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IHK alarmiert
Gastronomie in ihrer Existenz bedroht

Die IHK fordert Impulse für die Gastronomie (hier der Biergarten der Hammerhütte).

mir Siegen/Olpe. Blauer Himmel den ganzen Tag, die Temperaturen klettern auf 20 Grad. Die nächsten Sehnsüchte setzen sich im Kopf fest: Wann öffnet endlich ein Biergarten? In Coronazeiten wie diesen tut sich an der Front bis zum 4. Mai nichts. Shutdown am Zapfhahn.
Die IHK Siegen schlägt Alarm: „Unseren 800 Gastronomiebetrieben in Siegen-Wittgenstein und Olpe steht das Wasser bis zum Hals“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener – er blickt nicht nur grimmig in die Runde der Journalisten, der Mann ist richtig sauer auf die politischen Entscheider in Berlin und Düsseldorf.
Betriebe könnten für immer geschlossen bleibenNull Umsatz in ganz vielen Gastro-Betrieben, die Speiselokale mit Abholservice mal ausgenommen.

mir Siegen/Olpe. Blauer Himmel den ganzen Tag, die Temperaturen klettern auf 20 Grad. Die nächsten Sehnsüchte setzen sich im Kopf fest: Wann öffnet endlich ein Biergarten? In Coronazeiten wie diesen tut sich an der Front bis zum 4. Mai nichts. Shutdown am Zapfhahn.
Die IHK Siegen schlägt Alarm: „Unseren 800 Gastronomiebetrieben in Siegen-Wittgenstein und Olpe steht das Wasser bis zum Hals“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener – er blickt nicht nur grimmig in die Runde der Journalisten, der Mann ist richtig sauer auf die politischen Entscheider in Berlin und Düsseldorf.

Betriebe könnten für immer geschlossen bleiben

Null Umsatz in ganz vielen Gastro-Betrieben, die Speiselokale mit Abholservice mal ausgenommen. Sollte keine Änderung zum Positiven kommen, „werden ganz viele Betriebe in drei Monaten nicht mehr vorhanden sein“, so Gräbener. „Ein Viertel wird es nicht schaffen können.“ Wenigstens die Außengastronomie sollte seiner Ansicht nach ermöglicht werden. Übergeordnete Instanzen müssten helfen, die Liquidität der Gastro-Firmen zu sichern, die Mehrwertsteuer müsse von 19 auf 7 Prozent reduziert werden.

Impuls von außen notwendig

Gräbener: „Wenn ich dann Sprüche höre von Abgeordneten, geht vermehrt essen, wenn die Lokale wieder öffnen, kriege ich einen Hals. Diese Lokale wird es bald nicht mehr geben, wenn nichts passiert.“ Die Branche brauche einen Impuls von außen, am besten die Chance, Biergärten zu öffnen. Auch das Verkehrsgewerbe sei in der Weise akut bedroht. 120 Unternehmen dieser Branche in Südwestfalen gebe es, 30 bis 50 von ihnen drohe der Ruin.
Im Olper Sauerland bahnt sich ein weiterer Krisenherd an, die Automobilzulieferer stehen nicht nur mitten im Strukturwandel hin zur E-Mobilität, die Corona-Krise „verstärkt die Risiken. Das kracht richtig rein, Kredite werden zum Teil nur mit besonderen Auflagen vergeben“, sorgt sich IHK-Präsident Felix Hensel.

Dramatische Einbrüche

Eigentlich müsste die IHK längst die Frühjahrs-Konjunkturzahlen präsentieren, der Termin ist verschoben worden auf Mai. Trotzdem, Gräbener hat auf der Basis von 50 befragten Unternehmen mit Größe valide Fakten zur Lage in der Industrie auf dem Papier: „Wir haben ein gutes erstes Quartal gehabt, danach gab es dramatische Einbrüche bei den Auftragseingängen, das Minus liegt deutlich im zweistelligen Bereich. Einige Unternehmen produzieren nur 20 Prozent des sonst üblichen Umfangs.“

Steuerreform soll helfen

Was fordert die IHK? Eine Steuerreform. Nichts Neues in Coronazeiten, aber trotzdem eine aktuelle Frage. Deutschland sei ein Hochsteuerland, sagt Gräbener. Den Rettungsschirm des Bundes mit 156 Mrd. Euro akzeptiert und befürwortet er, „aber durch die immensen Schulden wird es in späteren Jahren massive Konflikte geben“. Felix Hensel glaubt, das Hochfahren der Industrie werde nur langsam funktionieren. Weil: „Speziell im Bereich Automotive gibt es Hunderte von Lieferanten aus Italien und Spanien, die Lieferketten sind unterbrochen.“

Kurzarbeit ist großes Thema

Zur Kurzarbeit kennt die IHK nur eine Kennzahl: 4600 Anträge auf Kurzarbeit lagen Ende März vor – mittlerweile sind drei Wochen vergangen. Bei den Kfz-Zulieferern seien fünf bis sechs Unternehmen mit sehr vielen Mitarbeitern in der Anlaufphase zur Kurzarbeit. 800 Quadratmeter Fläche sind erlaubt, auf der Höhe liegt die Messlatte im Einzelhandel: „Die Hürde muss fallen“, fordert Gräbener. „Der s.Oliver-Shop in der Siegener City-Galerie kann öffnen, die gleichen Produkte darf man aber im Kaufhaus Wagener oder im Bekleidungshaus Schulze nicht erwerben. Das kann doch nicht wahr sein.“

Innenstädte könnten veröden

Niemandem sei zu vermitteln, warum auf der anderen Seite die Kirchen geschlossen bleiben müssten. Die IHK drängt darauf, diese 800er-Formel schnell zu beseitigen. Alles andere wäre ein „Beschäftigungsprogramm für die Amazons dieser Welt“. Mit der Folge, dass die Innenstädte veröden werden. Ohnehin plädiert die IHK dafür, Siegen, Olpe und ganz Südwestfalen anders zu behandeln als Köln und das Ruhrgebiet. Es müsse regional differenziert werden bei dem, was möglich sei und was nicht.

Azubis außen vor

Noch ein Ärgernis in der Wirtschaft: Über Abiturienten und Grundschüler redet die ganze Republik, die berufliche Bildung wird nicht einmal gestreift: Tausende Lehrlinge stehen vor ihren Prüfungen, und kein Politiker achtet darauf. In Südwestfalen sind 3000 Azubis aktuell betroffen. Es gibt Notfallpläne, „notfalls müssen wir in die Sommerferien hineingehen“, sagt Klaus Fenster, bei der IHK zuständiger Geschäftsführer.

Berufskollegs werden nicht erwähnt

Ganz krass: In der Allgemeinverfügung des Landes NRW zum Coronavirus sind die Berufsbildung und die Berufskollegs erst gar nicht erwähnt worden. Nachfragen im Ministerium führten zu der Antwort, „ihr lauft unter der Rubrik ,sonstige schulische Einrichtungen’. Das darf doch nicht wahr sein, wir tauchen da gar nicht auf“, ärgert sich Klaus Fenster.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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