Uni pocht auf Fahrplan
Geduld in Sachen Busse am Ende

Die Haltestelle am Kölner Tor mitten in Siegen ist eine VWS-Baustelle im doppelten Sinne: Zum einen ist das Areal an der Sandstraße für Arbeiten am seit Jahren im Testbetrieb befindlichen Fahrgastinformationssystem abgesperrt, zum anderen gibt es auch bei den UX-Linien und bei der C 111 Ausfälle, sodass der Busstopp nicht immer angefahren wird.
  • Die Haltestelle am Kölner Tor mitten in Siegen ist eine VWS-Baustelle im doppelten Sinne: Zum einen ist das Areal an der Sandstraße für Arbeiten am seit Jahren im Testbetrieb befindlichen Fahrgastinformationssystem abgesperrt, zum anderen gibt es auch bei den UX-Linien und bei der C 111 Ausfälle, sodass der Busstopp nicht immer angefahren wird.
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  • hochgeladen von Christian Hoffmann (Redakteur)

ihm  Weidenau. Die Busse zur Uni – auf den Haardter Berg, aber auch zum Campus in der Innenstadt – fahren seit Monaten nicht so, wie der Fahrplan es verspricht. Das will die Hochschule nicht länger hinnehmen. Der Senat beauftragte am Mittwoch den Rektor, ein Spitzengespräch zu organisieren, bei dem die Vertreter der Uni einschließlich Rektor, Kanzler und Studenten mit Landrat Andreas Müller und Siegens Bürgermeister Steffen Mues die Lage erörtern. Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart wird zu diesem Gespräch eine Note des Senats im Gepäck haben, in der deutlich wird, dass man den jetzigen Zustand nicht weiter akzeptieren werde.

Die Hochschule spielt bei dem Bus-Desaster, das die gesamte Region betrifft, insofern eine Sonderrolle, als dass der AStA mit dem Semesterticket Vertragspartner des ÖPNV-Anbieters ist. Im Senat wurde der AStA-Vorsitzende gefragt, warum er wegen Nichterbringung der vereinbarten Leistung die Zahlungen nicht kürze bzw. eine Konventionalstrafe erhebe. Alexander Steltenkamp antwortete, das sei nicht so einfach, weil sich das Unternehmen Wern-Group auf höhere Gewalt berufe. Die Busfahrer meldeten sich krank, das sei kein Verschulden des Unternehmens. Mehrere Redner äußerten im Senat Zweifel daran, dasss es sich um echte Krankheiten handele. Vielmehr vermuteten einige, dass die Busfahrer sich wegen der Arbeitsbedingungen krank meldeten.

Auch UX-Linien fahren nicht

Dass die UX-Linien zur Uni, wie von Wern immer wieder versichert, ohne Einschränkung führen, ist nach den Erfahrungen der Hochschule falsch. Zwar würden die UX-Ausfälle nicht in den täglich veröffentlichten Listen aufgeführt, aber die Busse kämen eben trotzdem nicht. Davon seien nicht nur Studenten, sondern auch zahlreiche Mitarbeiter betroffen, Prof. Dr. Martin Herchenröder in Richtung der politisch für den Nahverkehr im Kreis Verantwortlichen: „Die machen ihre Arbeit nicht!“ Diese „Tour des Leidens“, wie es der Rektor formulierte, gefährde die Attraktivität des Universitäts-Standorts Siegen. Es spreche sich herum, wenn Studenten nicht rechtzeitig zur Vorlesung und Mitarbeiter nicht pünktlich ins Büro kämen.

Eine Lösung, wie man die Krankheitsfälle unter den Busfahrern minimiert, aber auch insgesamt mehr Fahrer gewinnt, hatten auch die Wissenschaftler auf dem Haardter Berg nicht in petto. Der wohlfeile Rat, die Fahrer besser zu bezahlen, geht natürlich auf Kosten der Wirtschaftlichkeit. Alexander Steltenkamp sagte folgerichtig, dass sich nur etwas ändern werde, wenn die Politik anerkenne, dass der ÖPNV gewinnbringend nicht funktioniere. Dieter Gebauer schlug in die gleiche Kerbe: „Man muss sich von der schwarzen Null verabschieden.“

Enteignung von Wern?

Das scharfe Schwert der Enteignung brachte der AStA-Vorsitzende auf den Tisch. Der Landrat, so berichtete er, halte die gegenwärtigen Ausfälle aber noch nicht für so gravierend, dass Wern enteignet werden könne. Und die Verträge liefen noch bis 2028.

Eine weitere Überlegung: Shuttle-Busse, die die Uni selbst betreibt. Das Problem: Auch dafür braucht man Busse und Fahrer. Rektor Burckhart hielt das nicht für den richtigen Weg: „Wir sollten uns da nicht in die Pflicht nehmen lassen.“ Busse mit dem Uni-Logo, in die die Siegener Bürger nicht einsteigen dürften, seien keine gute Option.

Der Begriff Ultimatum fiel bei der Zusammenkunft am Mittwoch zwar nicht, aber die Senatsdebatte machte eines sehr deutlich: Bis spätestens 1. Oktober 2019, wenn das Wintersemester beginnt, muss ein zuverlässiger Busverkehr herbei. Das könnte eine Übergangslösung sein, danach soll eine mittelfristig stabile Situation geschaffen werden. Dabei werden weder der in Drolshagen getestete autonom fahrende Bus noch E-Bikes den Druchbruch bringen. Busse müssen fahren, so die einhellige Meinung.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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