Gefeuert nach Hetze bei Facebook

 Beim Erndtebrücker Eisenwerk „kochte die Belegschaftsseele“. Der bisherige Betriebsratsvorsitzende hatte fremdenfeindliche Äußerungen im Internet veröffentlicht und wurde deshalb freigestellt. Foto: Björn Weyand
  • Beim Erndtebrücker Eisenwerk „kochte die Belegschaftsseele“. Der bisherige Betriebsratsvorsitzende hatte fremdenfeindliche Äußerungen im Internet veröffentlicht und wurde deshalb freigestellt. Foto: Björn Weyand
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bw/nik - Es müsse jetzt eine Säuberung in Deutschland stattfinden, „lasst uns ihnen auch die Hälse abschneiden“. Zu lesen sind die Sätze und noch viel mehr hetzerische Aussagen auf der Facebook-Seite eines Wittgensteiners, direkt darüber steht ein buntes Bild mit dem Schriftzug „Islamisierung? Nein Danke“. Auf die Seite gestellt hat dies der Betriebsratsvorsitzende des Erndtebrücker Eisenwerks (EEW), das nach Bekanntwerden jener fremdenfeindlichen Äußerungen den 59-jährigen Mann aus dem Berleburger Raum zunächst freigestellt hat. Ihn erwartet nun im nächsten Schritt die fristlose Kündigung. Wie die SZ von Johannes Daheim, Sprecher der Siegener Staatsanwaltschaft, erfuhr, hat der Staatsschutz Ermittlungen wegen der Äußerungen in dem sozialen Netzwerk aufgenommen.

Ein klares Signal gab EEW in einer Stellungnahme ab: Das Unternehmen duldet keine Hetze von einem seiner Mitarbeiter. Solche Äußerungen seien „allgemeinhin, aber insbesondere für einen Betriebsratsvorsitzenden, absolut untragbar“. Sowohl die Gesellschafter als auch die Geschäftsleitung, der Betriebsrat und die gesamte Belegschaft distanzieren sich ausdrücklich von den Äußerungen. „EEW als international agierendes Unternehmen hat schon immer sehr großen Wert darauf gelegt, dass Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft und Kulturen gut miteinander auskommen. Insofern sind Kommentare dieser Art nicht zu entschuldigen und dementsprechend keineswegs zu dulden“, erklärte Christoph Schorge, Gesellschafter der Erndtebrücker Eisenwerk GmbH & Co. KG. Anke Möllers, bisher stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, leitet nun den Betriebsrat kommissarisch. Sie betonte: „Wir stehen als Betriebsrat geschlossen hinter der Entscheidung der Geschäftsleitung.“ Dass der Betriebsrat der Kündigung die Zustimmung erteilt, ist also reine Formsache.

Volle Rückendeckung erhält das Unternehmen auch von Hartwig Durt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Siegen, der selbst entsetzt ist wegen des Vorfalls. Schließlich kenne er den Mann persönlich seit 25 Jahren. „Damit hat keiner gerechnet“, so Durt im Gespräch mit unserer Zeitung, deshalb sei das Entsetzen groß gewesen, als in der vergangenen Woche dieser Vorfall „aufgeploppt“ sei. Durt telefonierte mit dem Gewerkschaftskollegen, machte ihm deutlich, dass solches Gedankengut in der IG Metall gar nichts zu suchen habe. „Das ist ja ganz übel faschistoid“, meinte Durt.

Am Abend erreichte die Siegener Zeitung auch noch den Ex-Betriebsratschef, der seine fristlose Entlassung akzeptieren will und keine rechtlichen Schritte gehen möchte. Es tue ihm leid, was er da verzapft habe, wobei er sich an einige Sätze überhaupt nicht mehr erinnern könne. Gerade die eingangs erwähnten Passagen konnte er sich nicht erklären. Alkohol habe er getrunken gehabt an jenem 2. Mai am späten Abend, das räumte der 59-Jährige ein. Gehofft habe er, dass er lediglich den Posten an der Spitze des EEW-Betriebsrates räumen müsste und dafür im Unternehmen bleiben dürfe. Dass das nicht möglich sei, werde er akzeptieren. Die fraglichen Passagen sind am Dienstag im Laufe das Nachmittags übrigens von der Facebook-Seite des 59-Jährigen gelöscht worden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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