Corona-Gedenken: Am 21. Dezember verstirbt Hannelore Danielsen
Gehofft bis zuletzt

Hannelore Danielsen wurde 85 Jahre alt. Sie starb am 21. Dezember 2020 an ihrer Covid-19-Infektion.
  • Hannelore Danielsen wurde 85 Jahre alt. Sie starb am 21. Dezember 2020 an ihrer Covid-19-Infektion.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

goeb Siegen. Liebevoll hat sich das Personal der Kreuztaler Wohngemeinschaft für Demenzkranke um die 85-jährige Hannelore Danielsen gekümmert. „Sie hat sich dort sehr wohl gefühlt“, berichtet ihre Tochter Heike Achenbach aus Weidenau über die letzten Monate der gebürtigen Littfelderin.
Mitte Oktober letztes Jahr, zwei Tage nach ihrem 85., ist sie in die Einrichtung gezogen. Zwei Monate später wird sie versterben an der tückischen Viruserkrankung Covid-19. Sie ist einer von inzwischen über 100 Menschen, die im Kreis Siegen-Wittgenstein die Infektion nicht lebend überstanden haben.
Dass sie die Diagnose bekam, war eher dem Zufall geschuldet, schildert die Tochter im Gespräch mit der SZ. Sie war gestürzt und zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden. „Sie war stabil für ihr Alter und zum Glück nur ganz leicht verletzt“, schildert sie. Am gleichen Tag konnte sie in ihre geliebte WG zurückkehren.

„Wir sind aus allen Wolken gefallen“

Doch dann: Der Corona-Test hatte ein positives Ergebnis. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, berichtet sie über die Reaktion innerhalb der großen Familie.
Sechs Kinder hatte Hannelore Danielsen. Der Name stammt aus dem Norddeutschen, ihr Leben hat sie größtenteils in ihrem Heimat- und Geburtsort Littfeld verbracht. Die Kinder großziehen, den Haushalt führen, den großen Garten bewirtschaften, die Arbeit in der ev. Gemeinde: Es gab immer viel zu tun für sie.
„Klar, sie hatte schon das hohe Alter, aber wir hatten ja bereits von Fällen gehört, die das auch in den 80ern und sogar 90ern ganz gut weggesteckt haben“, berichtet Heike Achenbach. Ihre Hoffnung baute sich auf die anfangs gute Konstitution der Mutter. Doch nach einigen Tagen wurde sie kurzatmig. Am 20. November kam sie ins Kreisklinikum nach Weidenau.

Oberarzt machte Familie wenig Hoffnung

Der Oberarzt machte der Familie wenig Hoffnung. Es sei doch ein sehr starker Befund, meinte er. „Da wurde es uns erst richtig bewusst“, erinnert sie sich. Ihnen ging es wie vielen Familien im Siegerland. Corona war anfangs ganz weit weg und rückte allmählich näher. Dann der erste Fall in der Familie.
Nach anfänglich niederschmetternder Prognose erholte sie sich etwas, bis es zum nächsten Rückschlag kam. So ging es hin und her, immer auf und ab.
„Entgegen vieler Horrormeldungen in der Presse konnte ich zu ihr ins Krankenhaus, als es ihr sehr schlecht ging“, betont die Weidenauerin. „Dafür bin ich den Ärzten sehr dankbar!“
Leider habe sie ihre Erkrankung wegen der Demenz nicht mehr richtig begreifen können. „Vielleicht war es aber auch ein Segen“, denkt die Tochter heute. Örtlich war sie aber orientiert. Sie wusste, dass sie im Krankenhaus war. Und sie erkannte auch die Tochter Heike. „Obwohl ich ja durch die Schutzkleidung vermummt war. Sie hat mich immer an den Augen erkannt.“

Nach 27 Tagen zurück in Wohngemeinschaft

Dann begann eine Entwicklung, mit der zu diesem Zeitpunkt niemand mehr gerechnet hatte. Hannelore Danielsen erholte sich so gut, dass sie von der Isolierstation auf die Normalstation wechseln konnte und sogar der Tag der Entlassung näherrückte. „Selbst der behandelnde Arzt konnte das nicht glauben und sprach von einem Wunder, dass sie diese Infektion augenscheinlich überstanden hatte“, schildert sie.
Am 16. Dezember, nach 27 Tagen im Krankenhaus, kehrte sie zurück in ihre Wohngemeinschaft. Dort herrschte wegen Covid-Infektion in anderen Fällen inzwischen zwar Besuchsverbot, doch das Personal berichtete ihr jeden Tag, dass die Mutter zwar noch schwach sei, aber dass sie gut esse und fröhlich sei.
Doch der Schein trog. Zwei Tage später erhielt sie einen Anruf aus der Einrichtung. „Ihre Mutter gefällt uns heute gar nicht. Bitte schauen Sie vorbei, wenn es sich einrichten lässt.“

In der Sterbestunde die Hand gehalten

In Absprache mit dem Gesundheitsamt durfte sie noch einmal zu ihr. Heike Achenbach ist dankbar, dass sie in ihrer Sterbestunde, drei Tage vor Weihnachten, ihre Hand halten konnte.
„Sie hat mich auch erkannt“, sagt sie. Sie starb in ihrer vertrauten Umgebung. „Ich hätte ihr noch gern etwas Lebenszeit gewünscht“, sagt sie abschließend. „Ich wünsche allen Angehörigen, die durch dieses heimtückische Virus einen lieben Menschen verloren haben, viel Kraft für die Zeit der Trauer.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen