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Gromm statt Plastik
Gefräßige Rehe treffen auf verzinkten Stahl

Thomas Groos schützt einen jungen Baum mit dem neuartigen Verbissschutz. Rundstäbe in Form eines V und federnde, vorn offene Rauten wechseln sich am Stab ab.
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  • Thomas Groos schützt einen jungen Baum mit dem neuartigen Verbissschutz. Rundstäbe in Form eines V und federnde, vorn offene Rauten wechseln sich am Stab ab.
  • Foto: Unternehmen
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

goeb Ehringshausen. „Konzentratselektierer“ – das Wort klingt irgendwie nach einem Unilaboranten, jedenfalls nicht nach einem Reh. Doch das täuscht. Unser scheues Reh ist nämlich ein solcher. Ökologen und Forstwissenschaftler beschreiben damit die Futtersuche des Rehs. Es ist, wie soll man sagen: schnicksch, schleckig, schnäkelig oder auch krüsch. Anders als sein Vetter, der Rothirsch, liebt es nicht Gras, sondern eine Ahornknospe hier, den weichen Trieb einer Fichte dort, dazu ein frisches Kräutlein, wenn’s recht ist.

Für Waldbauern ist das Reh gleichbedeutend mit Plage. Die Verbissschäden, die sein nach Millionen zählendes Volk anrichtet, können ganze Kulturen vernichten.

goeb Ehringshausen. „Konzentratselektierer“ – das Wort klingt irgendwie nach einem Unilaboranten, jedenfalls nicht nach einem Reh. Doch das täuscht. Unser scheues Reh ist nämlich ein solcher. Ökologen und Forstwissenschaftler beschreiben damit die Futtersuche des Rehs. Es ist, wie soll man sagen: schnicksch, schleckig, schnäkelig oder auch krüsch. Anders als sein Vetter, der Rothirsch, liebt es nicht Gras, sondern eine Ahornknospe hier, den weichen Trieb einer Fichte dort, dazu ein frisches Kräutlein, wenn’s recht ist.

Für Waldbauern ist das Reh gleichbedeutend mit Plage. Die Verbissschäden, die sein nach Millionen zählendes Volk anrichtet, können ganze Kulturen vernichten. Und neue Kulturen werden nach den verheerenden Dürrejahren und den Borkenkäfer-Katastrophen überall in unserer Region entstehen.
In der Regel helfen sich Waldbesitzer bei Jungbäumen mit hässlichen Plastikhauben gegen den Knospenfraß und gegen das sogenannten Fegen der Rehböcke. Die scheuern im Frühling die Rinde der Bäumchen ab, wenn die Haut, die das neue Gehörn umgibt, trocken wird und zu jucken anfängt. Da fliegen nur so die Fetzen.

Neuentwicklung bereits patentiert

Rehe – so viel steht fest – werden der Erfindung des Forstwirts Thomas Groos und des Metallbauers Michael Müller nichts abgewinnen können. Die beiden haben unter dem Dach ihrer jungen Firma Gromm aus dem nahen Ehringshausen (zwischen Greifenstein und Aßlar) einen Verbissschutz aus verzinktem Stahl entwickelt und sich patentieren lassen.

Der Clou dabei: Das Ding soll 30 Jahre halten, mit Sprühzinkauffrischung auch länger. Und: Es ist wiederverwendbar. Der Gromm, den es als Modell VS 1200 fürs Reh und als VS 1700 für die Verwendung in Rotwildrevieren gibt, ist auch ein Zeitsparer. „Eine Person kann damit zehn Bäumchen in rund sechs Minuten schaffen“, erläutert Groos, der die Modelle zusammen mit seinem Kompagnon vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) hat testen lassen.

„Ich habe als Forstwirt nach dem Sturm Kyrill 2008 Tausende von diesen Wuchshüllen aus Plastik erst gefaltet und dann aufgezogen. Und ich habe mir gedacht: Das muss doch auch anders gehen“, erzählt Groos.

Und es geht anders. Groos machte Skizzen und probierte und tat sich mit Metallbauer Müller zusammen. Scherdorn und Raute, diese beiden Elemente, die abwechselnd an einem feuerverzinkten Zentralstab festgeschweißt sind, verhindern, dass Reh und Hirsch, ebenso Feldhasen, das gepflanzte Bäumchen erreichen können.

Die runden, spitzen Dorne sind für deren Äser ebenso ungemütlich wie die zu einer federnden Raute gebogenen Flacheisen. Die Rauten – und das ist eine geniale Idee – berühren sich vorn zwar, aber sie sind nicht miteinander verschweißt, öffnen sich also, wenn der Forstwirt sie nach einigen Jahren, wenn der Jungbaum aus dem Gröbsten raus ist, nach hinten wegzieht. Den wie mit zwei starken Heringen versehenen Metallbogen am unteren Ende tritt man zur Verankerung einfach ins Erdreich.
„Sie brauchen pro Pflanze nicht mehr als 40 Sekunden“, schwört Groos. Alle anderen gängigen Einzelschutz-Fabrikate, die auf dem Markt sind, erläutert der Unternehmer, benötigen je nach Modell zwischen zwei und zwölf Minuten.

Kein Abfall mehr

Hinzu kommt: Befreit der Waldbesitzer seine Kultur vom Verbissschutz, fällt kein Abfall an. Anders die Plastikhüllen: „Man merkt ja jetzt, welchen Mengen davon in den Wäldern herumliegen“, beobachtet Groos. Nachhaltigkeitszertifizierer haben deshalb den Kunststoffschutz seit einiger Zeit auf dem Radar und drängen auf Alternativen.
Mit rund 25 Euro (je nach bestellter Menge) ist der 4 Kilo schwere VS 1200 aber der Bentley unter den Verbissschutz-Modellen. Thomas Groos und Michael Müller können sich über mangelnde Anfragen trotzdem nicht beklagen. „Die Zeitersparnis ist ja bares Geld“, sagt der Forstwirt, zumal Personal im Moment schwer zu bekommen ist. Und jede Wiederverwendung lässt die Amortisation näherrücken. Andreas Goebel

Thomas Groos schützt einen jungen Baum mit dem neuartigen Verbissschutz. Rundstäbe in Form eines V und federnde, vorn offene Rauten wechseln sich am Stab ab.
So sieht der Verbissschutz aus der Nähe aus.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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