Gegen Vorurteile und Feindbilder

Sechs Bands ließen es im Zeichen der Menschlichkeit ordentlich krachen

dan Siegen. Um pauschalen Ablehnungen, Stereotypen und Vorurteilen gegenüber Ausländern auf eine intelligente und tolerante Weise zu begegnen, legten die Jusos der SPD Siegen-Wittgenstein ein beachtliches Engagement an den Tag. Wo Diskussionen enden, beginnt idealerweise die Umsetzung in die Tat. So wurde das Festival »Rock gegen Rassismus« geboren. Bands und Räumlichkeit mussten her, Sponsoren und Helfer gefunden und ein Rahmenprogramm entwickelt werden. Das Resultat war am Samstagabend im Audimax der Uni Siegen zu bestaunen. Sechs Bands spielten auf, um mit ihrer Musik konsequent für Solidarität und Toleranz zu sensibilisieren.

Schon die erste Band, Destination Anywhere, wusste das rund 120 Personen starke Publikum zu begeistern. Die Devise der sehr jungen Band aus dem Raum Siegen/Betzdorf, die in diesem Jahr den Rockförderpreis der Stadt Siegen gewann, ist, den Spaß, den sie beim Spielen hat, auch beim Publikum hervorzurufen. Dies setzten die Musiker problemlos in die Tat um. Besonders die Bläser mit Posaune, Trompete und Saxophon vereinten Tempo und Melodie zu einem harmonischen, von Ska-Punk angehauchten Ohrenschmaus. Während die Lokalhelden das Mikrofon an die Bad Laaspher Punk-’n’-Roll-Corer von Projekt Mutante übergaben, blieb, wie in den weiteren Pausen, Zeit, um sich verschiedenen Infoständen und der Verköstigung zu widmen. Dass eine Anti-Rassismus-Einstellung parallel bedeutet, sich für Gleichwertigkeit, und Menschlichkeit auszusprechen, haben sich auch die Mitglieder des Zentrums für Friedenskultur auf die Fahne geschrieben. Sie standen parat, um Interessierten ihre Arbeit und Grundsätze näherzubringen. Mit Flyern, Stickern und Magazinen waren die Jusos bestrebt, die Besucher über Themen wie Rechtsradikalismus oder Nationalismus aufzuklären. Doch dann lautete Rock’n’Roll die Devise, und mit einem unglaublichen Drive setzten die Rocker von Projekt Mutante ihren Auftritt in Szene. Mit Mundharmonika und Tamburin präsentierten sie Coversongs wie »Rockin’ In The Free World«, passend zum Motto des Festivals. Eingestreute Hardcore-Passagen sorgten für ordentlich Krach, und das Misfits-Cover »Dig Up Her Bones«, das die Band als Zugabe in den Saal schmetterte, brachte das auf mittlerweile über 200 Leute angewachsene Publikum auf Hochtouren.

Das Audimax war jetzt in ein buntes Lichtermeer getaucht, und auf der Bühne arbeiteten die Akteure emsig wie die Ameisen, denn die nächste und erste wirklich professionelle Band kündigte sich an: Wilson jr. Das Indie-Rock-Trio aus Würzburg, das bereits bei »Rock am Ring« und »Rock im Park« 2006 spielte, gab dem Publikum Deutschrock pur auf die Ohren und wusste mit musikalischer Ausgefeiltheit zu glänzen: Rhythmus und Intensität wechselten in nahezu perfektem Timing. Insgesamt klang es ein wenig wie die Band Tagtraum; dem Publikum gefiel es.

Das Audimax war jetzt gut gefüllt, und langsam steuerte der Abend seinem Höhepunkt entgegen – dem Auftritt der Ska-Punk-Reggae-Combo Scruffyheads. Die Musiker zeigten, dass sie den Genrespagat exzellent beherrschen und brachten das Publikum zum Ausflippen: »Take Me Away« schallte es aus den Boxen, und die Masse pogte, was das Zeug hielt. Immer wieder animierte die Band zum Mitmachen bestimmter Tanzformationen. So bildete das Publikum z.B. einen großen, geschlossenen Kreis und schwang die Hüften auf volkstümliche Weise zu griechischen Rhythmen. Ob auf Deutsch oder Englisch, die Band sorgte für ein multikulturelles Klang- und Tanzvergnügen.

Bei der darauf folgenden Gruppe war die Luft bereits etwas raus, was wohl weniger an den recht langen Pausen zwischen den Auftritten als vielmehr an der energiegeladenen Show von Scruffyheads lag. Massendefekt spielten deshalb vor einem zahlenmäßig geschrumpften Publikum, das sie mit ihrem Mix aus Rock, Punk und Pop nicht wirklich mitzureißen vermochten. Das Covern von Nena-Songs und das Verteilen von Kinderriegeln wirkten auch eher lächerlich, dennoch: Musikalisch bewegte sich die Band auf absolut hohem Niveau.

Da das Publikum größtenteils sehr jung war, erzeugte eine Verschiebung im Zeitplan und der damit verbundene, erst nach Mitternacht begonnene Auftritt der Headliner Bambix eine große Fluktuation in der Zuhörerschaft. Aber nichtsdestotrotz gaben die sympathischen Holländer alles: Mit 18 Jahren Bühnenerfahrung und der markanten Stimme von Frontfrau Wick Bambix zeigten sie einen intensiven, meistens wuchtigen Mix aus Punkrock und Hardcore mit einem Schuss Metal.

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