Gedenktafel für couragierten Mann

Künftige Generationen sollen an Obersteiger Ignaz Bruck erinnert werden

kalle Geisweid. Agnes Bracht (86) geb. Bruck war ergriffen, als die Enkelsöhne ihres Vaters Ignaz Bruck, Günter und Dieter Schmidt, die Gedenktafel freilegten. »Ich lag damals mit einer Gürtelrose im Stollen, als Soldaten meinen Vater abholten. Die Erinnerung ist ganz nahe. Nachts, wenn ich wach werde, sehe ich alles noch genau vor meinen Augen«, so die heute in Dillenburg im Seniorenheim lebende Tochter. »Ich habe meinen Vater danach nie mehr gesehen.« Ihr jüngster Bruder, Bruno Bruck (81), war mit seiner Tochter aus Erndtebrück gekommen. Ein weiterer Bruder war verhindert. Es war eine ergreifende Stimmung, als Bürgermeister Ulf Stötzel die dramatischen Tage im April 1945 schilderte. Als am 3. April 1945 der damals 55 Jahre alte Ignaz Bruck auf dem Klafelder Markt von Nazi-Schergen erschossen wurde, hinterließ er Frau und fünf Kinder. Der couragierte Grubenbetriebsführer der Grube »Neue Haardt« hatte am 2. April 1945 vor dem Eingang des Bunkerstollens auf dem Gelände der Grube »Neue Haardt« in Weidenau eine weiße Fahne aufgehängt, um eventuell anrückende amerikanische Soldaten auf Zivilisten hinzuweisen.

Diese menschliche Geste wurde dem Bergmann zum Verhängnis. Bruck wurde von zwei deutschen Fallschirmjägern festgenommen und brutal zum Gefechtsstand des Freikorps Sauerland in Klafeld gebracht. Nachdem der Versuch misslungen war, Bruck an einer Linde zu erhängen, erschoss ein Gruppenführer der deutschen Einheit den Betriebsführer. Sein Leichnam blieb zur Abschreckung zwei Tage auf dem Marktplatz liegen. Der Täter wurde im Mai 1951 wegen Totschlags vom Schwurgericht Siegen zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein Stück Siegerländer Geschichte, an die mit der Aufstellung der Gedenktafel die Erinnerung wachgehalten werden soll. Bruck war 1889 in Eisleben geboren worden, wo er als Lehrling im Kupferschieferbergbau begann. Die Gedenktafel hat folgenden Wortlaut: »Zum Gedenken an Ignaz Bruck, Betriebsführer der Grube ,Neue Haardt’ in Weidenau, der in den Kämpfen der letzten Kriegstage eine weiße Fahne an einem der Stollen der Grube anbrachte, um Schaden von der dort schutzsuchenden Bevölkerung abzuwenden. Für diese uneigennützige Tat wurde er am 3. April 1945 ohne Gerichtsurteil auf dem Klafelder Markt hingerichtet.« Initiiert hatte die Gedenktafel die Stadtverordnete Traute Fries, die im Bezirksausschuss auch Gehör für ihre Idee fand.

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