„Gegrinse“ kommt nicht gut an

Nicht zuletzt über das „Gegrinse“ in diesem Bild ärgert man sich in Hilchenbach. Rektor Thomas Bosch (M.) wechselte zum Februar von Müsen nach Eichen. Archivfoto: Stadt Kreuztal
  • Nicht zuletzt über das „Gegrinse“ in diesem Bild ärgert man sich in Hilchenbach. Rektor Thomas Bosch (M.) wechselte zum Februar von Müsen nach Eichen. Archivfoto: Stadt Kreuztal
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js -Harsche Kritik erntete die Neubesetzung des Chefsessels der Adolf-Wurmbach-Grundschule Eichen/Littfeld am Dienstag im Hilchenbacher Rat. Kein Verständnis hatten Politik und Verwaltung dafür, wie Thomas Bosch praktisch von heute auf morgen seiner vorherigen Wirkungsstätte, der Stahlbergschule in Müsen, den Rücken gekehrt hat. Wie berichtet, übernahm Thomas Bosch zum zweiten Schulhalbjahr – also Anfang Februar – die Stelle des in den Ruhestand verabschiedeten Rektors Jochen Schreiber. Darüber wurde die Stadt Hilchenbach als Trägerin der Stahlberschule erst am 29. Januar informiert – einen Tag nach der Schulkonferenz an der Adolf-Wurmbach-Grundschule, bei der die Personalie bestätigt wurde. Vier Tage später trat Bosch bereits seinen Dienst in der Nachbarkommune an.

Aus Sicht der Hilchenbacher Verwaltung sei das Verfahren „unglücklich“ gelaufen, meinte Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab – „um es vorsichtig auszudrücken“. In einem Schreiben an die Bezirksregierung äußerten Stadtrat Udo Hoffmann und Schulamtsleiter Werner Krönert ihr Bedauern und Unverständnis über die Vorgehensweise. Im Vorfeld der getroffenen Personalmaßnahmen sei die Stadt Hilchenbach „in keiner Form beteiligt worden“. Und das, obwohl zu erwarten gewesen sei, „dass aufgrund der Schließung der städtischen Grundschule Allenbach zum Ende dieses Schuljahres und der damit verbundenen Aufnahme der verbleibenden Klassen 3 und 4“ in die Grundschule Müsen „besondere Anforderungen an die Schulleitung und den Schulträger“ bestünden.

Zur Erinnerung: Die Grundschule Allenbach schließt zum Schuljahresende und „überlässt“ der Stahlbergschule zwei komplette Klassen. Gleichzeitig soll im Allenbacher Schulgebäude der Startschuss einer freien, bilingualen Schule, der „b-school“, fallen. Diese wiederum ist nach wie vor umstritten in Hilchenbach, da sie als Konkurrenz für die kommunalen Schulen angesehen wird – insbesondere für die Stahlbergschule, die um den langfristigen Erhalt ihrer Zweizügigkeit bangt. Thomas Bosch hatte sich als Müsener Rektor klar und deutlich gegen die Vermietung des städtischen Gebäudes an die freie Schule ausgesprochen. Am Ende entschied die politische Mehrheit aber anders.

Die Verwaltung hat die Bezirksregierung nun dringend darum gebeten, die Besetzung der vakanten Rektorenstelle „in jedem Fall zum neuen Schuljahr sicherzustellen“. Dies sei schon allein deshalb nötig, „weil der Ratsbeschluss zur Schließung der Allenbacher Schule mit der Zusicherung an die Eltern verbunden war, den Übergang in die neue Schule mit allen berechtigten Ansprüchen an Bildung und Betreuung zu gewährleisten“. Eine nur kommissarisch geführte Schule zum neuen Schuljahr „wäre kein gutes Zeichen für eine schulorganisatorische Perspektive“.

„Wir hätten eine vorherige Beteiligung erwarten können“, ärgerte sich Schulamtsleiter Krönert über die „ganz unglückliche Entscheidung“, die – anders als bei der Suche nach neuen Schulleitungen – über die Hilchenbacher Köpfe hinweg getroffen worden sei. Ein weiteres Problem sei im Nachgang zur unerwarteten Nachricht aus Eichen hinzugekommen: Die bisherige Konrektorin, die in dieser Situation eigentlich das Ruder hätte übernehmen müssen, habe sich entpflichten lassen und die kommissarische Leitung der Schule abgelehnt. Für  Freitag wurde im Rathaus aufgrund der akuten Problemlage ein klärendes Gespräch mit der Schulrätin des Kreises Siegen-Wittgenstein und den kommissarischen Schulleitungen der Grundschulen in Müsen und Allenbach anberaumt.

„Man lässt uns im Regen stehen“, schalt Ernst Heinrich Hofmann (FDP) das Vorgehen, das aufgrund „der voreiligen Schließung“ der Allenbacher Schule besonders problematisch sei. „Wir sehen das auch so“, unterstrich Stadtrat Udo Hoffmann. „Wenn einer keine Lust mehr hat, dann sollte man ihn gehen lassen“, fügte Bürgermeister Hasenstab mit Blick auf Thomas Bosch hinzu. Ernst Heinrich Hofmann echauffierte sich zudem über das Foto, das im Nachgang zu besagter Adolf-Wurmbach-Schulkonferenz in der Presse zu sehen war – genauer gesagt über „dieses Gegrinse“ angesichts der Situation. Helmut Kaufmann (SPD), selbst Schulleiter, machte darauf aufmerksam, dass es sich in diesem Fall um ein „völlig normales Bewerbungsverfahren“ gehandelt habe. Bei ihm selbst sei es ähnlich gewesen: Als er 1994 an die Hauptschule Dahlbruch kam, habe die abgebende Schule erst am Abend zuvor davon erfahren. Nun habe es Hilchenbach getroffen. Das sei problematisch. „Normal mag es sein, es ist aber dennoch nicht richtig“, fügte Ernst Heinrich Hofmann hinzu.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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