SZ

Corona verändert das Geschäft der Pfandleiher
"Geldnot kennt kein Standesdenken"

Gut geschützt hinter Panzerglas – Mark Imlau und Vater Hans-Georg (sitzend).

kay Siegen. Ein wenig abseits liegt es, und man muss ein wenig Ortskenntnis haben, um es zu finden – das kleine Pfandleihhaus an der Hainstraße. Seit der Gründung vor über 40 Jahren ist Inhaber Hans-Georg Imlau der Helfer in der Not. Wenn schnell und unkompliziert Bares benötigt, der Weg zum Kreditberater gescheut wird oder ein Bankkredit aussichtslos erscheint – Imlau ist im Stadtgebiet und weit darüber hinaus die erste Adresse für schnelle Hilfe. Mittlerweile ist auch Sohn Mark ins Geschäft mit den Pfandkrediten eingestiegen. Er übernimmt mehr und mehr die Aufgaben seines Vaters und Lehrmeisters.
Pfandleihhaus ist geöffnetAber wie sieht es in Zeiten von Corona aus? Laufen die Geschäfte wie zuvor? Die SZ hat nachgefragt und die Imlaus besucht.

kay Siegen. Ein wenig abseits liegt es, und man muss ein wenig Ortskenntnis haben, um es zu finden – das kleine Pfandleihhaus an der Hainstraße. Seit der Gründung vor über 40 Jahren ist Inhaber Hans-Georg Imlau der Helfer in der Not. Wenn schnell und unkompliziert Bares benötigt, der Weg zum Kreditberater gescheut wird oder ein Bankkredit aussichtslos erscheint – Imlau ist im Stadtgebiet und weit darüber hinaus die erste Adresse für schnelle Hilfe. Mittlerweile ist auch Sohn Mark ins Geschäft mit den Pfandkrediten eingestiegen. Er übernimmt mehr und mehr die Aufgaben seines Vaters und Lehrmeisters.

Pfandleihhaus ist geöffnet

Aber wie sieht es in Zeiten von Corona aus? Laufen die Geschäfte wie zuvor? Die SZ hat nachgefragt und die Imlaus besucht. Mit einem freundlichen Lächeln gewähren sie dem Reporter per elektrischem Türöffner Einlass. Das Innere des kleinen Ladenlokals hat etwas von einer Bank, wie man sie vor Jahren noch kannte – gut geschützt hinter Panzerglas sitzen Vater und Sohn hinter der Ladentheke.
„Auch wir haben durch Corona einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Der beläuft sich auf gut 30 Prozent. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschäftsleuten dürfen wir aber glücklicherweise unter Hygienebedingungen regulär weiterarbeiten“, erklärte Mark Imlau. Zu Beginn der Pandemie sei man zunächst davon ausgegangen, dass ja nun grundsätzlich mehr los sein müsse, da viele Leute in finanzielle Not geraten seien. Im Endeffekt sei der Umsatzeinbruch dann aber doch nicht so überraschend gewesen, da das Konsumverhalten in der Bevölkerung enorm zurück gegangen sei. Die Leute hätten viel weniger Möglichkeiten ihr Geld auszugeben – dadurch sei der Bedarf an kurzfristig notwendigem Bargeld einfach nicht so gegeben gewesen.

Vom Unternehmer bis zum Rentner

Es kommt nicht selten vor, dass bei den Kunden des Leihhauses Ebbe in der Kasse herrscht und Wertgegenstände für eine gewisse Zeit als Pfand vorbeigebracht werden. „Unsere Kunden kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Vom Hartz-IV-Empfänger über den Unternehmer bis hin zum Rentner – Geldnot kennt kein Standesdenken“, merkte Hans-Georg Imlau an. Die Imlaus nehmen aber nicht alles als Pfand an, denn kaufmännisches Denken ist angesagt. Teurer Schmuck, Goldbarren und -münzen, hochwertige Uhren wie Rolex, Omega oder Breitling, gängige Smartphones, Spielekonsolen, Laptops und Tablets – das sind die Gegenstände, die hauptsächlich beliehen werden. Zu alt darf die Technik allerdings nicht sein. Maximal zwei Jahre dürfen die Geräte auf dem Buckel haben und ein Beleg über die Restgarantie muss vorhanden sein. Nach Überprüfung und Schätzung der abgegebenen Gegenstände laufen die Geschäfte dann sehr unkompliziert und schnell ab, jedoch nicht anonym. Jeder Pfandgeber muss sich ausweisen, denn aus rechtlichen Gründen muss alles Hand und Fuß haben. Erst dann gibt es den Pfandschein, mit dem man zu einem späteren Zeitpunkt die beliehenen Gegenstände gegen Gebühr wieder auslösen kann.

90 Prozent sind Schmuckstücke

Bei der Art der Dinge, die als Pfand abgegeben werden, habe es laut Mark Imlau eine interessante Verlagerung gegeben. „Vor der Pandemie hatten wir eine Verteilung von 60:40, was Technik und Schmuck angeht. Mittlerweile hat es sich völlig geändert. 90 Prozent der beliehenen Dinge sind Schmuckstücke, der übrige Rest bewegt sich im Bereich Technik. Die Leute sind viel mehr zu Hause und sagen, dass sie nicht auf ihre Playstation oder ihren Fernseher verzichten möchten.“ Das sei der Grund, warum vermehrt Schmuck abgegeben werde. Besonders auffällig war für Vater und Sohn Imlau auch, dass seit Beginn der Corona-Pandemie immer mehr Selbstständige wie zum Beispiel Gastronomen zu ihren Kunden zählen. „Da geht es nicht um die klassischen Summen von 100 oder 200 Euro. Da geht es auch mal um 5000 Euro, weil Gehälter gezahlt werden müssen, da die zugesagten Fördergelder nur sehr langsam fließen“, erklärte Mark Imlau. Angst um die beliehenen Gegenstände muss niemand haben: Der Pfandleiher hat das Pfand mindestens zum doppelten Betrag des Darlehens gegen Feuerschäden, Leitungswasserschäden, Einbruchdiebstahl sowie gegen Beraubung zu versichern.

Langsam zurück zur Normalität

„Eine weitere Veränderung haben wir zu Beginn des ersten Lockdowns bei vielen unserer ausländischen Kunden feststellen können“, so Imlau Senior. Diese besäßen zum Teil ein großes Vermögen an Gold. Besonders Sinti und Roma hätten 2020 auf einen Schlag ihr beliehenes Gold wieder abgeholt – aus Angst, wie es im Verlauf der Pandemie weitergehe, ob man das Land verlassen müsse. „Das war quasi unser herbster Einschlag, als alle gesagt haben, wir holen unser Gold erstmal ab und sitzen zu Hause drauf.“ Nach und nach seien die Sachen dann aber wieder zurückgebracht worden, als man bemerkt habe, dass sich so viel eigentlich gar nicht tue. Insgesamt sehen die Imlaus trotz der widrigen Umstände aber positiv in die Zukunft. Man merke, dass sich die Lage langsam normalisiere.

Autor:

Kay-Helge Hercher (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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