Demo gegen "III. Weg" in Siegen
Gebet und Schweigemarsch für Nächstenliebe

Mit einem Wortgottesdienst und einem Schweigemarsch haben knapp 200 Siegener am Samstagvormittag ihren Protest gegen den III. Weg zum Ausdruck gebracht.
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ch Siegen. Mit einem Wortgottesdienst und einem Schweigemarsch haben knapp 200 Siegener am Samstagvormittag ihren Protest gegen den "III. Weg" zum Ausdruck gebracht. Das Citypastoral Siegen ("K3") hatte gemeinsam mit dem katholischen Dekanat Siegen und dem evangelischen Kirchenkreis zur Demo gegen die rechtsextremistische Splitterpartei aufgerufen. Mit ihrer Veranstaltung in der Martinikirche und auf dem Scheinerplatz wollten die drei ein deutliches Zeichen für Nächstenliebe, Vielfalt und Toleranz setzen. "Es ist Zeit, im Zentrum unserer Region Zivilcourage zu zeigen und gegen die Verbreitung menschenverachtender Inhalte und Werte einzustehen. Wir wollen gespeist aus unserem Glauben, an das Leben und die Lehre Christi, auf die Gleichheit und Würde aller Menschen hinweisen", so Mitorganisator Benedikt Rüther vom "K3".

Anlass: Kundgebung des Dritten Weges

Der Anlass für die ökumenische Aktion bzw. für die zweite größere Demo nach Eröffnung eines Parteibüros der Rechten in der Siegener Schlachthausstraße: Der "III. Weg" organisiert seit geraumer Zeit an den Wochenenden mitten in der Krönchenstadt Kundgebungen. Auch an diesem Samstag platzierte die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehende Kleinstpartei einen Infostand am ZOB in Siegen. Ein halbes Dutzend Neonazis war präsent, eine Kundgebung sollte Zuhörer auf dem Bahnhofsplatz erreichen. Doch kaum einer blieb stehen; lediglich ein Grüppchen von Studenten, Antifa-Anhängern und anderen linken Organisationen, das sich spontan vis-à-vis zum "III. Weg"-Stand zusammengefunden hatte, bezog mit einem Banner im Wortsinne Stellung. Sowohl die Kundgebung der Rechten als auch der Schweigemarsch verliefen ohne Störungen und Zwischenfälle, wie die Polizei bestätigte.

Siegener erheben die Stimme

Vor dem symbolhaften Schweigen auf Siegens Straßen erhoben Akteure der ökumenischen Demo im Gottesdienst ihre Stimme. Die Eröffnung des Parteibüros des „III. Wegs“ in Siegen sei einfach nur "krass":  "Der ,III. Weg' ist unserer Auffassung nach mitverantwortlich dafür, dass sich rassistisches Gedankengut wieder in unserer Gesellschaft breitmacht!" Man könne nicht dulden und tatenlos zusehen, "wie rechtsorientierte Gruppierungen uns in die Zeit des Nationalsozialismus wieder zurückwerfen wollen. Wir werden nicht warten, bis Menschen, die zu uns kommen, mit uns Freundschaften pflegen - ganz gleich, aus welchem Land, von welcher Hautfarbe und Religion sie sein mögen-, von rechten Populisten angepöbelt werden."

Würde des Menschen ist unantastbar

"Die Würde des Menschen ist unantastbar", betonte Dechant Karl-Hans Köhle. Der Mensch habe seine  Würde nicht dadurch, dass er einem bestimmten Volk oder einer Klasse angehört, sondern dadurch, dass er als Mensch geboren ist. Köhle: "Ich erinnere mich noch gern an die Aktion ,Hand in Hand', vor ein paar Jahren in Weidenau. Wir haben vom runden Tisch der Religionen daran erinnert, dass alle Menschen Geschöpfe unseres Gottes sind und daher mit gleicher Würde angesehen werden sollen!" Daher sei für Christen weder Rechts- noch Linksextremismus eine Option. "Beide radikale Strömungen legen Gott beiseite und die Tatsache, dass wir seine Geschöpfe sind. Antifa und Anarchie führen ebenso zum Chaos wie Nationalismus und völkisches Denken", so Köhle in der Martinikirche, die wegen der Corona-Auflagen gerade mal 70 Gottesdienstbesucher aufnehmen durfte.

Gedankengut der NSDAP angeprangert

Mit seinen Ausführungen prangert Köhle jegliches "völkisches Denken" an. Genau dafür aber steht der "III. Weg". Die sogenannte Partei propagiert ein rechtsextremistisches Staats- und Gesellschaftsbild, insbesondere greift sie völkisch-nationalistische Elemente des historischen Nationalsozialismus auf. So lehnt sie sich mit ihrem Zehn-Punkte-Programm ideologisch an das Gedankengut der NSDAP an und fordert einen „deutschen Sozialismus“ ein. Zudem beteiligt sich die Partei an revisionistischen Kampagnen, die darauf abzielen, nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren. Das Ziel der Splitterpartei ist laut NRW-Verfassungsschutz nicht die Teilhabe an unseren demokratischen Strukturen: Die Aktivisten nutzten oftmals den Schutzmantel des Parteienprivilegs, um ihre neonazistischen Aktivitäten in Vorgängerorganisationen fortzusetzen.

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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