg und den zugehörigen Ortschaften dienen als Anlaufstellen für die Bevölkerung.

Das Gas strömt weiterhin aus der Leitung. Das Geräusch der Strömung ist auch noch mehrere hundert Meter entfernt zu hören - trotz Einsatz- und Verkehrslärm. Die Gasleitung vollständig außer Betrieb zu stellen, würde nach SZ-Informationen rund 24 Stunden dauern. Daher arbeiten die Einsatzkräfte nun an einer anderen Lösung: An einer separaten Stelle wollen sie ein Loch graben und die Leitung mit Erde beschweren, so dass das Gas nicht weiter fließen kann. Der Plan dahinter laut SZ-Informationen: Durch die Erdlast würde die Leitung einknicken und wäre provisorisch verschlossen.

Die Evakuierung von rund 300 Personen läuft weiter. Wie viele Einsatzkräfte vor Ort sind, ist noch nicht zu beziffern. Die Freiwillige Feuerwehr versorgt derzeit Einrichtungen mit dringendem Bedarf mit Notstromaggregaten. Das Akutkrankenhaus in Bad Berleburg ist bereits versorgt, unter anderem folgt nun das Seniorenzentrum in Beddelhausen - der Ort ist derzeit ohne Strom. Polizei und Freiwillige Feuerwehr informieren derzeit die Einwohner der umliegenden Ortschaften über den Stand der Dinge. Ursächlich für den Unfall waren Fräsarbeiten in einem Waldstück am Homrighäuser Weg. Dabei wurde eine Fernleitung für Gas beschädigt, die in über einem Meter Tiefe liegt.

Die ersten Supermärkte in Bad Berleburg haben wieder geöffnet - der Andrang ist groß. Die Märkte, die zwischenzeitlich natürlich auch schließen mussten, sind mit Notstromaggregaten ausgestattet, entsprechend funktionieren Kühl- und Kassensysteme dort wieder. Unterdessen arbeiten Einsatzkräfte und Energieversorger Westnetz daran, weitere Aggregate zu installieren, um Schritt für Schritt eine Versorgung wiederherzustellen.

Derzeit sind noch 3000 Menschen im Stadtgebiet ohne Stromversorgung. „Unser Ziel ist es, bis 17.30 Uhr wieder alle Haushalte an die Stromversorgung anzuschließen. Dann könnten die Menschen auch wieder in ihre Häuser und Wohnungen", erklärte Volker Sonneborn. Der Beigeordnete der Stadt Bad Berleburg machte aber deutlich, dass diese Angabe unter Vorbehalt gilt. Voraussetzung ist, dass das Gas dann soweit ausgeströmt ist, dass keine Gefahr mehr besteht. Dann wollen die Verantwortlichen zeitgleich damit beginnen, das Gasleck zu schließen. Eine Gasversorgung soll ebenfalls gewährleistet sein. „Wir speisen Gas über eine andere Leitung ein, so dass alle angeschlossenen Haushalte auch damit versorgt sind. Da dies aber ein anderes Gas ist als das üblicherweise verwendete, kann die ein oder andere Heizung zwischenzeitlich in den Störungsmodus schalten", erklärte Volker Sonneborn. Die Stadt Bad Berleburg kündigte unterdessen eine Pressemitteilung für den Nachmittag an.

Die komplette Stromversorgung im Stadtgebiet von Bad Berleburg ist wiederhergestellt - schneller als erwartet. Einzig rund um den Einsatzort selbst sind die Haushalte noch ohne elektrischen Strom. Allerdings ist dieser Bereich ohnehin noch evakuiert. Der Netzbetreiber lässt derzeit das nötige Material nach Bad Berleburg transportieren, um das Leck zu schließen. Die Reparaturen sollen nun gegen 16 Uhr beginnen. Dann können auch die Menschen wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Zudem will Westnetz dann auch die Hochspannungsleitungen wieder in Betrieb nehmen. Die Arbeitskräfte bringen nun Arbeitsgeräte und Materialien zum Gasleck. Die Reparaturen beginnen in wenigen Minuten.

Für 16 Uhr hat Kreisbrandmeister Bernd Schneider noch einmal eine interne Lagebesprechung angekündigt. Danach sollen die evakuierten Anwohner voraussichtlich in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren dürfen - und damit rund zwei Stunden früher als ursprünglich avisiert. Die Arbeitskräfte bereiten unterdessen die Reparaturen vor.

Die Anwohner können in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Der Einsatz ist beendet. Die Reparaturen haben begonnen. Diese sollen bis spätestens Freitagmorgen soweit abgeschlossen sein, dass das Leistungsnetz wieder funktioniert.

Rund sieben Stunden hat der Einsatz gedauert. Dabei waren insgesamt rund 200 Einsatzkräfte aus dem gesamten Kreis Siegen-Wittgenstein vor Ort - beteiligt waren die Freiwillige Feuerwehr, die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser sowie das Technische Hilfswerk. „Der Ablauf und die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten haben gut geklappt“, zog Kreisbrandmeister Bernd Schneider ein erstes Fazit. Gänzlich aufgehoben ist die Evakuierung indes noch nicht, die Gefahr aber definitiv gebannt: Die Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung „Am Spielacker“ müssen die Nacht allerdings auswärtig verbringen. Die Bezirksregierung Arnsberg evakuierte die Einrichtung, da diese noch nicht mit Gas versorgt werden kann. Die Gründe dafür sind technischer Natur und sollen innerhalb von 24 Stunden behoben sein.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein hat das Bürgertelefon wieder deaktiviert und weist zudem daraufhin, dass nun kein Gas mehr austrete. In den Ortschaften werde L-Gas eingespeist, um eine weitere Gasversorgung vor Ort zu gewährleisten: „Durch das L-Gas kann es zu Funktionsproblemen mit betroffenen Heizungsanlagen kommen. Betroffen ist der komplette Bereich des Lahntals von Bad Berleburg über Bad Laasphe bis Marburg. Helfen können dann Heizungsmonteure oder die Störungsstellen der jeweiligen Anbieter.“ Unter der Hotline (08000) 793427 können sich Verbraucher laut Kreis auch direkt an Westnetz wenden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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