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Die Photovoltaikanlage auf dem Dach
Gebacken wird, wenn die Sonne scheint

Nicht nur auf dem Hausdach, sondern auch auf dem großen Holzunterstand im Garten haben die Rademachers Solarpaneele installieren lassen. Zu viel Schatten sollte es dabei nicht geben, deshalb musste der – allerdings ohnehin morsche – Kirschbaum weichen.
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  • Nicht nur auf dem Hausdach, sondern auch auf dem großen Holzunterstand im Garten haben die Rademachers Solarpaneele installieren lassen. Zu viel Schatten sollte es dabei nicht geben, deshalb musste der – allerdings ohnehin morsche – Kirschbaum weichen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Eisern/Seelbach. 99 Pfennig pro Kilowattstunde gab es im Jahr 2000 für Strom aus privaten Photovoltaikanlagen. Davon können Hausbesitzer, die sich heute eine solche Anlage aufs Dach bauen lassen, nur träumen. Im November 2020 liegt die Einspeisevergütung bei 8,48 Cent. Trotzdem rechnet sich die Investition nach etwa zwölf Jahren, denn zum einen sind die Solarmodule deutlich billiger als 20 Jahren, und zum anderen heißt das Zauberwort „Eigenverbrauch“.
Alles in Echtzeit verfolgen„Diese App macht süchtig“, gibt Kuno Haardt zu und blickt auf sein Tablet. Der Seelbacher ist seit August 2020 Besitzer einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. 24 Module in bester Süd/Südost-Ausrichtung schimmern auf dem 43 Grad geneigten Dach.

ihm Eisern/Seelbach. 99 Pfennig pro Kilowattstunde gab es im Jahr 2000 für Strom aus privaten Photovoltaikanlagen. Davon können Hausbesitzer, die sich heute eine solche Anlage aufs Dach bauen lassen, nur träumen. Im November 2020 liegt die Einspeisevergütung bei 8,48 Cent. Trotzdem rechnet sich die Investition nach etwa zwölf Jahren, denn zum einen sind die Solarmodule deutlich billiger als 20 Jahren, und zum anderen heißt das Zauberwort „Eigenverbrauch“.

Alles in Echtzeit verfolgen

„Diese App macht süchtig“, gibt Kuno Haardt zu und blickt auf sein Tablet. Der Seelbacher ist seit August 2020 Besitzer einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. 24 Module in bester Süd/Südost-Ausrichtung schimmern auf dem 43 Grad geneigten Dach. Was sie an Sonnenenergie einsammeln und in Strom umwandeln, kann Kuno Haardt in Echtzeit auf dem Tablet verfolgen. Und noch viel mehr: den Verbrauch im Haus, die Strommenge, die die Batterie im Keller speichert, und die Kilowatt, die aus dem Netz geholt werden.

Der Trockner läuft, wenn die Sonne scheint

Das hat erzieherische Wirkung. Denn Kuno Haardt weiß, dass es am günstigsten ist, den Strom vom Dach selbst zu verbrauchen. Wenn also die Sonne kräftig scheint und der Speicher voll ist, dürfen Großverbraucher wie Trockner, Bügeleisen, Backofen oder Sauna gerne in Betrieb gehen. Wenn der selbsterzeugte Strom knapp ist – nachts oder bei dunkelgrauem Himmel –, dann ist energietechnisch Zurückhaltung angesagt.

Zwei Drittel des Stroms werden selbst erzeugt

Günter Rademacher aus Seelbach, ebenfalls seit August Selbsterzeuger von Strom, schaut auch unterwegs immer wieder auf die Strom-App. Da kommt es schon mal vor, dass der Außendienstler zu Hause die Tür aufschließt und Ehefrau Sibylle fragt: „Hast du wieder gebügelt?“ Augenzwinkernd natürlich, aber durchaus mit Wirkung. Bei energieintensiven Aktivitäten, die sie planen kann, schaut Sibylle Rademacher jetzt auch erst mal aus dem Fenster. Sie weiß: Brotbacken bei Dunkelheit ist eine weniger gute Idee. Günter Rademacher verfolgt die Energiebilanzen seiner Anlage ganz genau: „Wenn ich was mache, dann mache ich es hundertprozentig.“ Und er ist stolz auf eine „Zwei-Drittel-Autarkie“: Nur noch ein Drittel seines Stromverbrauchs deckt er aus dem Netz.

Herkömmliche Glühbirnen sind Stromfresser

Die Optimierung der häuslichen Energiebilanz ist ein dankbares Feld. Zum Beispiel ist sowohl Rademachers als auch Haardts durch die App klargeworden, welche Stromfresser herkömmliche Glühbirnen sind. Die Umstellung auf neue LED-Leuchten, soweit noch nicht geschehen, steht bei beiden auf der To-do-Liste. Allerdings: Bis die Kosten für eine neue Lampe über die Stromersparnis wieder eingespielt sind, dauert es schon sehr lange.

18.000 Euro für ein Einfamilienhaus

Was kostet nun die Photovoltaikanlage mit Speicher? Das hängt von der Größe ab, aber für ein Einfamilienhaus sind rund 10.000 Euro für die Module und rund 8000 Euro für den Batteriespeicher aufzuwenden. Die Familien Haardt und Rademacher haben die Förderung des Kreises Siegen-Wittgenstein nach dem 1000-Dächer-Programm in Anspruch genommen. 1000 Euro Zuschuss bekamen sie für ihre Investition. Ausschlaggebend für ihre Entscheidung pro Solar war das allerdings nicht, sagen sie.

Arnsberg zahlt pro Kilowatt-Peak

Profitiert haben sie außerdem von der Mehrwertsteuer-Senkung – rund 500 Euro weniger als sonst standen dadurch auf der Rechnung. Und Günter Rademacher hat für den Batteriespeicher eine weitere Zuschussquelle aufgetan: Die Bezirksregierung Arnsberg zahlt 200 Euro pro kWp (Kilowatt-Peak) Speicherplatz (Programm „Progres“). Bei 7,7 kWp macht das noch einmal gut 1500 Euro aus.
Hier wird es politisch interessant.

Genau informieren Ob das eigene Haus Photovoltaik-geeignet ist, klärt ein Blick ins Solarkataster. Mittlerweile sind nicht nur reine Südlagen empfohlen, sondern auch eine Ost- oder Westausrichtung kann gute Ergebnisse bringen. Optimal können sogar verwinkelte Dächer sein, die die Sonne im Tageslauf einfangen, wie bei Familie Rademacher in Eisern. Hoher Stromverbrauch im Haushalt verbessert die Bilanz des Selbstnutzers. Wer ein Elektroauto fährt oder eine Wärmepumpe betreibt, profitiert enorm. Interessant ist auch die Möglichkeit, den nicht verbrauchten Strom in einer „Cloud“ zu speichern, wenn die eigene Batterie voll ist. Das nutzt Familie Haardt in Seelbach. Diesen Strom kann sie dann später verbrauchen. Dafür wird eine Pauschalgebühr von 300 Euro im Jahr fällig – dann braucht man aber keinen weiteren Stromlieferanten mehr.

Politik ist geteilter Meinung

Denn in der Kreistagsssitzung im Oktober, der ersten nach der Kommunalwahl, gab es zum Thema Photovoltaik gleich ein Scharmützel. Die FDP beantragte die Erhöhung der Fördersumme des Kreises von 1000 auf 2000 Euro. Die Begründung: Voraussetzung für die Förderung nach dem 1000-Dächer-Programm sei die Installation eines Speichers. Dieser aber sei relativ teuer. Dafür müsse man den Hausbesitzern zusätzlich unter die Arme greifen, argumentierte FDP-Sprecher Guido Müller. Das Progres-Programm des Landes für genau diese Speicher spielte in der Kreistagsdebatte allerdings keine Rolle.

Hohe Nachfrage

Michael Sittler (SPD) hielt nichts von dem FDP-Vorstoß. Das Förderprogramm, für das im ersten Jahr eigentlich nur 100.000 Euro im Haushalt eingeplant waren, sei bereits mehrfach überzeichnet. Die Nachfrage sei also auch bei 1000 Euro Zuschuss sehr lebhaft. „Ich möchte lieber mehr Anlagen fördern als höhere Zuschüsse geben.“ Hermann-Josef Droege (CDU) verwies auf die Unwägbarkeiten im Haushalt: „Das sollte hier kein Schnellschuss werden, sonst gibt es womöglich ein böses Erwachen.“ Fraktionskollegin Jutta Capito unterstrich, dass ein Speicher auch die Wirtschaftlichkeit der Gesamtanlage erhöhe. Ullrich Georgi (Linke) fragte sich: „Was sagen denn die Leute, die 1000 Euro bekommen haben, wenn wir jetzt 2000 Euro zahlen?“
Günter Rademacher und Kuno Haardt haben das Geld des Kreises zum Glück schon auf ihren Konten. Weitere Anträge, so heißt es aus dem Kreishaus, würden für dieses Jahr gar nicht mehr angenommen, weil der Zuschusstopf ausgeschöpft sei.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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