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Corona-Regeln in der Kirche
Gemeinden gehen unterschiedlich mit der Pandemie um

Pfarrer Oliver Günther aus der ev. Kirchengemeinde Oberholzklau und das Presbyterium haben hin und her überlegt. Nun steht fest: Vorerst gilt für den Gottesdienstbesuch 2 G.
  • Pfarrer Oliver Günther aus der ev. Kirchengemeinde Oberholzklau und das Presbyterium haben hin und her überlegt. Nun steht fest: Vorerst gilt für den Gottesdienstbesuch 2 G.
  • Foto: Kay-Helge Hercher
  • hochgeladen von Michael Sauer

nja/vc Siegen/Bad Berleburg. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“: Der Text dieses Lieds passt nicht nur wunderbar in die Vorweihnachtszeit, sondern spannt, weniger schön, auch den Bogen hin zu aktuellen Diskussionen rund um die bitteren Notwendigkeiten in Zeiten der Pandemie. Stichworte: Kontaktbeschränkungen und Stoßlüften. Wie stellen sich die beiden großen Kirchen in unserer Region derzeit der coronalen Herausforderung? Die SZ fragte nach und erhielt ein durchaus buntes Bild.

„Viele Gemeinden im ev. Kirchenkreis Siegen gehen über die Empfehlungen der Landeskirche hinaus“, sagt Sprecherin Jasmin Maxwell-Klein. Bielefeld spricht sich für 3 G aus.

nja/vc Siegen/Bad Berleburg. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“: Der Text dieses Lieds passt nicht nur wunderbar in die Vorweihnachtszeit, sondern spannt, weniger schön, auch den Bogen hin zu aktuellen Diskussionen rund um die bitteren Notwendigkeiten in Zeiten der Pandemie. Stichworte: Kontaktbeschränkungen und Stoßlüften. Wie stellen sich die beiden großen Kirchen in unserer Region derzeit der coronalen Herausforderung? Die SZ fragte nach und erhielt ein durchaus buntes Bild.

„Viele Gemeinden im ev. Kirchenkreis Siegen gehen über die Empfehlungen der Landeskirche hinaus“, sagt Sprecherin Jasmin Maxwell-Klein. Bielefeld spricht sich für 3 G aus. Dies ermöglicht Geimpften, Genesenen und Getesteten die Teilnahme am Gottesdienst, wobei auf Abstand geachtet werden soll und beim Singen sowie auf dem Weg zum Sitzplatz medizinische Masken getragen werden. Der Kirchenkreis selbst empfiehlt „mindestens 3 G“ – und appelliert an alle, sich impfen zu lassen: „Wir möchten niemanden vom Besuch eines Gottesdienstes ausschließen, zugleich aber alle bestmöglich vor einer Infektion schützen.“

Derzeit 2 G in drei Kirchengemeinden

Derzeit gilt in allen bis auf fünf Gemeinden 3 G. In drei Gemeinden – Martini Siegen, Burbach und Oberholzklau – haben nur Geimpfte und Genesene Zutritt zum Gottesdienst, in Burbach sind Schüler davon ausgenommen. Ab dem 3. Advent gilt auch in Niederdresselndorf 2 G. Zwei Gemeinden (Ferndorf und Christus Siegen) bleiben bei ihren Schutzkonzepten, die u. a. Maskenpflicht, Abstand, eine Besucherobergrenze für Gebäude und eine Kontaktnachverfolgung beinhalten.

Viele Gemeinden treffen über 2 G oder 3 G hinausgehende Sicherheitsvorkehrungen. Neben dem von der Landeskirche vorgegebenen Tragen der Maske beim Singen und bei der Bewegung wird in neun Gemeinden der Mund-Nase-Schutz während des gesamten Gottesdienstes getragen. Vielerorts gelten Abstandsregeln. Vereinzelt gibt es Teilnehmerlisten, eine Anmeldepflicht für besondere Gottesdienste, den Verzicht auf Singen oder Abendmahl. Natürlich werden die „G“-Regeln kontrolliert. Einige Gemeinden bieten beaufsichtigte Selbsttests an.

Wir haben eine Fürsorgepflicht und tragen Verantwortung für die Gesundheit anderer
Oliver Günther
Pfarrer in Oberholzklau

In der ev. Kirchengemeinde Oberholzklau gilt seit Sonntag 2 G. Zugrunde liegt ein einstimmiges Votum des Presbyteriums. „Wir haben eine Fürsorgepflicht und tragen Verantwortung für die Gesundheit anderer“, sagt Pfarrer Oliver Günther. Dann gab es – aus dem Kreis der Geimpften – kritische Nachfragen. Man sorge sich, dass Menschen ausgeschlossen würden, wünsche sich stattdessen Solidarität. Nach den Bund-Länder-Beschlüssen und den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte bleibt es nun aber bei 2 G. Günther: „Ab dem 3. Advent wird der Gottesdienst im Alchener Gemeindehaus gefeiert – von dort können wir Livestreams in die Wohnzimmer ermöglichen.“

Bewährtes Hygienekonzept in Ferndorf

„Wir setzen auf unser Hygienekonzept, das hat sich bewährt“, sagt hingegen Pfarrerin Roswitha Scheckel aus der ev. Kirchengemeinde Ferndorf. Will heißen: Abstandhalten, Desinfizieren und das Tragen von Mundschutz sind hier die Bedingungen für die Teilnahme am Gottesdienst. Der Verzicht auf weitere Zugangsbeschränkungen habe für sie auch „urchristliche Gründe. Gott hält keinen Abstand. Alle Menschen sind bei ihm willkommen“, sagt Scheckel und zitiert die Jahreslosung für 2022: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6 Vers 37.“

Dies gilt im Dekanat SiegenIm Dekanat Siegen greifen in den kath. Kirchengemeinden nach wie vor die Hygienekonzepte mit Abstand, Maske und Desinfektion – ohne weitere Zugangsbeschränkungen. Die leitenden Pfarrer der pastoralen Räume freuen sich, dass es keinen Fall von Corona-Ausbruch in Gotteshäusern gab. Das sei „der umsichtigen Kooperation mit dem Erzbistum zu verdanken, das mit seinem Krisenstab regelmäßig Hygiene-Hinweise für die Gottesdienste veröffentlicht, die gewissenhaft umgesetzt wurden“. Beim Abwägen der Zugangsregeln muss laut Dekanat auch das Grundrecht der freien Religionsausübung berücksichtigt werden. In den pastoralen Räumen des Siegerlandes und Wittgensteins wird an Heiligabend und Weihnachten zum Teil die 3-G-Regel angewandt: Dort kontrollieren dann ehrenamtliche Ordnerdienste.

In Wittgenstein haben Ungeimpfte, die getestet sind, weiterhin Zutritt zu den Gottesdiensten. Superintendentin Simone Conrad: „Im Bemühen, niemanden auszuschließen, wird in etlichen Kirchengemeinden sogar noch vor den Gottesdiensten die Möglichkeit zu einem kontrollierten Selbsttest angeboten.“ Zusätzlich zu 3 G sei in den Kirchen jetzt wieder mehr Abstand geboten. „Es ist ein Balance-Akt, auf der einen Seite die Sicherheit zu geben und auf der anderen Seite niemanden ausschließen zu wollen. Da sind die Presbyterien gut unterwegs.“ In manchen Gemeinden tragen die Gläubigen den Mund-Nasen-Schutz nicht nur beim Singen.

Die Superintendentin weist darauf hin, dass Veranstaltungen wie der lebendige Adventskalender nun „outdoor“ abgehalten werden. Im Übrigen Freizeitbereich gelte die 2-G-Regel. Mit Blick auf Weihnachten sagt sie lachend: „Die einzige Gewissheit, die ich habe: Es wird Weihnachten. Und wir werden das feiern.“
Im ev. Kirchenkreis Siegen wird Mitte Dezember über die „Festtagsangebote“ beraten.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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