Corona-Gipfel: DEHOGA beklagt Perspektivlosigkeit
Gaststätten geht die Puste aus

Weiterhin Eiszeit bei den Gastronomen: Janina Wlotzka und Sebastian Koch von der Burbacher Snorrenburg halten noch durch, aber bald wird es eng.
  • Weiterhin Eiszeit bei den Gastronomen: Janina Wlotzka und Sebastian Koch von der Burbacher Snorrenburg halten noch durch, aber bald wird es eng.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

tile Siegen/Olpe. „Die Betriebe, Unternehmer und Mitarbeiter sind maximal enttäuscht.“ Lars Martin vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) findet klare Worte zum Corona-Gipfel von Mittwoch. „Alle haben auf eine Perspektive gehofft, auf ein Signal, wann es weitergeht. Aber das war Wischiwaschi!“ Wegen der Lockdowns hätten viele Gastronomen in Summe bereits ein halbes Jahr geschlossen, Klubs und Diskotheken praktisch seit März. Da sei es „ein Schlag ins Gesicht“, wenn die Politik verlauten lasse, man wolle jetzt langsam über „sichere und geregelte Öffnungsstrategien“ nachdenken. Dazu hätte man genug Zeit gehabt, findet der stellv. Hauptgeschäftsführer des DEHOGA-Geschäftsstellenbereichs Siegen. Zumal der Verband dazu einen Vierstufenplan für ebenso viele Inzidenz-Szenarien vorgelegt habe. Der Vorschlag blieb ungehört.

Lars Martin fürchtet ein „böses Ende“. Die klassische Gastronomie fahre mit dem Außer-Haus-Geschäft ca.15 bis 20 Prozent des Normalumsatzes ein, die „Querfinanzierung“ über den Getränkeverkauf bleibe aus. Die Wirte lebten vom Ersparten, lösten Altersvorsorgen und Krankenversicherungen auf. „Eigene Reserven hat niemand mehr.“ Noch immer warteten viele auf die November- und Dezember-Hilfen. „Vielen geht die Puste aus.“ Oft helfe nur ein KfW-Kredit. Aber das schiebe das Problem nur auf: „Der große Knall kommt mit den Rückzahlungen.“

Nöte der Mitarbeiter

Dass „keine Auswege aus der Krise für uns aufgezeigt wurden, das ist schon sehr deprimierend“, beschreibt Uwe Steiniger von der Klostergastronomie Marienthal und DEHOGA-Kreisverbandsvorsitzender in Altenkirchen die Stimmung. Er verweist nicht nur auf die Existenzängste der Betreiber, sondern auch auf die Nöte der Mitarbeiter. „Das kann so auf Dauer nicht weitergehen, sonst stehen wir bald alleine da“, prognostiziert der Küchenmeister. Immer mehr Betriebe meldeten sich, deren Angestellte in andere Branchen abgewandert seien.

Mit frischem Unternehmergeist, herzlichem Service und guter Küche haben Janina Wlotzka und Sebastian Koch der Burbacher Snorrenburg neues Leben eingehaucht. Nach diversen Pächterwechseln schien das Traditions-Restaurant seit März 2019 wieder an alte Glanztage anzuschließen. Dass diese Hoffnung in der Krise weiterhin besteht, verdankt das Paar dem Erfolg der ersten 13 Monate, der sich in der November- und Dezember-Hilfe niederschlägt. Mitarbeiter mussten noch nicht in Kurzzeit geschickt werden. „Mit der staatlichen Hilfe können wir noch bis April überleben“, sagt Sebastian Koch.

Lockdown bis Ostern

Und danach? „Dann wird es ganz schnell ganz eng!“ Er rechne mit einem Lockdown bis Ostern. (Daher hatte er keine großen Erwartungen an das Treffen zwischen Kanzlerin und Ministerpräsidenten.) Alles darüber hinaus bedeute wohl das Ende – und zwar innerhalb von nur zwei oder drei Wochen. Dann werde auch „die tolle Unterstützung der Burbacher“, die das To-go-Geschäft kräftig ankurbelten, nicht mehr helfen.

Auch Helena Bergenthal geht davon aus, ihren „Klumpen am Markt“ in Olpe nicht vor Ostern zu öffnen. Das könne sie noch kompensieren, der Sommer sei gut gelaufen. Trotzdem nimmt sie staatliche Hilfen in Anspruch und hat Kurzarbeit angemeldet. Eine baldige Öffnung sei nicht nur für das wirtschaftliche Überleben ihrer Branche wichtig, meint die Gastronomin. „Ein geregelter Betrieb mit entsprechendem Hygienekonzept und Corona-Schutzmaßnahmen ist sicherer als private Feiern im Geheimen, wie sie jetzt vermehrt vorkommen.“

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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